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Inlandsnachrichten

Bund pocht auf Sicherheit bei Entwicklung von Corona-Impfstoff

A small bottle labeled with a "Vaccine" sticker is held near a medical syringe in front of displayed "Coronavirus COVID-19" words in this illustration taken April 10, 2020. REUTERS/Dado Ruvic/Illustration

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Der Bund pocht trotz der millionenschweren Förderung zur Beschleunigung der Entwicklung eines Corona-Impfstoffes in Deutschland auf Sicherheit in der Forschung.

“Auch wenn die Welt auf einen Impfstoff wartet, riskante Abkürzungen werden wir hier nicht nehmen”, sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek am Dienstag in Berlin. In puncto Sicherheit und Wirksamkeit dürften keine Abstriche gemacht werden, betonten Karliczek und Gesundheitsminister Jens Spahn auf einer gemeinsamen Pressekonferenz. “Sicherheit hat an dieser Stelle absolute Priorität”, sagte Karliczek. Mit dem im Mai angekündigten Sonderprogramm mit einem Volumen von bis zu 750 Millionen Euro sollen vor allem die Biotechunternehmen BioNTech und CureVac gefördert werden. Gespräche werden zudem mit der Firma IDT Biologika geführt, die eine Förderung beantragt hat.

BioNTech soll aus dem Topf bis zu 375 Millionen Euro erhalten. “Die Förderung ist ein wichtiger Beitrag, um die Entwicklung und den Ausbau unserer Produktionskapazitäten für einen Covid-19-Impfstoff in Deutschland zu beschleunigen”, sagte Vorstandschef Ugur Sahin. Das Mainzer Unternehmen hat sich wie die Tübinger CureVac, die bis zu 252 Millionen Euro erhalten soll, auf Impfstoffe auf Basis der so genannten Boten-RNA (mRNA) spezialisiert. Sie soll den menschlichen Zellen die Information zur Produktion von Proteinen und damit zur Bekämpfung der Krankheitserreger vermitteln. Ein Impfstoff auf dieser Basis kann möglicherweise schneller entwickelt und hergestellt werden als herkömmliche.

Der Impfstoffkandidat von IDT Biologika beruht auf einer Technologie, die im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung entwickelt wurde. Bei ihm handelt es sich um einen sogenannten Vektor-Impfstoff, für den gentechnisch veränderte und harmlose Viren als Träger für die genetischen Informationen des Coronavirus genutzt werden. Karliczek sagte, sie gehe davon aus, dass auch die Gespräche mit IDT “über kurz oder lang” abgeschlossen werden könnten.

SPAHN: BREITES PORTFOLIO WICHTIG

Den drei Unternehmen solle die Möglichkeit geschaffen werden, ihre Impfstoffkandidaten umfangreich und schnell zu prüfen. Die Förderung sei deshalb bis zum Abschluss der entscheidenden Phase-3-Studie vorgesehen, nicht zuletzt auch, um mögliche Nebenwirkungen schneller erkennen zu können. In der vergangenen Woche hatte die Unterbrechung der Corona-Impfstoffstudien des Pharmakonzerns AstraZeneca wegen der Erkrankung eines Probanden Sorgen geschürt. Das Unternehmen setzt inzwischen seine Studie aber zumindest in Großbritannien wieder fort.

Sowohl mit CureVac, an der der Bund über die Förderbank KfW knapp 17 Prozent hält, als auch mit BioNTech hat die Europäische Kommission bereits Sondierungsgespräche abgeschlossen, um sich Hunderte Millionen Impfstoffdosen zu sichern. Bundesgesundheitsminister Spahn sagte, es sei wichtig, ein breites Portfolio an Impfstoffen zu haben. Man werde sich am Ende über die Einkäufe der EU mehr Dosen sichern als Menschen in Deutschland lebten. Im Rahmen eines Vertrags der EU mit AstraZeneca über bis zu 400 Millionen Dosen habe man sich davon bereits 54 Millionen gesichert.

Karliczek bekräftigte, sie gehe davon aus, dass erst Mitte 2021 ein Impfstoff zur Verfügung stehe, mit dem breite Teile der Bevölkerung geimpft werden können. Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, sagte, erste Zulassungen seien Ende dieses Jahres möglich. Innerhalb weniger Tage könnte dann mit Impfungen begonnen werden, erwartet Spahn. “Wir werden mit denen anfangen, die besonders gefährdet sind.” Dabei setzt er auf Freiwilligkeit: “Wir sind sehr sehr zuversichtlich, dass wir das Ziel einer ausreichend hohen Impfquote freiwillig erreichen.”

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