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Wirtschaftsnachrichten

Wie die deutsche Wirtschaft dasteht - und was auf sie zukommt

Berlin (Reuters) - Der März hat sich für die deutsche Wirtschaft als schwärzester Monat der Nachkriegszeit herausgestellt.

The Brandenburg Gate is seen almost empty, as the spread of the coronavirus disease (COVID-19) continues, in Berlin, Germany March 24, 2020. REUTERS/Reinhard Krause

Produktion, Industrieaufträge, Einzelhandelsumsatz - überall wurden wegen der Corona-Krise heftige Einbußen verzeichnet. Kein Wunder, dass die EU-Kommission Europas größer Volkswirtschaft in diesem Jahr einen historischen Einbruch beim Bruttoinlandsprodukt vorhersagt. Nachfolgend ein Überblick über die aktuellen Konjunkturdaten und ein Ausblick:

EINZELHANDEL

- Die Lage: Die deutschen Einzelhändler haben im März wegen der Corona-Krise so starke Einbußen erlitten wie seit über 13 Jahren nicht mehr. Ihr Umsatz fiel preisbereinigt (real) um 5,6 Prozent zum Vormonat. Die Krise sorgt für eine tiefe Spaltung der Branche: Der von den Ladenschließungen stark betroffene Textilhandel verlor Umsätze wie noch nie, während Lebensmittel- und Online-Händler sowie Apotheken kräftige Zuwächse verzeichneten.

- Die Aussichten: Schlecht. Das vom Branchenverband HDE per Umfrage unter 2000 Verbrauchern ermittelte Konsumbarometer stürzt nach der historischen Verschlechterung im April weiter ab und erreicht im Mai einen neuen Tiefpunkt. “Selbst wenn in einigen Wochen die Maßnahmen gegen eine Ausbreitung des Virus, insbesondere im Hinblick auf die Konsummöglichkeiten, größtenteils aufgehoben sein sollten, wird der private Konsum noch eine sehr lange Zeit durch Zurückhaltung geprägt sein”, befürchtet der HDE.

PRODUKTION

- Die Lage: Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion im März angesichts der Corona-Krise in Rekordgeschwindigkeit gedrosselt. Industrie, Bau und Energieversorgern stellten zusammen 9,2 Prozent weniger her als im Vormonat. “Dies ist der stärkste Rückgang seit Beginn der Zeitreihe im Januar 1991”, fasst das Statistische Bundesamt zusammen.

- Die Aussichten: Trüb - besonders für die Industrie. Sie kann zwar ihre Fabriken wieder öffnen und die Produktion hochfahren, doch angesichts der weltweiten Rezession dürfte die Nachfrage nach Waren “Made in Germany” noch lange Zeit schwach bleiben.

INDUSTRIEAUFTRÄGE

- Die Lage: Die Aufträge fallen in Rekordgeschwindigkeit weg. Im März brachen sie um 15,6 Prozent zum Vormonat ein, wobei sowohl die In- als auch die Auslandsnachfrage stark nachließ.

- Die Aussichten: Düster. Die Industriebetriebe blicken so pessimistisch auf die kommenden sechs Monate wie noch nie. Das entsprechende Ifo-Barometer für das Verarbeitende Gewerbe stürzte im April auf ein Rekordtief ab. Hauptgrund dafür: die erwartete weltweite Rezession, die die exportabhängige Industrie belasten wird.

EXPORTE

- Die Lage: In den beiden ersten Monaten des Jahres fielen die Ausfuhren zusammen um 0,8 Prozent. Für März wird ein heftiger Einbruch erwartet - die Daten werden kommende Woche veröffentlicht.

- Die Aussichten: Alles andere als gut. Erstmals seit 2013 dürften die deutschen Exporte in diesem Jahr wieder fallen. Erwartet wird von der Bundesregierung ein Einbruch um 11,6 Prozent. “Die Auswirkungen der Corona-Pandemie stürzen die Weltwirtschaft in eine schwere Rezession, deren Ausmaß die Finanzkrise 2008/09 übersteigt”, erklärt das Wirtschaftsministerium dazu. Die Rezession in den meisten wichtigen Absatzmärkten bekommt Export-Europameister Deutschland damit deutlich zu spüren.

BRUTTOINLANDSPRODUKT

- Die Lage: Im ersten Quartal dürfte die deutsche Wirtschaft noch mit einem blauen Auge davongekommen sein, weil der Shutdown erst Mitte März begann und die beiden ersten Monate noch sehr gut ausfielen. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) und die Commerzbank rechnen mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von 2,5 Prozent. Zum Vergleich: Die Euro-Zone stürzte um 3,8 Prozent ab. Die deutschen Daten werden am 15. Mai veröffentlicht.

- Die Aussichten: Sehr schlecht. Die Bundesregierung erwartet in diesem Jahr die schwerste Rezession der Nachkriegszeit. Das Bruttoinlandsprodukt soll um 6,3 Prozent einbrechen - vor allem wegen eines sehr schwachen zweiten Quartals. Immerhin: Ein Großteil soll im kommenden Jahr wieder aufgeholt werden, für das ein Wachstum von 5,2 Prozent erwartet wird.

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