for-phone-onlyfor-tablet-portrait-upfor-tablet-landscape-upfor-desktop-upfor-wide-desktop-up
Weltnachrichten

Indien überholt Brasilien als Land mit den zweitmeisten Corona-Infektionen

A view shows the Taj Mahal hotel after the government tightened up measures for coronavirus prevention in Mumbai, India, March 17, 2020. REUTERS/Francis Mascarenhas

Mumbai (Reuters) - Indien hat Brasilien als Land mit den weltweit zweitmeisten Coronavirus-Fällen abgelöst.

Die Zahl der bestätigten Infektionen stieg binnen eines Tages um 90.802 auf mehr als 4,2 Millionen, wie das Gesundheitsministerium am Montag mitteilte. Es war der dritte Tageshöchstwert in Folge. Nur die USA haben mit 6,2 Millionen Ansteckungen noch mehr Fälle registriert, in Brasilien gab es zuletzt 4,1 Millionen nachgewiesene Fälle. Die Totenzahl ist in Indien mit 71.642 allerdings deutlich niedriger im Vergleich zu den USA mit fast 193.000 und Brasilien mit rund 126.000 Toten.

Die indische Regierung sieht darin einen Hinweis dafür, dass die Kontaktnachverfolgung und die Behandlung funktioniere und die Lage in dem zweitbevölkerungsreichsten Land der Erde unter Kontrolle sei. Experten rechnen aber nicht damit, dass in Indien bald der Höhepunkt der rasanten Virus-Ausbreitung erreicht sein wird, da die Metropolen wie die Hauptstadt Neu-Delhi und das Finanzzentrum Mumbai kein Anzeichen für ein Abebben zeigen und die Ansteckungen in den ländlichen Gebieten immer mehr zunehmen. Zumal viele der 1,3 Milliarden Inder kaum Zugang zu medizinischer Versorgung haben.

Auch beklagen Ärzte nach sechs Monaten fast pausenloser Arbeit in der Pandemiezeit zunehmend eine Überlastung und einen Mangel an Fachpersonal. “Alle sind mental erschöpft”, sagte Ronak Mankodi, ein Arzt auf der Intensivstation des Max Smart Super Speciality Hospital in Neu-Delhi. Arun Dewan, der Leiter der Intensivpflege, sagte, eine der größten Herausforderungen sei die Erholung der Mitarbeiter nach zermürbenden zweiwöchigen Schichtwechseln. “Wir haben nur eine Handvoll Leute, die wir im Rotationsverfahren einsetzen können.” Laut Daten der Indischen Ärztekammer, die 350.000 Ärzte im ganzen Land vertritt, sind fast 200 Ärzte an dem Coronavirus gestorben. Die Sterblichkeitsrate der Kammermitglieder liege bei rund acht Prozent und damit höher als in der Gesamtbevölkerung. Hausärzte als erste Anlaufstelle für Infizierte seien besonders gefährdet.

In der Hauptstadt liegt die Zahl der täglichen Neuinfektionen mittlerweile bei 3000, nachdem sie Anfang des Sommers noch unter 1000 lag. Dennoch öffneten Neu-Delhi und andere Städte am Montag nach monatelanger Schließung wieder die U-Bahn. Am Mittwoch sollen in der Metropole mit ihren 20 Millionen Einwohnern auch die Bars wieder öffnen dürfen. Ministerpräsident Narendra Modi steht unter Druck, die Wirtschaft wieder anzukurbeln, die wegen der strengen Corona-Schutzmaßnahmen im vergangenen Quartal im Rekordtempo geschrumpft war. Millionen Indern droht der Rückfall in Armut. Von April bis Juni gab es einen nie dagewesenen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 23,9 Prozent. Im Haushaltsjahr bis Ende März 2021 droht Experten zufolge ein BIP-Einbruch von rund zehn Prozent: Damit würde die Wirtschaft in dem asiatischen Schwellenland so stark schrumpfen wie nie zuvor seit der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1947.

for-phone-onlyfor-tablet-portrait-upfor-tablet-landscape-upfor-desktop-upfor-wide-desktop-up