March 10, 2020 / 2:56 PM / a month ago

Fußball im Bann von Corona - Geisterspiele in Bundesliga

The pitch and stadium of Germany's first Bundesliga soccer club Borussia Moenchengladbach is pictured empty in Moenchengladbach, Germany, March 10, 2020. Borussia Moenchengladbach and the German soccer league DFL announced that the game against FC Cologne on March 11 will be played without spectators due to the coronavirus. REUTERS/Wolfgang Rattay

München (Reuters) - Die Coronavirus-Epidemie bringt in den nächsten Wochen den dicht gedrängten Terminkalender im Profi-Sport in Deutschland und Europa durcheinander.

Am Mittwoch wird das rheinische Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach zum ersten “Geisterspiel” ohne Zuschauer in der ersten Fußball-Bundesliga. Am Wochenende können mindestens sechs von neun Spielen nur vor leeren Tribünen stattfinden, darunter das Ruhrderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04, das 80.000 Zuschauer angezogen hätte. Denn die Bundesländer Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen haben öffentliche Veranstaltungen mit mehr als tausend Teilnehmern verboten.

Die Länder folgen einer Empfehlung von Gesundheitsminister Jens Spahn, der so die Ausbreitung des Virus verlangsamen will. Das zuständige Bezirksamt in Berlin hat dagegen bisher keine Einwände gegen das Bundesliga-Heimspiel von Union Berlin gegen Bayern München, zu dem am Samstag 22.000 Fans erwartet werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel warb in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion um Verständnis für den Zuschauerausschluss, wie Teilnehmer berichten: “Spiele vor leeren Rängen sind nicht das Schlimmste, was diesem Land passieren kann.” Bayern untersagte alle öffentlichen Veranstaltungen bis zum 19. April. Bis dahin sind fünf der restlichen neun Bundesliga-Spieltage angesetzt.

“Es gibt keine Ausnahme”, sagte Ministerpräsident Markus Söder am Dienstag in München. Damit muss auch das Länderspiel gegen Italien am 31. März in Nürnberg vor leeren Rängen ausgetragen werden, wie der Deutsche Fußball-Bund mitteilte. Italien hat den Sportbetrieb bis zum 3. April eingestellt. Die spanische “La Liga” spielt zumindest zwei Wochen ohne Zuschauer, die französische Liga bis 15. April. Ende März sind Länderspiele angesetzt, darunter die letzten Qualifikationsspiele für die Europameisterschaft, die von Mitte Juni bis Mitte Juli ausgetragen werden soll. Die Slowakei spielt dann gegen Irland in einem leeren Stadion.

Auch mehrere Spiele der Champions League und der Europa League in dieser Woche, darunter die Heimspiele des FC Bayern gegen Chelsea und des VfL Wolfsburg gegen Donezk, finden ohne Zuschauer statt. Vom Verbot in Hessen wäre auch die Partie von Eintracht Frankfurt gegen den FC Basel betroffen.

“Das ist keine Spielverderberei, es geht um Leben und Tod der Zuschauerinnen und Zuschauer”, begründete der Dortmunder Oberbürgermeister Ulrich Sierau das “Geisterspiel” gegen Schalke. Das Verbot von Großveranstaltungen trifft auch andere zuschauerträchtige Mannschaftssportarten wie Eishockey, Basketball und Handball. Für sie sind die Eintrittsgelder viel wichtiger als im Erstliga-Fußball, der auf Fernsehgelder bauen kann. In der Deutschen Eishockey-Liga, nach Zuschauerzahlen die Nummer zwei in Deutschland, droht ein Abbruch der Saison, die mit den “Play-offs” um die Meisterschaft auf ihren Höhepunkt zusteuert. Ohne Zuschauer drohen die finanzschwachen Vereine auf den Kosten für den Spielbetrieb sitzenzubleiben.

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