April 29, 2020 / 4:16 PM / a month ago

Fortschritte für Lufthansa bei staatlichen Rettungsaktionen

Zürich/Wien/Frankfurt/Berlin/ (Reuters) - Die Rettungsaktionen für die Lufthansa-Gruppe in der Coronavirus-Krise kommen außerhalb Deutschlands voran.

FILE PHOTO: Planes of German carrier Lufthansa parked on a closed runway at Frankfurt airport, Germany, March 23, 2020, as the spread of the coronavirus continues. REUTERS/Kai Pfaffenbach/File Photo

Die Schweizer Töchter Swiss und Edelweiss sicherten sich staatliche Garantien für umgerechnet 1,2 Milliarden Euro Kredit. Mit der Finanzhilfe wolle das Land dafür sorgen, dass die Schweiz international angebunden bleibe und die Luftfahrt als kritische Infrastruktur gesichert werde, erklärte die Regierung in Bern am Mittwoch. “Wir haben in den letzten Tagen harte Verhandlungen mit der Swiss und auch mit der Lufthansa über standortpolitische Fragen geführt”, sagte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr wurde unterdessen in Wien bei Bundeskanzler Sebastian Kurz vorstellig, um über Bedingungen für Finanzhilfen für die österreichische Tochter Austrian Airlines (AUA) zu verhandeln. Diese hatte am Dienstag insgesamt 767 Millionen Euro an Kredit und Zuschuss beantragt.

Bei allen Regierungen, bei denen Spohr um öffentliche Mittel im Kampf gegen die schwerste Krise der Luftfahrt der Nachkriegszeit bittet, muss er Auflagen akzeptieren. So darf die Lufthansa aus der Schweiz kein Geld, ob Kredit oder künftige Gewinne, herausziehen, bis die Darlehen getilgt sind. Die zu 85 Prozent vom Staat garantierten Bankkredite hätten bis zu fünf Jahre Laufzeit und kämen zu marktüblichen Konditionen, teilte die Lufthansa mit. Vorstand und Aufsichtsratspräsidium hätten zugestimmt. Die Staatsgarantien soll das Schweizer Parlament Anfang nächster Woche absegnen. Die Bundespräsidentin erklärte, es sei hart gerungen worden, damit die Arbeitsplätze und die internationalen Anbindung abgesichert würden. Auch Auflagen zu Klimazielen der Schweiz müssen die Airlines befolgen.

“Wir werden sicherlich nicht Unterstützungsleistungen für ein deutsches Unternehmen leisten, ohne dass wir als Republik einen Vorteil davon haben”, betonte auch Kurz vor dem Treffen mit dem Lufthansa-Chef in Wien. Es geht auch hier um Arbeitsplätze und den Standort Österreich, vor allem um die Absicherung des Flughafens Wien als Drehkreuz für Langstreckenflüge.

“KEIN ZEITDRUCK”

In Deutschland unterdessen lässt ein Ergebnis weiter auf sich warten, wie drei Insider Reuters sagten. “Eine Einigung ist in den nächsten ein bis zwei Wochen zu erwarten”, hieß es in Verhandlungskreisen. Die zuständigen Ministerien hätten dem angeschlagenen Dax-Konzern diese Woche mehrere Möglichkeiten für staatliche Hilfen unterbreitet. Die Details müssten nun ausgehandelt und mit der EU-Kommission abgestimmt werden, die am Ende noch grünes Licht geben muss. Es gebe keinen Druck, in dieser Woche eine Einigung hinzukriegen zu müssen, weil die Lufthansa noch finanzielle Puffer habe, sagten mehrere Insider.

Ein mit dem Vorgang Vertrauter sagte Reuters, im Zuge der Rettungsaktion könnte Deutschland zusätzliche rund vier Milliarden Euro Fremdkapital und drei Milliarden Euro Eigenkapital geben. Letzteres werde sowohl in Form von neuen Aktien als auch in Form stiller Beteiligung fließen. Dabei müssten sich die Konditionen an marktüblichen Preisen orientieren. Das heißt, dass die Aktien wohl zu einem hohen Abschlag abgegeben werden, während hohe Zinsen - möglicherweise mehr als 8 Prozent - auf die stille Beteiligung anfallen.

Gerungen wird noch darum, wie stark der Staat künftig bei der Lufthansa mitentscheiden darf. Hier gibt es vor allem in den Bundestagsfraktionen der Union und SPD unterschiedliche Positionen. Die Lufthansa und die Regierung wollten sich nicht zu den Informationen äußern.

Einen anderen Weg geht unterdessen der britische Lufthansa-Konkurrent IAG. Der Chef des britisch-spanischen Luftfahrtkonzerns Willie Walsh will die Krise ohne Staatshilfe durchstehen und sich damit von politischem Einfluss fernhalten. Der Mutterkonzern von British Airways will allein bei der britischen Airline bis zu 12.000 Stellen und damit mehr als jede vierte Stelle abbauen. Bei der Kranich-Linie stehen Spohr zufolge die Jobs von 10.000 der rund 138.000 Beschäftigten wegen der Krise zur Disposition. IAG war schon vor der Krise besser als die Lufthansa oder Air France, wenn es um Kostensenkungen ging. IAG hat zurzeit mit 9,5 Milliarden Euro noch ein dickeres Finanzpolster als die beiden anderen. “Das gibt den Anlegern die Gewissheit, dass die IAG überleben und langfristig ein Nutznießer der Krise sein wird”, sagte Goodbody-Analyst Mark Simpson.

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