May 13, 2020 / 9:54 AM / 17 days ago

EU will Reisen sicher machen vor Corona-Ansteckung

A commuter wearing a mask is seen at a London Underground station, following the outbreak of the coronavirus disease (COVID-19), London, Britain, May 13, 2020. REUTERS/Henry Nicholls

Brüssel/Berlin (Reuters) - Die EU hat für das Reisen in Zeiten lauernder Corona-Ansteckungsgefahr einen umfangreichen Katalog an Vorkehrungen zum Gesundheitsschutz vorgeschlagen.

“Ziel ist es, den Menschen eine Chance zu einer wohlverdienten Pause, Entspannung und frischer Luft zu verschaffen”, erklärte die Kommission am Mittwoch in Brüssel. Airlines und Reiseveranstalter sollen mit Mundschutzpflichten, viel Reinigen und Desinfizieren sowie einer Organisation der Abläufe, die das Einhalten von Abstandsregeln ermöglichen, bald wieder arbeiten können. Das ist vor allem davon abhängig, wann die in der Pandemie geschlossenen Grenzen in Europa und weltweit wieder geöffnet werden. “Das wird natürlich kein normaler Sommer, für keinen für uns”, sagte Vize-Kommissionschefin Margrethe Vestager. Die Menschen sollten nach monatelangen Einschränkungen nicht zum Daheimbleiben verdonnert werden. Aber so lange es keine Impfung gegen Covid-19 gebe, müssten Reisewünsche gegen das Risiko neuer Infektionswellen abgewogen werden.

Airlines und Reiseunternehmen sind am härtesten von den Folgen der Pandemie getroffen. Überall werden Flotten verkleinert, Kosten gesenkt und Arbeitsplätze abgebaut. So kündigte der weltweit größte Reisekonzern TUI den Abbau von 8000 seiner gut 70.000 Arbeitsplätzen an. TUI, Lufthansa oder Condor brauchen staatliche Finanzhilfe, um nicht pleite zu gehen. Seit März kam der Luftverkehr, abgesehen von Frachtflügen, nahezu zum Erliegen. Der internationale Luftfahrtverband IATA sagt für die europäischen Fluggesellschaften für 2020 Umsatzeinbußen von 82 Milliarden Euro voraus, was einem Rückgang von 60 Prozent entspricht.

MUNDSCHUTZ UND ABSTAND

Die EU-Kommission verzichtete in ihren Richtlinien, die für die Mitgliedstaaten nicht bindend sind, auf einen Punkt, der die Fluggesellschaften besonders aufregte: Eine Pflicht, Sitze zwischen den Passagieren freizulassen. Zum erhofften Neustart regulärer Flüge im Juni werden die Flugzeuge zwar ohnehin noch so leer sein, dass Abstand zwischen Passagieren möglich ist. Obligatorisch Zwischenplätze freizuhalten würde aber die Kapazität bei steigender Flugnachfrage begrenzen, sodass die Airlines noch mehr Mühe hätten, Geld zu verdienen.

Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz, das die Lufthansa schon Anfang Mai einführte, soll vorgeschrieben werden. Die Klimaanlagen sollen die Luft an Bord so gut filtern, wie es in Krankenhäusern üblich ist - Lufthansa oder Ryanair erklärten, dies sei schon der Fall. Die Airlines argumentieren, die vertikale Belüftung jedes einzelnen Sitzplatzes verringere schon in Verbindung mit den Schutzmasken die Ansteckungsgefahr ausreichend. Ein enges Aufeinandertreffen, etwa beim Schlangestehen vor der Flugzeugtoilette, soll vermieden werden. Ryanair kündigte an, die Fluggäste dürften nach Anmeldung bei den Flugbegleitern nur einzeln zu den Waschräumen gehen.

GUTSCHEIN STATT ERSTATTUNG NUR FREIWILLIG

Die Richtlinien für sicheres Reisen mit Dutzenden Tipps zu Hygiene und Abstandsregeln sollen auch dem Tourismus aus seiner schwersten Krise aller Zeiten heraushelfen, in die der Sektor durch die Pandemie geraten ist. Die Branche steht für fast zehn Prozent der Wirtschaftsleistung in der EU und beschäftigte vor der Krise zwölf Prozent aller Arbeitnehmer. “Millionen von Jobs hängen vom Tourismus ab”, sagte Vestager. Die Welttourismusorganisation UNWTO rechnet mit 60 bis 80 Prozent weniger Ankünften weltweit. Den damit verbundenen Umsatzausfall schätzt die Organisation auf bis zu 1,1 Billionen Euro.

Bei Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften will die EU die Pflicht zur Rückerstattung von Tickets bei Stornierungen nicht abschaffen. Die EU werde die Rechte der Verbraucher auf Kostenerstattung nicht schwächen, wolle zugleich aber Gutscheine attraktiv machen, erklärte Justizkommissar Didier Reynders. Die Gutscheine sollen vom Staat gegen Insolvenz des Veranstalters abgesichert werden, auf andere übertragbar sein, mindestens zwölf Monate Gültigkeit haben und nach einem Jahr ausgezahlt werden, wenn ein Kunde sie nicht einlöst. Der Deutsche Reiseverband (DRV) zeigte sich ebenso wie die Airline-Verbände IATA und A4E enttäuscht. “Das ist leider ein weltfremder Vorschlag”, erklärt DRV-Präsident Norbert Fiebig. Denn die meisten kleinen und mittelständischen Reiseveranstalter stünden mit dem Rücken zur Wand und die Kassen seien leer. Wenn sich die Gutscheinlösung nicht durchsetze, stünde die Branche vor dem Kollaps, warnte auch TUI-Chef Fritz Joussen.

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