March 17, 2020 / 1:55 PM / 20 days ago

Boeing braucht Staatshilfe - Airbus hat offenbar noch Luft

Several Boeing 737 Max aircraft are seen parked outside the company's production facility in Renton, Washington, U.S. January 10, 2020. REUTERS/Lindsey Wasson

Washington/Berlin (Reuters) - Anders als der US-Rivale Boeing hält der europäische Flugzeugbauer Airbus in der Corona-Krise laut Insidern noch einige Monate ohne Staatshilfe durch.

Airbus habe bei einem Krisentreffen mit dem Luftfahrtkoordinator der Bundesregierung am Montag signalisiert, dass das französisch-deutsche Unternehmen erst in einem “Worst-Case-Szenario” Hilfen vom Staat benötigen würde, sagten drei mit den Beratungen vertraute Personen am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Airbus habe 16 Milliarden Euro auf der hohen Kante und brauche jeden Monat rund 5,5 Milliarden, sagte einer der Teilnehmer. Boeing dagegen hatte die US-Regierung am Montag um kurzfristige Staatshilfe für sich und die gesamte Branche gebeten. Laut “Washington Post” will die US-Regierung Flugzeugbauern, Flughäfen und Fluggesellschaften als Teil eines Konjunkturpakets mit 50 Milliarden Dollar unter die Arme greifen.

Wie mögliche Hilfen für Airbus aussehen könnten, blieb bei dem Krisentreffen im Unklaren. Aber es sei nicht um direkte Subventionen gegangen, sondern um Instrumente wie staatliche Kreditgarantien, sagten die Insider. Dem Flugzeugbauer fehlen angesichts der Krise vor allem die üblichen Vorauszahlungen der Kunden als Finanzierungsquelle. Zudem hatte Airbus erst im Februar Geldbußen über 3,6 Milliarden Euro für Korruptionsfälle überweisen müssen, was ein zusätzliches Loch in die Kasse riss. Airbus wollte sich zu den Informationen nicht konkret äußern. Ein Sprecher sagte, das Unternehmen habe an der Runde teilgenommen und stehe regelmäßig in vertraulichem Austausch mit den Regierungen der Eignerländer. Auch das Bundeswirtschaftsministerium wollte sich nicht äußern.

Die Airlines haben ihre Kapazitäten drastisch heruntergefahren, einige von ihnen kämpfen schon ums Überleben. “Man kann jetzt sagen, dass das der größte Schock ist, den die Luftfahrt weltweit je erlebt hat”, schrieb Qantas-Chef Alan Joyce in einem Brief an die Belegschaft der australischen Fluggesellschaft. Der Weltverband IATA schätzte am Dienstag, dass Airlines weltweit 150 bis 200 Millionen Dollar von den Staaten bräuchten, um liquide zu bleiben. Bei drei Viertel von ihnen reichten die flüssigen Mittel weniger als drei Monate. Um das Geld zusammenzuhalten, streicht der Münchner Triebwerksbauer MTU seine Dividende - damit spart er gut 180 Millionen Euro. Eigentlich wollte MTU 3,40 Euro je Aktie zahlen, 20 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. MTU liefert Triebwerke für Jets beider großer Flugzeugbauer.

WASHINGTON ERHÖRT DIE HILFERUFE

Boeing erklärte, der kurzfristige Zugriff auf staatliche und private Liquidität sei “der wichtigste Schritt”, um wieder auf die Beine zu kommen. Bei dem Airbus-Rivalen aus Seattle ist die Lage wegen des monatelangen Flugverbots für den Verkaufsschlager 737 MAX ohnehin angespannt. Boeing ist hochverschuldet. Der Konzern räumte ein, die US-Luftfahrtindustrie, die für 2,5 Millionen Arbeitsplätze sorge, “steht wegen der Coronavirus-Pandemie vor einer drängenden Herausforderung”. Die Regierung hat die Rufe um Hilfe offensichtlich erhört. US-Präsident Donald Trump reagierte noch am Montagabend in einem Tweet: “Die USA werden die Branchen kraftvoll unterstützen, die am stärksten betroffen sind - wie die Fluggesellschaften und andere.”

US-Passagier- und Fracht-Fluglinien hatten erklärt, sie brauchten 58 Milliarden Dollar an Krediten, Subventionen und Steuererleichterungen, die Flughafenbetreiber hoffen auf zehn Milliarden Dollar.

Derweil kämpft Airbus auch intern mit den Corona-Folgen. Um die Auflagen der Behörden in Frankreich und Spanien zum Schutz vor Ansteckungen zu erfüllen, hält der Konzern in beiden Ländern für vier Tage die Produktion an. So lange hatte sie zuletzt 1989 stillgestanden, als der britische Zulieferer BAe Systems streikte. In der Zeit sollen die Fabriken so umgerüstet werden, dass die Mitarbeiter mit genügend Abstand weiterarbeiten können. Am Firmensitz in Toulouse betreibt Airbus sein größtes Werk. In Deutschland und Großbritannien kann Airbus noch für einige Tage wie gewohnt weitermachen. Wegen der europaweit vernetzten Produktion sind aber auch dort Probleme absehbar.

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