March 4, 2020 / 10:33 AM / a month ago

EZB lotet nach US-Zinssenkung ihre Möglichkeiten aus

Frankfurt/Ottawa (Reuters) - Nach der überraschenden Zinssenkung der US-Notenbank im Zuge der Coronavirus-Epidemie lotet die EZB ihren Handlungsspielraum aus.

The logo of the European Central Bank (ECB) is pictured outside its headquarters in Frankfurt, Germany, April 26, 2018. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Sie kam am Dienstagabend zu einer außerordentlichen Telefonkonferenz zusammen, um die Lage zu bewerten, wie Reuters von Insidern erfuhr. Demnach diskutierte der EZB-Rat operative Fragen, eine geldpolitische Antwort sei jedoch nicht auf der Agenda gewesen. Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus warnt vor einer Zinssenkung als Folge der Virus-Epidemie: “Ich würde davon abraten, jetzt auf europäischer Ebene die Zinsen noch mal zu senken, weil viel tiefer geht es nicht”, sagte Brinkhaus am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.

Die nächste reguläre Zinssitzung des EZB-Rats ist für den 12. März anberaumt. Anders als die US-Notenbank Fed, die am Dienstag den Schlüsselsatz um einen halben Punkt auf die neue Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent gekappt hatte, hat die EZB nicht mehr viel Spielraum. Ihr Leitzins liegt bereits auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Banken im Euro-Raum müssen zudem bereits seit 2014 Strafzinsen berappen, wenn sie bei der EZB über Nacht Gelder parken. Damit soll der Druck auf die Geldhäuser steigen, dass Geld in Form von Krediten auszugeben und damit die Wirtschaft zu unterstützen.

Im September hatte die EZB diesen “Einlagensatz” genannten Strafzins verschärft. Er liegt jetzt bei minus 0,5 Prozent. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer erwartet inzwischen, dass die EZB auf ihrer Sitzung am 12. März den Einlagensatz auf dann minus 0,6 Prozent senkt. Am Geldmarkt sind sich Investoren inzwischen zu 91 Prozent sicher, dass die Zentralbank so handeln wird. Ökonom Friedrich Heinemann vom Mannheimer ZEW sieht in Zinssenkungen indes “eine schwache Medizin” gegen das Coronavirus: “Das gilt insbesondere für Europa, wo eine nennenswerte Dosis in der Negativzinssituation nicht mehr verabreicht werden kann.”

Wie mit der Situation vertraute Personen mitteilten, wurde auf der EZB-Telefonkonferenz auch darüber gesprochen, wie das Finanzsystem bislang die Virus-Krise verkrafte. Zudem sei thematisiert worden, wie die EZB und die 19 nationalen Euro-Notenbanken im Stressfall kooperieren sollten.

Wegen der Viruskrise beschloss die EZB offiziell Reisebeschränkungen für ihre Beschäftigten. Auch für alle Direktoriumsmitglieder werden bis zum 20. April alle unnötigen Reisen eingeschränkt. Als weitere Vorsichtsmaßnahme verschob oder strich die Notenbank zudem Konferenzen.

Der Ausbruch des Coronavirus - im Fachjargon Covid-19 genannt - ist nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) ein ernsthaftes Risiko für die globale Wirtschaft. Die ökonomischen und finanziellen Auswirkungen seien weltweit zu spüren, sorgten für Unsicherheit und trübten die kurzfristigen Aussichten ein, warnte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa. Das Ausmaß der Folgen sei noch nicht absehbar. Das globale Wachstum dürfte aber 2020 unter das Vorjahresniveau fallen. In den nächsten Wochen werde der IWF neue Prognosen für die Weltwirtschaft vorlegen.

Eurogruppenchef Mario Centeno sagte unterdessen, es würden “keine Anstrengungen gescheut”, um das Wirtschaftswachstum in der Viruskrise zu stützen. Dazu seien die EU-Finanzminister bereit, haushaltspolitische Maßnahmen zu ergreifen. Am Dienstag hatten sich die sieben führenden Industriestaaten (G7) - also USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und Kanada - in einer Telefonschalte über das weitere Vorgehen abgestimmt, ohne jedoch Konkretes zu beschließen.

“ERHEBLICHER NEGATIVER SCHOCK”

Am Mittwoch senkte Kanadas Notenbank nun den geldpolitischen Schlüsselsatz um einen halben Punkt auf 1,25 Prozent. Die Währungshüter nannten den Coronavirus-Ausbruch mit Blick auf den Konjunkturausblick einen “erheblichen negativen Schock”. Zugleich signalisierte die Notenbank Bereitschaft, die Zinsen bei Bedarf weiter zu senken, um die Wirtschaft zu stützen.

Auch in den USA dürfte das Ende der Fahnenstange in Sachen Zinssenkung noch nicht erreicht sein: Ökonom Ulrich Wortberg von der Helaba verweist darauf, dass die Finanzmärkte trotz des “soliden Stellenaufbaus” am Arbeitsmarkt im Februar auf eine weitere geldpolitische Lockerung setzen: “Die im Markt vorherrschenden Konjunktursorgen im Zusammenhang mit der Covid-19-Ausbreitung dürften kaum zu dämpfen sein.” Mit Blick auf den Fed-Zinsentscheid am 18. März werde in den Kursen eine weitere Senkung des Leitzinsbandes um einen Viertel Punkt vorweggenommen.

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