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Inlandsnachrichten

RKI macht Erfolge in neuer Corona-Welle aus - Wende aber offen

FILE PHOTO: The headquarters of the Robert Koch Institute are pictured ahead of a news conference on the coronavirus disease (COVID-19) in Berlin, Germany, April 3, 2020. REUTERS/Michele Tantussi/File Photo

Berlin (Reuters) - Trotz Infektionszahlen nahe der Rekordstände macht das Robert-Koch-Institut Fortschritte im Kampf gegen die zweite Corona-Welle in Deutschland aus.

Zwar sei die Lage weiterhin “sehr ernst”, sagte RKI-Chef Lothar Wieler am Donnerstag in Berlin. “Tatsache ist aber, dass die Maßnahmen wirken.” Die Fallzahlen hätten sich auf hohem Niveau stabilisiert. “Das ist eine gute Nachricht.” Er selbst sei auch optimistisch, dass sich dies fortsetzt. “Wir wissen aber nicht, ob das eine Trendwende ist.” Derzeit seien die Fallzahlen jedoch noch viel zu hoch. Es könne sein, dass Patienten auf den Intensivstationen nicht mehr immer optimal versorgt werden. Die Infektionszahlen dürften daher keinesfalls weiter steigen.

Am Donnerstag hatte das RKI über 22.600 neue Corona-Fälle gemeldet. Dies waren deutlich mehr Infektionen als am Mittwoch und auch mehr als am Donnerstag vor einer Woche. 251 Todesfälle wurden gemeldet, so dass nun insgesamt 13.370 Menschen am oder mit Covid-19 in Deutschland gestorben sind. Die Sieben-Tage-Inzidenz - also die Zahl der Neuinfektionen binnen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner - gab das RKI für Donnerstag mit 138,9 an. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat als Ziel für die Lockerung der derzeit geltenden Einschränkungen den Wert von 50 ausgegeben.

BUNDESREGIERUNG UND LÄNDER BERATEN NÄCHSTE WOCHE WIEDER

Anfang der Woche hatten Bundesregierung und Länder über die für November verhängten weiteren Einschränkungen beraten, aber keine tiefgreifenden Änderungen beschlossen. Am Mittwoch kommender Woche wollen Merkel und die Länderchefs anhand der Infektionsentwicklung erneut beraten. Eine Lockerung der bestehenden Auflagen gilt dabei nach derzeitigem Stand als ausgeschlossen. Ob es zu Verschärfungen etwa bei Kontakten oder für Schulen und Kitas kommt, ist noch offen.

“Wir sind noch lange nicht über den Berg”, sagte Wieler. Unklar sei die Wirkung der neuen Testregelungen. Da die Labore an ihre Kapazitäten gestoßen waren, wurde zuletzt weniger, aber zielgerichteter getestet. Wie groß unterm Strich der Effekt bei den täglichen Meldungen der Infektionszahlen sei, könne man nicht genau beziffern, räumte Wieler ein.

Für eine diskutierte Schließung von Schulen und Kitas wie im Frühjahr sieht RKI-Chef Wieler derzeit keinen Grund: “Wir können das managen.” Die Inzidenzen bei Kindern unter zwölf Jahren seien niedriger als in anderen Altersgruppen. Kinder liefen dem Infektionsgeschehen eher hinterher, Erwachsene steckten eher Kinder an als umgekehrt. Voraussetzung sei aber, dass die Konzepte, die die Schulen entwickelt hätten, auch umgesetzt würden.

“Extrem ermutigend” bewertete Wieler die jüngsten Fortschritte bei der Impfstoff-Entwicklung. Er sei überrascht, dass es derart schnell Ergebnisse gebe. Klar sei, in dem Moment, in dem ein Impfstoff zugelassen sei, könne die Pandemie deutlich besser kontrolliert werden. Bis zu den Impfungen müssten aber die Abstands- und Hygieneregeln Bestand haben.

Der Europa-Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Hans Kluge, sprach ebenfalls von Licht am Ende des Tunnels. Aber es würden noch sechs harte Monaten werden. Ein zugelassener Impfstoff sei auch kein Allheilmittel, da er nicht sofort überall auf der Welt verfügbar sein werde. Auch Kluge plädierte dafür, Schulen offenzuhalten. Zugleich warnte er aber vor zu früheren Lockerungen von Einschränkungen. Die Erfahrung zeige, dass dies negative Effekte auf das Infektionsgeschehen haben könne.

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