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Inlandsnachrichten

Kritik an Einschränkungen bei Corona-Tests - "Bayern will das nicht"

A German Red Cross medical staff holds a traveller's coronavirus disease (COVID-19) smear-test stick, who returned from the Ukraine, and was voluntary taken at the new Corona test station of the central bus location in Berlin, Germany, August 5, 2020. REUTERS/Fabrizio Bensch

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Die geplante Einschränkung kostenloser Corona-Tests für Reiserückkehrer zieht Kritik auf sich. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder will an den Tests festhalten und lehnt Einschränkungen ab.

“Bayern will das nicht”, sagte Söder am Dienstag dem Bayerischen Rundfunk. Überall in Deutschland stiegen die Infektionszahlen wegen der Urlaubsrückkehrer. Er könne keinen Sinn darin erkennen, dass man die Tests innerhalb weniger Wochen habe organisieren müssen und diese nun schon wieder beendet werden sollten. Quarantäne und Tests sorgten für mehr Sicherheit, zudem seien auch die Testkapazitäten keineswegs ausgeschöpft, sagte Söder.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten am Montag beschlossen, kostenlose Corona-Tests für Urlaubsrückkehrer wieder einzuschränken. Für Reisende aus Risikogebieten gilt unverändert eine 14-tägige Quarantänepflicht. Diese kann frühestens fünf Tage nach Einreise durch Vorlage eines negativen Tests beendet werden. Die Kursänderung hatte die Gesundheitsministerkonferenz nach nur wenigen Wochen Geltung mit knappen Ressourcen an Personal und Material für die Corona-Tests begründet. Nun sollen kostenlose Tests für Rückkehrer aus Nicht-Risiko-Gebieten ganz gestrichen werden. Allerdings konnten sich die Gesundheitsminister nicht einigen, ob Tests für Reisende aus Risikogebieten kostenlos bleiben sollen. Als möglicher Starttermin der neuen Regelungen werden der 15. September oder der 1. Oktober anvisiert.

“NICHT HINREICHEND AUSGEBAUT”

Scharfe Kritik an den Plänen kam auch aus der Luftverkehrsbranche. “Das Vorhaben der Gesundheitsminister, Tests an den Flughäfen jetzt wieder einzustellen, ist ein alarmierendes Zeichen dafür, dass die Testkapazitäten in einigen Bundesländern offenbar von den Behörden nicht hinreichend ausgebaut wurden”, sagte Peter Gerber, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). Er äußerte sich vor allem zu der Quarantäneregel negativ. “Eine pauschale Quarantänepflicht ist de facto eine Reisebeschränkung, die den Verkehr zum Erliegen kommen lässt.” Dies sei ein “bitterer Rückschritt” für die Reisebranche. “Damit werden erneut rund 80 Prozent der Flugziele im Luftverkehr mit Deutschland durch pauschale Quarantänebestimmungen blockiert.”

Seit der Einführung der obligatorischen Tests für Rückkehrer aus Risikogebieten war die Zahl der Testungen in Deutschland drastisch gestiegen. Das Bundesgesundheitsministerium hatte vor einer Überlastung des Systems gewarnt, wenn es weiter auf Hochlast gefahren werde. Es wurden aber nicht nur mehr Rückkehrer gestestet, auch das Personal von Medizin- oder Pflegeeinrichtungen, Schulen oder etwa der Fleischindustrie wird nun regelmäßig untersucht. Den erneuten Anstieg der Corona-Fallzahlen in Deutschland hatte das Robert-Koch-Institut vor allem auf die vermehrte Reisetätigkeit und die Ansteckungen bei Großveranstaltungen und Familienfeiern zurückgeführt. Nach Angaben des RKI sind 39 Prozent der Neuinfektionen bei Rückkehrern aus dem Ausland festgestellt worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel berät am Donnerstag mit den Ministerpräsidenten der Länder über das weitere Vorgehen. Laut RKI sind in Deutschland binnen 24 Stunden weitere 1278 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Damit steigt die Gesamtzahl der Fälle auf 234.853. Den Angaben zufolge sind fünf weitere Menschen an den Folgen des Virus gestorben. Insgesamt zählt das RKI nun 9.277 Todesfälle.

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