March 2, 2020 / 11:00 AM / a month ago

Zahl der Coronavirus-Infektionen in Deutschland fast verdreifacht

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Das Coronavirus breitet sich in Deutschland immer weiter aus und hat inzwischen auch Berlin erreicht.

Soccer Football - Bundesliga - Borussia Dortmund v SC Freiburg - Signal Iduna Park, Dortmund, Germany - February 29, 2020 General view of a disinfectant dispenser inside the stadium due to the recent coronavirus outbreak REUTERS/Leon Kuegeler DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video

In der Hauptstadt gibt es einen ersten Patienten. Dabei handelt es sich um einen jungen Mann aus dem Bezirk Mitte, der gegenwärtig in der Charite isoliert behandelt wird. In ganz Deutschland hat sich die Zahl der Infektionen über das Wochenende fast verdreifacht: Bis Montagvormittag meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) 150 Ansteckungsfälle, am Freitag waren es noch 53. Am stärksten legte die Zahl der Neuinfektionen in Nordrhein-Westfalen zu, wo es alleine 86 Infizierte gibt. Insgesamt sind bislang zehn Bundesländer betroffen. Das RKI schätzt die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland inzwischen als “mäßig” ein statt wie bislang als “gering”. Die EU-Kommission stufte ihre Bewertung des Risikos auf “hoch” von “moderat” nach oben.

“Wir haben für eine abschließende Beurteilung der Schwere der neuen Atemwegserkrankung nicht genügend Daten”, sagte RKI-Chef Lothar Wieler auf einer Pressekonferenz in Berlin. “Wir wissen aber, dass ein Teil der Fälle schwer verläuft und wir wissen auch, dass Menschen an dieser Krankheit sterben können.” In Deutschland müsse man von einem weiteren Anstieg der Infektionen ausgehen. Christian Drosten, Leiter des Instituts für Virologie an der Charite, sagte, es sei derzeit nahezu unmöglich zu sagen, wie gefährlich das Virus ist. Das könne nicht mit Zahlen gemessen werden. Es werde aber auch viel dramatisiert. Es handele sich um eine milde Erkrankung: “Das ist eine Erkältung in erster Linie.”

ERSTE HAMSTERKÄUFE IN DEUTSCHLAND

Gesundheitsminister Jens Spahn sagte, der Alltag werde hierzulande an bestimmten Stellen zwar “eingeschränkt werden müssen”. “Aber es besteht kein Anlass, davon auszugehen, dass die Lebensmittel knapp werden.” Es bestehe aber die Möglichkeit, dass es zu Engpässen bei vielen medizinischen Vorprodukten und Wirkstoffen wegen der Abschottung Chinas kommen könnte. Denn wegen der deutlich niedrigeren Herstellungskosten in China haben viele Arzneimittelhersteller die Wirkstoffproduktion in die Volksrepublik verlagert. Spahn forderte deshalb, dass wichtige Wirkstoffe wieder in der EU produziert werden müssten.

In Deutschland kam es angesichts der Ausbreitung des Virus vielerorts zu Hamsterkäufen. In zahlreichen Supermärkten waren Konserven, Nudeln, H-Milch, Toilettenpapier und Desinfektionsmittel ausverkauft. Es gebe aktuell aber keine Beeinträchtigungen der Lieferkette, sagte ein Sprecher des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH). Die Händler hätten ihre Logistik so aufgestellt, dass die Regale am nächsten Tag wieder gefüllt seien.

In vielen Ländern wurden Großveranstaltungen abgesagt und Reiseeinschränkungen ausgesprochen. Die Schweizer Regierung etwa hatte bereits am Freitag alle Großveranstaltungen ab 1000 Personen verboten, für Frankreich gilt das für Veranstaltungen mit mehr als 5000 Menschen. In Paris blieb das weltberühmte Museum Louvre am Montag zunächst geschlossen. Mit der Pariser Buchmesse, die diesen Monat hätte stattfinden sollen, wurde eine weitere Messe abgesagt. In Frankreich verdoppelte sich die Zahl der Toten auf nun vier.

EZB STEHT BEREIT

In China ging die Zahl der neuen Krankheitsfälle unterdessen deutlich zurück. Die Volksrepublik meldete 202 Neuinfektionen, das ist der niedrigste Stand seit dem 22. Januar. Außerhalb der Provinz Hubei, wo das Virus seinen Ursprung in der Provinzhauptstadt Wuhan hat, gab es nur sechs neue Fälle. Insgesamt kletterte die Gesamtzahl der Infizierten auf mehr als 80.000. Die Zahl der Toten stieg auf fast 3000. Im Iran gibt es 66 Tote, das Land hat damit die höchste Zahl der Todesfälle außerhalb Chinas. Ein Expertenteam der Weltgesundheitsorganisation (WHO) befindet sich auf dem Weg in die Hauptstadt Teheran. Weltweit sind nach Angaben des RKI inzwischen 64 Länder betroffen mit insgesamt 8898 Fällen, 1884 mehr als noch am Sonntag.

Weltweit nehmen auch die Sorgen vor den wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus zu. Dax und EuroStoxx50 fielen zeitweise auf Sechs-Monats-Tiefs, grenzten später in der Hoffnung auf Notenbank-Hilfen ihre Verluste aber ein. Die EZB steht aus Sicht von Frankreichs Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau bereit, nötigenfalls die Konjunktur zu unterstützen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte, die Risiken für die EU durch das Virus würden jetzt als “hoch” bewertet, nach bislang “moderat”. In Australien plant die Notenbank Insidern zufolge eine Notfall-Telefonkonferenz. Russland will seine Prognose für sein Wirtschaftswachstum korrigieren, da das Land von den Folgen der Epidemie stärker als erwartet belastet wird, wie Wirtschaftsminister Maxim Reschetnikow sagte.

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