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Inlandsnachrichten

Mahnungen und Beruhigungen - Corona-Zahlen schießen nach oben

Berlin (Reuters) - Angesichts rasant steigender Corona-Fallzahlen in Deutschland und Europa fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu auf, die Regeln einzuhalten.

German Health Minister Jens Spahn addresses a news conference amid the coronavirus disease (COVID-19) outbreak, in Berlin, Germany October 8, 2020. Tobias Schwarz/Pool via REUTERS

Gesundheitsminister Jens Spahn und der Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, äußerten sich am Donnerstag “sehr besorgt” über die Entwicklung. Inzwischen übersprang die Sieben-Tage-Inzidenz auch in den Großstädten Berlin und Frankfurt die kritische Marke von 50 Positiv-Tests pro 100.000 Einwohner. Man könne nicht ausschließen, dass in Deutschland die Zahl der neuen Fälle in Deutschland auf über 10.000 steige, sagte Wieler. Zugleich warnte Spahn aber vor Panik. Er sehe Deutschland für den Winter gut gerüstet gegen die Pandemie. “Das Gesundheitssystem kann sehr gut damit umgehen”, sagte er. “Diese Pandemie ist auch ein Charaktertest, ein Charaktertest für uns als Gesellschaft.” Forschungsministerin Anja Karliczek rechnet damit, dass im Sommer 2021 ein Impfstoff für breite Teile der Bevölkerung zur Verfügung stehen werde.

Das RKI meldete 4058 neue Fälle - ein drastischer Anstieg gegenüber den Vortagen. Die Zahl der Todesfälle stieg aber langsamer - um 16 auf 9578. Dies wird vor allem mit dem derzeit geringeren Durchschnittsalter der Infizierten erklärt, das nach Angaben des RKI-Chefs aber wieder steigt. In Europa verzeichneten etwa Polen mit 4208, die Ukraine mit 5397, die Slowakei mit mehr als 1000 und Kroatien mit 542 neuen Positiv-Tests innerhalb von 24 Stunden Höchststände. Österreich verzeichnete 1209 neue Fälle. Italiens Gesundheitsministerium meldete 4458 Positiv-Tests. Die tschechische Regierung schloss für zwei Wochen alle Sportstätten, um das Virus unter Kontrolle zu bekommen.

MERKEL BERÄT MIT OBERBÜRGERMEISTERN

Merkel will am Freitag mit den Bürgermeister von zwölf großen deutschen Städten beraten, weil die Coronazahlen derzeit vor allem in den Ballungsgebieten in die Höhe schießen. Ein zweiter Lockdown wie im Frühjahr müsse verhindert werden, weil dieser Unternehmen schwer getroffen habe, sagte sie und forderte alle Bürger zur Einhaltung der Abstands- und Hygiene-Auflagen an. “Das ist rein wirtschaftlich betrachtet das wichtigste Konjunkturprogramm”, sagte Merkel.

Sowohl Spahn als auch der Vorsitzende der kassenärztlichen Vereinigung, Andreas Gassen, betonten, dass das deutsche Gesundheitssystem gut aufgestellt sei. Die Zahl der Todesfälle und der intensivmedizinisch Behandelten sei mit 470 noch vergleichsweise niedrig, sagte Spahn. Man sei zudem sehr viel erfahrener in der Behandlung der Krankheit. Susanne Herold, Leiterin der Abteilung Infektiologie des Uniklinikums Gießen, verwies darauf, dass Patienten in Deutschland ähnlich wie US-Präsident Donald Trump behandelt würden. Auch Patienten hierzulande werde das Medikament Remdesivir und ein Cortison-Präparat verabreicht, sagte Herold. Allerdings habe Trump ein weiteres Medikament erhalten, das den Eintritt des Virus in Zellen verhindern soll. Dieses sei in Deutschland noch nicht zugelassen.

FREIE KAPAZITÄTEN IN DEN KRANKENHÄUSERN

Derzeit seien 8500 Betten für Intensivpatienten frei, sagte Gassen. Das seien mehr als die Gesamtkapazität von Italien und Spanien, fügte er dazu. Zudem gebe es eine Notfallreserve von etwa 12.000 Betten. Spahn verwies darauf, dass es mit Hilfe des neuen Onlineregisters für Betten in Kliniken möglich sei, die Intensivkapazitäten deutlich besser zu steuern.

Die Gießener Medizinerin Herold warnte, dass die Zahl der in Klinken behandelten Corona-Patienten in nächster Zeit deutlich steigen könne. Zwar steckten sich derzeit vor allem jüngere Menschen an. Aber man sehe, dass in einem zweiten Schritt Infektionen wieder stärker auf ältere Menschen übertragen würden, sagte RKI-Präsident Wieler. Die Kliniken bereiteten sich deshalb “auf eine neue Welle bei der Aufnahme von Schwererkrankten” vor, sagte Herold.

RKI-Chef Wieler und Spahn verwiesen auf einen positiven Effekt der Corona-Krise. So seien seit März keine Masern-Fälle mehr gemeldet worden, sagte Spahn. Wieler sagte, die Zahl der Infektionskrankheiten in Krankenhäusern gehe zurück, weil die Hygieneregeln besser beachtet würden als in Vor-Corona-Zeiten.

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