March 9, 2020 / 4:01 PM / a month ago

Erste Coronavirus-Todesfälle in Deutschland

Canan Emcan, 31, chief nurse of the infection and virologist ward of Essen University Hospital puts on protection gear worn in case of coronavirus patients during a media event in Essen, Germany March 5, 2020. REUTERS/Wolfgang Rattay

Berlin/Düsseldorf (Reuters) - Erste Todesfälle infolge des Coronavirus in Deutschland: In Nordrhein-Westfalen sind laut Landesgesundheitsministerium zwei Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben, die von dem Virus ausgelöst wird.

Es handele sich um eine Person in Heinsberg und eine 89 Jahre alte Frau in Essen, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Montag. Gesundheitsexperten dämpften unterdessen Hoffnungen, dass sich das Coronavirus in Deutschland als weniger tödlich als in Italien erweisen könnte. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn appellierte an die Bürger, ältere Menschen und chronisch Kranke vor dem für sie besonders gefährlichen Erreger zu schützen und alles zu tun, um eine Weitergabe des Virus zu vermeiden. Es gehe darum, die Ausbreitung des Erregers so stark zu verlangsamen, dass eine Überforderung des Gesundheitssystems mit seinen 28.000 Intensivbetten vermieden werde. In Deutschland sind inzwischen 1112 Infektionen bestätigt, 484 davon in Nordrhein-Westfalen.

Italien hat 7375 bestätigte Infektionen und 366 Todesfälle durch das Coronavirus gemeldet. Es ist die zweithöchste Zahl von Todesfällen nach China, wo die Epidemie im Dezember ausgebrochen war. Seither haben sich nach einer Reuters-Zählung mehr als 110.000 Menschen in 105 Ländern angesteckt, 3800 Menschen sind an dem Erreger gestorben. “Wir werden in Deutschland natürlich auch in der älteren Population Todesfälle haben”, erklärte der Chef des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler. Die italienischen Ärzte hätten zunächst Todesfälle gesehen und dann auf den Erreger getestet. In Deutschland dagegen sei nach den ersten Fällen in Bayern, die lauter junge Leute betrafen, bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt getestet worden. “Auf Dauer gleichen sich diese Zahlen an im Laufe der Wochen und Monate.”

Der Direktor des Instituts für Virologie an der Charite in Berlin, Professor Christian Drosten, warnte vor der Erwartung, dass sich das Problem mit dem Beginn der warmen Jahreszeit verflüchtigen werde. “Natürlich wird es auch bei diesem Virus so sein, dass uns das Frühjahr und die Temperatur hilft”, sagte er. Der Effekt werde aber nicht stark genug sein. Wenn aktuell ein Kranker vielleicht drei weitere Menschen infiziere, werde es bei wärmerem Wetter vielleicht eine halbe Infektion weniger sein. “Das wird uns Rückenwind geben (...), aber man darf nicht erwarten, dass das dann von selbst zum Stillstand kommt.”

ZEIT FÜR VORBEREITUNG AUF DIE EPIDEMIE

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel appellierte an die Bürger, den Gesundheitsbehörden mehr Zeit zu verschaffen. Die Zeit sei nötig, damit die Wissenschaft an Medikamenten und Impfstoffen forschen könne. Es gehe aber auch darum, “den in den nächsten Monaten, vielleicht auch erst im Herbst und im nächsten Winter benötigten zusätzlichen Bedarf an Schutzausrüstung für zusätzliches medizinisches und pflegerisches Personal und für die intensivmedizinische Bettenausstattung in den Krankenhäusern aufzustocken”.

Spahn rief Senioren auf, ihre Kontakte in nächster Zeit zu reduzieren und sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen. RKI-Chef Wieler appellierte an die Bürger, sich umeinander zu kümmern. “Seien Sie füreinander da, wir können die Situation wirklich nur gemeinsam bewältigen”, sagte er. “Gehen Sie einkaufen für ältere Nachbarn oder Menschen, die chronisch krank sind und lieber zuhause bleiben möchten. Kümmern Sie sich um Ihre Freunde, Bekannten und Kollegen, wenn sie unter Quarantäne gestellt werden.”

Streit gibt es unterdessen weiter darüber, ob Fußballspiele trotz der Epidemie weiter vor Zehntausenden Zuschauern ausgetragen werden sollen. Spahn verteidigte seinen Rat, Großveranstaltungen mit mehr als tausend Menschen abzusagen. Es gehe darum, was verzichtbar sei und was eher nicht, sagte der CDU-Politiker. Ohne das Match ausdrücklich zu nennen, spielte er mit einem gewissen Unverständnis auf die Begegnung Borussia Mönchengladbach gegen Borussia Dortmund am Samstag in der Nähe von Heinsberg an, wo sich allein knapp 300 Menschen mit dem Coronavirus infiziert hatten. Auch das Champions-League-Achtelfinale zwischen RB Leipzig und Tottenham am Dienstagabend soll mit Zuschauern ausgetragen werden, wie der Bundesligist per Twitter mitteilte. In Frankreich wird das Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League, Paris Saint Germain gegen Borussia Dortmund, dagegen am Mittwoch ohne Zuschauer über die Bühne gehen.

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