for-phone-onlyfor-tablet-portrait-upfor-tablet-landscape-upfor-desktop-upfor-wide-desktop-up
Inlandsnachrichten

Steigende Corona-Zahlen - Merkel beruft Krisengipfel ein

German Chancellor Angela Merkel arrives to welcome European Commission President Ursula von der Leyen before talks at the Chancellery in Berlin, Germany September 18, 2020. Odd Andersen/Pool via REUTERS

Berlin/München (Reuters) - Die Zahl steigender Coronavirusinfektionen in Deutschland und Europa ruft die Politik auf den Plan.

Bundeskanzlerin Angela Merkel lud die Ministerpräsidenten der Bundesländer für Dienstag kommender Woche zu einem Corona-Gipfel. Auf einer Videokonferenz soll die Corona-Politik abgestimmt werden. Als erste deutsche Millionenstadt beschloss München am Montag Einschränkungen des öffentlichen Lebens und ordnete eine Maskenpflicht in der Innenstadt rund um den zentralen Marienplatz an. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) macht vor allem der Blick über die Grenzen Sorgen. Man müsse verhindern, dass die Entwicklungen in den Nachbarländern auf Deutschland übergreife. “Wir haben es in der Hand, durch unser eigenes Verhalten”, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Auf weitere Öffnungsschritte müsse daher verzichtet werden. Grenzschließungen sind nach Angaben einer Sprecherin von Innenminister Horst Seehofer (CSU) aber nicht geplant.

Mehrere Nachbarstaaten Deutschlands meldeten zuletzt stark steigende Infektionszahlen. Die Niederlande überschritten zum ersten Mal seit Ausbruch der Pandemie die Schwelle von 2000 Neuinfektionen an einem Tag. Auch Frankreich, Österreich und Tschechien verzeichneten deutlich mehr Infektionen.

In Deutschland meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) am Montag zwar mit 922 weniger Fälle als an den vorangegangenen Tagen. Am Wochenende melden die Gesundheitsämter die Zahlen aber weiterhin oft mit Verzögerung. Auch im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg stieg die Zahl der Neuinfektionen nach Informationen des “Tagesspiegel” auf über 50 pro 100.000 Einwohner. Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci sei besorgt, da es immer schwerer werde, die Kontaktketten nachzuverfolgen. Regierungssprecher Seibert warnte, dass die Lage dadurch außer Kontrolle geraten könnte.

Gesundheitsminister Spahn kündigte den beschleunigten Einsatz von Schnelltests an, die allerdings nicht als sehr verlässlich gelten. Sie sollen die normalen Corona-Tests ergänzen, von denen rund 1,1 Millionen pro Woche ausgewertet werden. Die Kapazität liege inzwischen bei 1,4 Millionen Tests, sagte ein Sprecher des Ministeriums.

In München soll rund um den zentralen Marienplatz von Donnerstag an für zunächst sieben Tage auch auf der Straße eine Maskenpflicht gelten, kündigte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) nach einer Sitzung des Krisenstabs an. “Wir müssen alles tun, um Menschenansammlungen zu vermeiden, das gilt insbesondere im Bereich des Feierns.” Die Stadt hat private Feste als Ursache für viele Infektionen ausgemacht. Dort sollen sich im Freien nur noch 50, in geschlossenen Räumen maximal 25 Menschen treffen. “Wir müssen die Entwicklung jetzt brechen”, sagte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU). “Wir können das nicht so laufen lassen.” In Städten mit so hohen Infektionszahlen könnten auch keine Weihnachtsmärkte stattfinden, wie er sie am Wochenende unter Auflagen in Aussicht gestellt hatte.

SORGE VOR DEM HERBST - WAS MACHEN DIE BAYERN-FANS?

Mediziner warnen für den Herbst seit längerem vor steigenden Corona-Zahlen. Trotz der hohen Neuinfektionen stieg die Zahl der Corona-Toten zuletzt kaum. Regierungssprecher Seibert warnte jedoch vor Illusionen. Zwar steckten sich derzeit vor allem jüngere Menschen an, bei denen sich weniger Symptome zeigten. Aber zum einen könnte das Virus auch Jüngere hart treffen, zum andern zeigten sich immer mehr Spätschäden nach anfänglich geringen Symptomen. Außerdem gebe es die Gefahr, dass Jüngere in ihren Familien ältere Personen ansteckten.

Söder warnte die Fans des FC Bayern München davor, zum Supercup-Spiel gegen den FC Sevilla am Donnerstag in Budapest zu reisen. Die ungarische Hauptstadt ist als Corona-Risikogebiet eingestuft. Angesichts von 20.000 zugelassenen Zuschauern drohe dort “eine Art Fußball-Ischgl”, sagte er in Anspielung auf den österreichischen Skiort, von dem im Winter eine Infektionswelle ausging. Die 2000 bis 3000 Bayern-Fans, die den Champions-League-Sieger begleiten wollten, müssten nach ihrer Rückkehr in Quarantäne. Die für kurze Geschäftsreisen gedachte Ausnahme von der Quarantäne-Pflicht gelte nicht für Sport- und Kultur-Events.

for-phone-onlyfor-tablet-portrait-upfor-tablet-landscape-upfor-desktop-upfor-wide-desktop-up