March 26, 2020 / 4:08 PM / 7 days ago

Corona-Krise trifft weltweite Lebensmittel-Versorgung

Singapur/London/Berlin (Reuters) - Die rasante Ausbreitung der Corona-Seuche über die ganze Welt setzt auch die Lebensmittel-Versorgung unter Druck.

Corn awaits harvest near Austin, Manitoba, Canada March 23, 2020, hours after Canada's Prime Minister Justin Trudeau said the federal government would offer an additional C$5 billion ($3.4 billion) line of credit for farmers and agricultural producers to help them through the coronavirus disease (COVID-19) crisis. REUTERS/Shannon VanRaes

Erste asiatische Länder verhängten Exportstopps für Grundnahrungsmittel wie Reis, während in Europa die Reisebeschränkungen für Erntehelfer Sorgen machen, wie Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner am Donnerstag in Berlin sagte. Hamsterkäufe in vielen Ländern heizen die Nachfrage an. Klöckner zeigte sich für die Versorgung dennoch entspannt: “Wir werden nicht verhungern.” Deutschland produziert seine Grundnahrungsmittel im wesentlichen selbst. Der Irak hingegen ist auf der Suche nach einer Million Tonnen Weizen und 250.000 Tonnen Reis. Vietnam als drittgrößtes Reis-Ausfuhrland und Kasachstan als Weizen-Exporteur kündigten Ausfuhrbeschränkungen an.

Obwohl Europa grundsätzlich den Warenverkehr über Grenzen trotz Reiseverboten aufrecht halten will, kommt es immer wieder zu Behinderungen. So ist etwa der Einsatz osteuropäischer Lkw-Fahrer problematisch, da bei Rückreise häufig eine zweiwöchige Quarantäne droht. Erntehelfer dürfen ohnehin grundsätzlich nicht mehr einreisen.

“Die Personal-Situation ist hier teilweise sehr angespannt”, sagte Klöckner nach einer Sitzung des Corona-Kabinetts. Stark betroffen seien Schlachthöfe und Molkereien, die auf Berufspendler aus Tschechien und Polen angewiesen seien. Man wolle jetzt Studenten zur Mitarbeit motivieren, indem Bafög-Empfängern die Hilfe trotz höheren Zuverdienstes nicht gekürzt werde. Innenminister Horst Seehofer prüfe zudem, ob das Arbeitsverbot für Asylbewerber aufgehoben werden könne. “Es sind ungewöhnliche Zeiten, da sollte man auch solche Dinge regeln”, forderte die CDU-Politikerin.

PROBLEME IM WARENVERKEHR

Der Düngemittel-Produzent K+S wurde nach eigenen Angaben von der Bundesregierung inzwischen als systemrelevant für die Lebensmittelversorgung anerkannt. Ein Schließung der Werke drohe daher bei einer weiteren Ausbreitung der Pandemie nicht, sagte ein Firmensprecher.

Deutschlands größter Agrarhändler BayWa macht sich dennoch Sorgen um den Nachschub an Dünger und Pflanzenschutzmitteln. Die Lieferketten seien “durchaus beeinträchtigt”, räumte Vorstandschef Klaus Josef Lutz ein. “Derzeit sind wir gegenüber unseren Landwirten ohne Einschränkung lieferfähig.” Vor allem wenn sich die Lage an den Binnengrenzen in Europa in den nächsten Wochen nicht ändere, könne es aber zu Unterbrechungen kommen. Bei Dünger sei Deutschland auf Importe aus anderen EU-Staaten angewiesen.

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sagte, gerade an den Grenzen zu Osteuropa gebe es immer wieder Probleme mit dem Warenverkehr. Man suche für Lkw-Fahrer und auch für Bauarbeiter Lösungen. Die Gespräche mit Polen und Tschechien seien aber schwierig. “An der Stelle kann ich kein Ergebnis sagen. Da stehen wir immer wieder vor neuen Herausforderungen.” Um die Grenzprobleme zu umgehen, werden immer mehr Güter - vor allem medizinische - per Luftfracht produziert. Airlines arbeiten sogar daran, nicht genutzte Passagiermaschinen umzurüsten.

PREISE AN AGRAR-BÖRSEN STEIGEN

Die Hamsterkäufe in vielen Ländern erschweren die Lage: In Großbritannien registrierte die Handelskette Ocado am Dienstag eine zehnfach höhere Nachfrage als üblich. Das Land sei aber gut versorgt, sagte Ocado-Chef Stuart Rose der BBC.

Auf den weltweiten Agrarmärkten macht sich die angespannte Lage bereits bemerkbar. “Die Menschen werden nervös”, sagte Phin Ziebell, Agrarexperte der National Australia Bank. Neben Vietnam schränkt auch Indien die Reis-Exporte ein, da das Land praktisch unter Ausgangssperre steht. Der Preis für das Getreide stieg auf den höchsten Wert seit 2013. An der Börse in Chicago kostete die Weizenlieferung rund zehn Prozent mehr als vor einer Woche. Händler betonten jedoch, auf der Welt würden mehr als ausreichend Grundnahrungsmittel produziert.

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