March 2, 2020 / 3:48 PM / in a month

Corona-Krise belastet Airlines immer mehr

An Airplane of German carrier Lufthansa takes off at Munich international airport, Germany, March 2, 2020. REUTERS/Michael Dalder

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Die rasante Ausbreitung des Coronavirus bringt die internationale Luftfahrt immer stärker ins Trudeln.

Die Lufthansa verlängerte am Montag die Aussetzung ihrer Passagierflüge zum chinesischen Festland bis Ende April und dünnte den Flugplan nach Asien und Italien aus. Auch die Inlandsflüge werden zusammengestrichen, wie die Airline am Montag mitteilte. Konkurrent KLM fliegt einige Ziele in China bis Anfang Mai nicht an, will aber von Ende März an wieder nach Peking und Shanghai starten. Der Billigflieger Wizz Air aus Ungarn reduzierte ebenfalls seine Europa-Flüge.

Die EU-Kommission verschärfte die Warnstufe für das Gesundheitsrisiko durch die Covid-19-Infektion in Europa auf “hoch”. Der internationale Verband der Fluggesellschaften IATA warnte: “Die Covid-19-Krise hat schwere Folgen für den Luftverkehr. Die Fluggesellschaften erleben gravierende Nachfragerückgänge.”

Die Lufthansa hatte bereits am Freitag angekündigt, nach China-Flügen auch bis zu einem Viertel der Verbindungen in Europa zu streichen. Mit den Absagen von immer mehr Messen und dem Ausfall von Dienst- und Urlaubsreisen brechen die Buchungen ein. Neben der Kernmarke Lufthansa reduzieren auch die Töchter Austrian Airlines, Brussels Airlines, Eurowings und Swiss ihr Angebot. Rein rechnerisch blieben 23 Langstrecken-Flieger der insgesamt knapp 770 Maschinen großen Flotte auf dem Boden. Ein Sparprogramm für die Personalkosten wird eingeführt. Die Ergebnisbelastung sei derzeit noch nicht abschätzbar, erklärte die Lufthansa. Zahlen dazu will der Dax-Konzern zur Vorlage seiner Bilanz am 19. März nennen. Die Aktien von Airlines setzten ihren Sinkflug am Montag fort. Lufthansa-Papiere verloren bis zu zehn Prozent an Wert.

Ohne Unternehmensnamen zu nennen, berichtete die Airline-Lobby IATA, bei einer Fluggesellschaft liege die Nachfrage gut ein Viertel unter Vorjahr. Bei einem großen Carrier seien die Buchungen nach Italien komplett weggebrochen, Erstattungskosten stiegen an. Der Verband forderte, wegen der außergewöhnlichen Umstände die Regeln für Start- und Landerechte zu lockern. Diese hängen an vielen Flughäfen davon ab, dass sie dauerhaft zu mindestens 80 Prozent genutzt werden. Die Vorgabe sollte nach Ansicht von IATA bis Oktober ausgesetzt werden. Andernfalls müssten die Firmen leere Flugzeuge abheben lassen, um die Slots zu behalten. Für die zumeist staatlichen Fluggesellschaften in Nahost forderte der IATA-Regionalvertreter Unterstützung durch die Regierungen. Wie Lufthansa und die anderen großen Airlines in Europa die Krise meistern wollen, wird am Dienstag auf dem Branchentreffen des Verbandes “Airlines for Europe” (A4E) in Brüssel diskutiert. Die US-Regierung lud die Chefs von Airlines und Kreuzfahrtveranstaltern für Mittwoch zur Beratung ins Weiße Haus ein.

VIRUS TRIFFT SCHRUMPFENDEN FERIENFLUGMARKT

Nach der Absage der weltgrößten Reisemesse ITB zittern die Reiseveranstalter um ihr Geschäft. Buchungszahlen vom Februar lägen noch nicht vor, erklärte eine Sprecherin des Deutschen Reiseverbands (DRV). Mit Rückgängen sei aber zu rechnen. Viele Reiseveranstalter hätten Stornierungsregeln gelockert. “Das soll den Kunden Sicherheit geben, dass sie bei einem Veranstalter deutlich besser abgesichert sind.” Die Rewe-Tochter DER Touristik erklärte, zu Jahresbeginn seien die Buchungseingänge sehr gut gewesen. “Derzeit sehen wir eine gewisse Buchungszurückhaltung, spezielle für asiatische Reiseziele und für Norditalien.”

Der touristische Luftverkehr ab Deutschland schrumpft einer Studie zufolge auch ohne die jüngste Eskalation der Coronakrise. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erklärte, die Flüge in Urlaubsgebiete dürften um rund ein Prozent zurückgehen, während die Zahl aller Flüge um 2,5 Prozent sinken werde. “Der Ferienflieger-Markt 2020 ist größtenteils von Stagnation und Schrumpfung geprägt”, sagte DLR-Experte Peter Berster. “Insgesamt bleibt die Verbreitung des Coronavirus ein Unsicherheitsfaktor für die Entwicklung des Flugverkehrs in diesem Sommer.”

Wenn Messen gekippt werden und Touristen aus China wegbleiben, leiden auch Hotels und Restaurants. “Insbesondere die Absagen von großen internationalen Messen in Frankfurt am Main, Köln, Düsseldorf und Berlin führen zu fatalen Kettenreaktionen”, sagte der Präsident des Branchenverbands Dehoga, Guido Zöllick. Hotelgruppen und Gastronomen hätten Einbußen im hohen sechs- bis siebenstelligen Bereich zu verkraften. “Jetzt kommt es darauf an, dass die Bundesregierung effektive Liquiditätshilfen und Fördermaßnahmen verabredet, die schnell und unbürokratisch wirken.” Nötig seien auch steuerliche Entlastungen, die mittel- und langfristig wirken.

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