February 26, 2020 / 1:00 PM / a month ago

Sorge vor Ausbreitung von Coronavirus in NRW

A computer image created by Nexu Science Communication together with Trinity College in Dublin, shows a model structurally representative of a betacoronavirus which is the type of virus linked to COVID-19, better known as the coronavirus linked to the Wuhan outbreak, shared with Reuters on February 18, 2020. NEXU Science Communication/via REUTERS THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY. MANDATORY CREDIT. TPX IMAGES OF THE DAY

- von John Chalmers und Holger Hansen und Matthias Inverardi

Düsseldorf/Berlin/Rom (Reuters) - Nach den ersten Coronavirus-Fällen in Nordrhein-Westfalen ist die Sorge der Behörden vor einer Ausbreitung groß.

Das erkrankte Ehepaar nahm laut Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann voll am gesellschaftlichen Leben wie etwa einer Karnevalssitzung teil, als es schon ansteckend war. Der CDU-Politiker mahnte am Mittwoch aber zur Besonnenheit: “Es geht um zwei lokal eingrenzbare Fälle.” Alle EU-Mitgliedstaaten müssten ihre Notfall-Pläne überprüfen, sagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides in Rom. In Italien war die Zahl der mit dem Virus Infizierten sprunghaft gestiegen. Das Robert-Koch-Institut in Berlin rechnet mit weiteren Fällen, schätzt die Gefahr für die Gesundheit aber “aktuell als gering bis mäßig” ein. Weltweit sind mittlerweile über 80.000 Menschen infiziert, der Großteil davon in China. An den Börsen setzten sich die Kurseinbrüche aus Sorge um eine Ansteckung der Konjunktur fort. “Das Virus ist uns deutlich näher gerückt”, sagte der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, mit Blick auf die Ausbreitung in Italien. Eine Expertengruppe der Bundesregierung berate fortwährend über die Entwicklung. Für eine Reisewarnung für Italien sieht das Auswärtige Amt keinen Anlass. Davon sei man “ziemlich weit entfernt”. Auch Seibert unterstrich, die Bundesregierung wolle europäisch abgestimmt vorgehen. In Italien starb binnen weniger Tage bereits der zwölfte Virus-Patient. ZAHL DER INFIZIERTEN IN DEUTSCHLAND STEIGT AUF 19 In Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg wurden am Dienstagabend die ersten Fälle in den beiden Bundesländern bestätigt. Laumann zufolge bestätigte sich im Laufe des Mittwoch auch der Virus-Verdacht bei der Ehefrau des Mannes aus dem nordrhein-westfälischen Landkreis Heinsberg, der in einem kritischen Zustand mit einer schweren Lungenentzündung im Krankenhaus auf einer Intensivstation isoliert wurde. Schulen und Kindergärten bleiben im Kreis bis Montag einschließlich zu. Seit Dienstagabend sind die Behörden bemüht, Kontaktpersonen ausfindig zu machen. Das gestaltet sich aufwendig, da das Ehepaar – ein 47-jähriger Mann und eine 46-jährige Frau - aktiv und zu einem Kurzurlaub in den Niederlanden war und auch an einer Karnevalssitzung in einem Dorf teilnahm. “Das ist schon eine ziemliche Sisyphos-Arbeit”, sagte der Landrat von Heinsberg, Stephan Pusch. “Wir gehen davon aus, dass sie zehn Tage lang mit der Symptomatik unterwegs waren.” Es gebe eine “unendliche Vielzahl potentieller Kontakte”. So sei der Mann wegen einer anderen Erkrankung zweimal in der Universitätsklinik Köln gewesen. Das Personal sei unter häusliche Quarantäne gestellt worden. Die Frau sei Kindergärtnerin und habe bis zum Karnevalsbeginn gearbeitet. Sie hätten zudem zwei schulpflichtige Kinder. Tests sollten laut Laumann noch am Mittwoch ergeben, ob sie sich bei den Eltern angesteckt haben. Die ersten Virus-Fälle in Deutschland hatte es in Bayern gegeben. Bei der Infektion in Baden-Württemberg handelt es sich laut Landesgesundheitsminister Manne Lucha um einen Einzelfall. Der 25-Jährige habe sich in Mailand angesteckt. “Es gibt nach wie vor keinen kursierenden Virus bei uns”, sagte Lucha.

ERSTER FALL AUCH IN LATEINAMERIKA

Bundesweit stieg damit die Zahl der Infizierten auf 19. “Mit dem Import von weiteren Fällen nach Deutschland muss gerechnet werde”, teilte das Robert-Koch-Institut mit. Eine weltweite Ausbreitung des Erregers sei wahrscheinlich. Griechenland meldete die erste Infektion. In Brasilien gab es eine erste Infektion bei einer Person, die Italien besucht hatte. Dabei handelt es sich um den ersten Infizierten in Lateinamerika überhaupt. Weltweit verzeichnet die Weltgesundheitsorganisation WHO 80.988 Infektionen, davon 96,5 Prozent in China. Von einer Pandemie - einer weltweiten Epidemie - will die WHO nicht sprechen, da ungerechtfertigte Ängste und Stigmata vervielfacht würden. Weltweit wächst die Sorge vor wirtschaftlichen Auswirkungen des Virus. Der deutsche Aktien-Leitindex Dax fiel am Mittwoch in der Spitze um 3,3 Prozent, erholte sich bis zum frühen Nachmittag aber wieder auf ein Minus von 0,8 Prozent. Vor der weltgrößten Tourismusmesse ITB, die kommende Woche in Berlin startet, verschärfen die Veranstalter auf Anweisung der Gesundheitsbehörden ihre Vorkehrungen. Wer innerhalb der letzten 14 Tage in den Risikogebieten in China, Iran, Italien oder Südkorea war, erhält keinen Zutritt zum Messegelände. Die für Ende Juli geplanten Olympischen Spiele in Japan sollen laut Veranstalter nicht abgesagt werden.

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