March 25, 2020 / 6:45 AM / 12 days ago

Elsässer Patienten in Mannheim - Nachbarschaftshilfe in der Krise

A patient infected with coronavirus is carried on a stretcher by a French rescue team before being transferred by a helicopter of the civil security (Securite Civile) from Strasbourg university hospital to Pforzheim in Germany as the spread of the coronavirus disease (COVID-19) continues, in France, March 24, 2020. REUTERS/Christian Hartmann

Mannheim (Reuters) - Die Uniklinik Mannheim betrachtet die Aufnahme elsässischer COVID-19-Patienten in der Krise als Teil eines gelebten Europa.

“In einer Stunde, wo unsere Nachbarn am dringendsten Hilfe brauchen, da möchten wir gerne unseren Teil dazu beitragen im Rahmen der europäischen Zusammenarbeit, als Akt der Kooperation und Humanität, die Patienten zu übernehmen und damit zu helfen”, sagt der geschäftsführende Oberarzt der Klinik für Anästhesie, Thomas Kirschning, am Dienstag Reuters TV. Wenige Minuten zuvor ist ein Hubschrauber mit einem 64 Jahre alten Patienten aus dem elsässischen Colmar auf dem Dach der Klinik gelandet. Während der Mann weiter beatmet wird, heben ihn Pfleger von einer Trage auf ein Intensivbett und schieben ihn ins Gebäude.

“Die Kollegen haben einen Patienten zu uns geschickt, der bereits seit einer Woche dort behandelt wird in Colmar auf der Intensivstation und auf dem Wege der Besserung ist”, berichtet Kirschning, der auch Intensivkoordinator der Stadt Mannheim ist. Der Mann werde verlegt, weil im Elsass wegen der Pandemie die Behandlungsplätze ausgehen. “Die Kriterien sind, dass sie nicht die Schwerstkranken schicken möchten, weil die möglicherweise den Transport nicht unbeschadet überstehen würden. Von daher übernehmen wir jetzt Patienten, die beatmet werden, um sie von der Behandlungskapazität ein wenig zu entlasten.” Der 64-Jährige ist einer von zwei Patienten aus dem Elsass, die inzwischen in Mannheim an der Uniklinik versorgt werden. Auch die baden-württembergischen Städte Karlsruhe, Freiburg, Pforzheim und Ulm sowie das pfälzische Kandel und Homburg im Saarland haben Patienten aus der von der Pandemie schwer betroffenen französischen Nachbarregion aufgenommen.

“DIE INTENSIVKAPAZITÄTEN IN COLMAR SIND ERSCHÖPFT”

Seine Kollegen im Elsass arbeiteten am Anschlag, sagt Kirschning. “Ich habe mit dem Intensivmediziner aus Colmar direkt gesprochen. Die Intensivkapazitäten sind erschöpft”, berichtet der Arzt. Colmar verfüge normalerweise über 30 Beatmungsbetten, nötig wäre aktuell jedoch das Doppelte. Derzeit würden in der Stadt, die zu normalen Zeiten als idyllisches Touristenziel bei Deutschen wie Franzosen beliebt ist, 55 Patienten beatmet.

“Wir haben derzeit den Vorteil, dass wir noch Kapazitäten haben und uns vorbereiten auf eine Welle, die möglicherweise auch auf uns zukommen wird”, sagt Kirschning. Die Uniklinik in Mannheim habe daher eine weitere Intensivstation eingerichtet, die zusätzliche Kranke aufnehmen könne. “Die ist im Moment mit drei Patienten belegt, so dass wir im Moment noch Kapazität haben.”

Die Zahl der Beatmungsgeräte sei dabei nicht das größte Problem. “Wir rüsten im Moment unsere Intensivstationen hoch und nehmen auch Beatmungsgeräte aus dem Operationsbereich”, sagt Kirschning. “Davon haben wir genug, um auch für den Ernstfall gerüstet zu sein. Aber das größte Problem sind unsere Pflegekräfte, die wir schon vor der Corona-Pandemie nicht hatten. Das ist die größte Herausforderung, der wir uns im Moment stellen müssen - um die Teams dort jetzt so zu schulen, dass wir für diese Krise eben auch gewappnet sind.” In allen Mannheimer Krankenhäusern zusammen gebe es nach der Aufrüstung maximal 150 Beatmungsbetten.

Wann die Welle schwerer COVID-19-Erkrankungen Deutschland in größerem Umfang erreichen werde, lässt sich nach Kirschnings Worten nicht vorhersagen. “Dazu kann man nichts abschätzen. Wir warten ja derzeit noch”, sagt der Arzt. “Wir können überhaupt nicht abschätzen, wann wir hier überhaupt übermäßig betroffen sind. Von daher kann man zu dem Höhepunkt und wann es hier richtig losgeht, gar nichts sagen.” Seine Botschaft an die Bevölkerung bleibe die gleiche, die auch in den Medien verbreitet werde: “Halten Sie Abstand, waschen Sie die Hände und vermeiden Sie Gruppenansammlungen.”

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