April 24, 2020 / 9:24 AM / a month ago

RKI warnt vor "Erdrutsch" bei Corona-Auflagen

Characters from the German TV show "Die Sendung mit der Maus" are seen with a protective mask, as the spread of the coronavirus disease (COVID-19) continues in Erfurt, Germany, April 24, 2020. REUTERS/Karina Hessland

Berlin (Reuters) - In der Debatte um weitere Lockerungen der Corona-Auflagen tritt das Robert-Koch-Institut (RKI) auf die Bremse und stützt die Linie von Kanzlerin Angela Merkel.

“Wir dürfen jetzt nicht nachlässig werden”, warnte RKI-Vize-Präsident Lars Schaade am Freitag in Berlin. Man beobachte, dass die Einschränkungen nach ersten Öffnungen infrage gestellt würden: “Dies darf nicht zu einem Erdrutsch an weiteren Lockerungen führen.” Zunächst müssten die täglichen Fallzahlen auf wenige Hundert sinken. Merkel hatte das Vorgehen der Länder bereits als teilweise “zu forsch” bemängelt. Dies war als Kritik vor allem an NRW gewertet worden. Das Land wies dies jedoch zurück und erklärte, man halte sich strikt an den letzten Bund-Länder-Beschluss. Erst bei der Konferenz am 6. Mai kann Merkel zufolge wieder über weitere Öffnungen beraten werden. Die Regierung machte den Deutschen aber keine Hoffnung auf Sommerurlaub im Ausland.

Die sinkende Zahl der Menschen mit dem ansteckenden Virus befeuert Forderungen nach weiterer Öffnung sei längerem. Am Freitag überstieg die gemeldete Zahl an Geheilten erneut die der Neuinfektionen deutlich. Letztere lag bei gut 2300. Für weitere Lockerungen sei dies aber nach wie vor viel zu hoch, machte Vize-RKI-Chef Schaade deutlich. Derzeit seien Gesundheitsämter nicht in der Lage, die Kontakte von derart vielen Infizierten nachzuverfolgen. Das wäre aber nötig, um eine neue Welle der Epidemie zu unterbinden. Die Fälle müssten auf wenige Hundert pro Tag sinken, bevor man über Lockerungen reden könne. Die Folgen der bisherigen Lockerungen könne man frühestens Anfang Mai sehen.

MERKEL WILL ERST IM MAI WIEDER ÜBER ÖFFNUNGEN BERATEN

Merkel lehnt es daher ab, bereits beim nächsten Bund-Länder-Treffen am Donnerstag nächster Woche über Änderungen an den Auflagen zu reden. Erst am 6. Mai könne man dies tun, sagte sie am Donnerstagabend. Zuvor hatte sie klar gemacht, dass ihr die bisherige Umsetzung der Beschlüsse teilweise zu weit gehe.

Nordrhein-Westfalen könne damit nicht gemeint sein, wehrte sich Landes-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann am Freitag. Man habe sich “zu 100 Prozent” an die Beschlüsse von Bund und Ländern gehalten - mit Ausnahme etwa bei der Öffnung von Möbelhäusern. Aber auch Merkel könne ihm aber nicht erklären, warum Autohäuser öffnen dürften und Möbelhäuser nicht, begründete Laumann das Vorgehen der Landesregierung.

In den nächsten Tagen wird in vielen Ländern das öffentliche Leben wieder an Fahrt gewinnen: Gottesdienste in Bayern werden in begrenzter Form wieder möglich sein. Autofirmen wie BMW wollen bei strengem Arbeitsschutz die Produktion schon nächste Woche wieder aufnehmen. Zunehmend öffnen sich auch Schulen für bestimmte Schülergruppen wieder.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek befürwortete eine Maskenpflicht für Schüler. “Aus meiner Sicht spricht viel dafür, dass überall dort, wo Schülerinnen und Schüler den Abstand nicht einhalten können, Masken getragen werden müssen”, sagte die CDU-Politikerin dem “Spiegel”. Das sei etwa im Schulbus, auf dem Weg ins Schulgebäude und auf den Fluren der Fall. In Klassenzimmern könnten die Schüler dagegen womöglich weit genug auseinander sitzen.

Für die Sommerferien machte Außenminister Heiko Maas Urlaubern und Reisebranche wenig Hoffnung auf Fahrten ins Ausland. Alle wünschten sich zwar eine Rückkehr zum Europa der offenen Grenzen, sagte er. Aber die Realität in den meisten Ländern sehe anders aus. Mit Blick auf die Rückholaktion der Bundesregierung fügte er hinzu: “Wir können und wollen im Sommer so eine Aktion nicht noch einmal wiederholen.”

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