March 13, 2020 / 11:23 AM / 20 days ago

Tausende bei Lufthansa und Fraport wegen Corona in Kurzarbeit

Frankfurt (Reuters) - Die Lufthansa und der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport fahren wegen der Corona-Krise die Beschäftigung vorübergehend stark zurück.

The facade of Germany's largest airport, Fraport, is pictured in Frankfurt, Germany, January 14, 2019. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Fraport-Chef Stefan Schulte erklärte am Freitag, das Unternehmen werde für bis zu 10.000 Mitarbeiter bei Sicherheits- oder Bodenverkehrsdiensten Kurzarbeit beantragen. Das wäre fast die Hälfte der Belegschaft in Frankfurt. “Wir müssen reagieren, wir müssen unsere Ressourcen zurückfahren”, sagte Schulte. Der MDax-Konzern greife härter durch, um stark zu bleiben.

Die Lufthansa habe für die Flugbegleiter in Frankfurt und München Kurzarbeit angezeigt und prüfe dies auch für Mitarbeiter am Boden, erklärte eine Sprecherin. Eine Zahl stand noch nicht fest. Doch bei bis zu 50 Prozent erwarteten Flugstreichungen dürften es Tausende sein, die der Dax-Konzern vorübergehend mit Lohnersatz von der Bundesagentur für Arbeit freistellen muss.

Der Bundestag beschloss am Freitag im Eiltempo Erleichterungen bei der Kurzarbeit, damit Unternehmen in der Corona-Krise die Beschäftigten nicht entlassen. So wird die BA neben dem Nettogehaltsersatz von in der Regel 60 Prozent auch die Sozialabgaben zahlen, die sonst vom Arbeitgeber weiter abgeführt werden müssen.

FRAPORT ERWARTET GEWINNRÜCKGANG

Die weltweite Coronavirus-Epidemie habe die Luftfahrt in ihre bislang größte Krise gestürzt, sagte Schulte. Seit Mitte Februar verringerten sich die Passagierzahlen am größten deutschen Flughafen immer schneller. Wegen Corona strichen Lufthansa und andere Airlines zunächst China-Flüge, mit dem Ausbruch in Italien immer mehr Europa-Flüge. Jetzt folgen mit den Einreisestopps für Europäer noch die USA und andere Länder wie Singapur, Indien oder Argentinien. Die Zahl der Passagiere in Frankfurt liege aktuell pro Woche 45 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Schulte sagte, er rechne in der Spitze mit 50 bis 60 Prozent Rückgang. Die Flugbewegungen reduzierten sich in nächster Zeit um bis zu 45 Prozent. Derzeit stünden 15 bis 20 Flieger dauerhaft am Boden. Fraport brechen damit die Einnahmen aus Flughafen- und Sicherheitsgebühren oder der Beteiligung an Einzelhandelsumsätzen weg.

Eine konkrete Prognose für 2020 sei derzeit nicht möglich, weil nicht absehbar sei, wie lange die Krise dauern werde. “Wir können nur auf Sicht fahren”, sagte Schulte. Alle Kosten wären auf dem Prüfstand. Der Gewinn werde im Gesamtjahr deutlich sinken. Für das erste Quartal rechnet der Fraport-Chef mit einem Nettoverlust. Rein rechnerisch bedeuteten 20 Prozent weniger Fluggäste in Frankfurt im Jahr 140 bis 200 Millionen Euro weniger Betriebsgewinn. Dies könne nur zum Teil durch die Einsparungen aufgefangen werden. Unklar sei auch, wie stark die Flughäfen im Ausland, die Fraport betreibt, unter der Coronakrise leiden würden.

Fraport müsse jedoch keines der beiden Terminals in Frankfurt schließen, sondern allenfalls Piers stilllegen. Finanziell sieht Schulte das Unternehmen gut gewappnet, die Krise zu bewältigen. “Wir haben kein Liquiditätsproblem, wir haben ein freies Polster von 1,1 Milliarden Euro”, sagte Schulte. Deshalb solten Investitionen nicht gestrichen und der Bau von Terminal 3 in Frankfurt planmäßig fortgesetzt werden.

Schon Ende letzten Jahres sorgten die schwächere Konjunktur sowie die Insolvenzen von Fluggesellschaften und des Reiseveranstalters Thomas Cook für Bremsspuren in der Fraport-Bilanz. Im Gesamtjahr legte der Konzernumsatz um 6,5 Prozent zu auf rund 3,7 Milliarden Euro. In Frankfurt stieg die Passagierzahl um 1,5 Prozent und überschritt damit erstmals die Marke von 70 Millionen. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) kletterte um 4,5 Prozent auf knapp 1,2 Milliarden Euro. Abschreibungen und der Anteilsverkauf am Flughafen Hannover-Langenhagen drückten das Konzernergebnis um zehn Prozent auf 454 Millionen Euro.

Wie im Vorjahr will Fraport dennoch eine Dividende von zwei Euro je Aktie zahlen. Die Aktionäre - mit einem Anteil von zusammen gut 50 Prozent das Land Hessen und die Stadt Frankfurt sowie die Lufthansa als drittgrößter Beteiligter - hätten nach dem sehr guten Geschäftsjahr einen Anspruch darauf, sagte Schulte. “Wenn die Welt untergeht, werden wir nicht, nachdem die Welt untergegangen ist, noch Dividende zahlen - aber das ist nicht die Situation.”

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