for-phone-onlyfor-tablet-portrait-upfor-tablet-landscape-upfor-desktop-upfor-wide-desktop-up
Inlandsnachrichten

Coronavirus setzt Deutschland und Europa immer stärker zu

FILE PHOTO: People wearing face masks are pictured at Schloss Strasse shopping street, as the coronavirus disease (COVID-19) outbreak continues, in Berlin, Germany, October 20, 2020. REUTERS/Fabrizio Bensch

Berlin (Reuters) - Die zweite Welle der Coronavirus-Pandemie hat Deutschland und Europa immer fester im Griff.

Angesichts anhaltend hoher Infektionszahlen suchte die Bundesregierung am Freitag nach Wegen, die Wirtschaft trotz zunehmender Einschränkungen des öffentlichen Lebens am Laufen zu halten. Wie in anderen europäischen Ländern wurden auch in Deutschland im Vergleich zur Lage zum Monatsanfang neue Höchstwerte erfasst. Das Robert-Koch-Institut gab die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit 11.242 an. Damit scheint sich die Ausbreitung des Virus auf einen fünfstelligen Wert einzupendeln, nachdem noch vor wenigen Tagen vierstellige Werte die Regel waren. In ganz Europa haben sich die Infektionen einer Reuters-Zählung zufolge in den vergangenen zehn Tagen mehr als verdoppelt.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier versprach der Tourismus-Branche neue Hilfen. “Wir sind entschlossen, unsere Hilfsanstrengungen im Rahmen dessen, was die EU-Kommission uns ermöglicht, auszubauen und zu erhöhen”, sagte der CDU-Politiker in Berlin. Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) kritisierte, die Politik teile laufend mit, dass Urlaub, Reisen und Ausgehen das Infektionsgeschehen treibe, ohne dazu belastbare Zahlen zu liefern. “Der momentane Umgang der Politik mit dem Tourismus ist unsachlich und diskreditierend”, sagte BTW-Chef Michael Frenzel. Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, hatte am Donnerstag gesagt, dass sich die Infektionen vor allem im privaten Bereich ausbreiteten, dagegen weniger im öffentlichen Personenverkehr und in Hotels.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) schlug ebenfalls Alarm. “Mit steigende Infektionszahlen erhöht sich die Gefahr für unsere Betriebe, dass Beschäftigte entweder selbst wegen einer Infizierung oder aber wegen (...) Quarantäne nicht zur Arbeit kommen können”, sagte ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer zu Reuters. Finanzminister Olaf Scholz hat sich bereits für eine Verlängerung der Corona-Hilfen für die Wirtschaft ausgesprochen. Die Bundesregierung hatte das Kurzarbeitergeld bis Ende 2021 - und damit bis nach der Bundestagswahl - verlängert. Sie will damit erreichen, dass Firmen vor der erhofften Erholung der Wirtschaft nicht zusammenbrechen. Die Auswirkung der erzwungenen Quarantänen schätzte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, auf einen BIP-Effekt von 0,1 bis 0,2 Prozent.

WIEDER REKORDWERTE

In ganz Europa zeigen die Infektionskurven mit dem Anbruch der kalten Jahreszeit nach oben. Einer Reuters-Zählung zufolge stieg am Donnerstag die Zahl der täglichen Fälle erstmals über die Marke von 200.000. Erst am 12. Oktober war die Marke von 100.000 Fällen in ganz Europa überschritten worden.

Erneute Rekordwerte meldeten am Freitag unter anderem Polen (13.632 Fälle), die Slowakei (2581 Fälle) und Russland (17.340 Fälle). Besonders schlimm traf es Frankreich, das am Donnerstagabend 41.622 Neuinfektionen bekanntgab - so viele wie noch nie seit Ausbruch der Pandemie. In Spanien verwies Ministerpräsident Pedro Sanchez auf eine sehr hohe Dunkelziffer. Demnach könnte es anstatt der amtlich bestätigten knapp über eine Million Infizierten drei Millionen geben.

In vielen Ländern erhöhten sich wegen der Seuche die innenpolitischen Spannungen. In Tschechien forderte Ministerpräsident Andrej Babis Gesundheitsminister Roman Prymula zum Rücktritt auf. Prymula hatte zuvor in einem Restaurant, das im Rahmen der Maßnahmen gegen die Pandemie geschlossen war, ein Treffen abgehalten.

for-phone-onlyfor-tablet-portrait-upfor-tablet-landscape-upfor-desktop-upfor-wide-desktop-up