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Inlandsnachrichten

Infektionen steigen - RKI hält Impfstoff im Herbst für möglich

The headquarters of the Robert Koch Institute are pictured ahead of a news conference on the coronavirus disease (COVID-19) in Berlin, Germany, April 3, 2020. REUTERS/Michele Tantussi

Berlin (Reuters) - Das Robert-Koch-Institut (RKI) hält den Einsatz eines Impfstoffs gegen das Coronavirus schon in wenigen Monaten für möglich.

“Vorläufige Prognosen lassen die Verfügbarkeit eines Impfstoffs (gegebenenfalls mehrerer) bis Herbst 2020 möglich erscheinen”, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Publikation der Behörde mit dem Titel “Die Pandemie in Deutschland in den nächsten Monaten”. Anfang Juli hatte das RKI noch davon gesprochen, dass es frühestens 2021 einen Impfstoff in relevanten Mengen geben werde. Das Institut warnt allerdings vor Erwartungen, mit einem Impfstoff ab Herbst sei die Pandemie beherrschbar. Kurze Immunitätszeiten sowie Mutationen des Virus könnten den Impf-Nutzen relativieren. Angesichts zuletzt steigender Infektionszahlen zeigte sich die Regierung alarmiert. Höhere Zahlen müssten vermieden werden.

Russland hatte am Dienstag mit der Zulassung eines Impfstoffes für Aufsehen, aber auch Kritik gesorgt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte, nach allem was man wisse, sei der Stoff nicht hinreichend erprobt. Es gehe nicht darum, erster zu sein, sondern eine wirksamen und sicheren Impfstoff zu haben.

Auch das RKI setzt daher weiter den Schwerpunkt beim Schutz der Menschen auf die Abstands- und Hygieneregeln sowie auf Verbesserungen bei der Nachverfolgung von Infektionen. Es könne zwar insgesamt eine positive Zwischenbilanz für den Umgang mit der Pandemie in Deutschland gezogen werden. Aber: “Es besteht die berechtigte Sorge, dass aufgrund der scheinbaren Ruhe der vergangenen Wochen die notwendige Aufmerksamkeit und Energie geschwunden ist.” Gleichzeitig wachse die Gefahr neuer Ausbrüche und möglicherweise einer zweiten Welle. “Deshalb müssen jetzt die richtigen Impulse und Ziele gesetzt werden, um dem entgegenzutreten”, heißt es in der im Internet veröffentlichten Publikation, die die Strategie bis April 2021 skizziert. Hygiene und Abstandsregeln müssten zu einem “Stück gelebte Normalität” werden. Die Gesundheitsämter müssten zudem weiter gestärkt werden.

SPAHN: ZAHLEN BESORGNISERREGEND

Der ungebrochene Trend zu höheren Infektionszahlen quer durch das Land beunruhigt auch die Bundesregierung. “Das ist ohne Zweifel besorgniserregend, und das ist auch etwas, wo wir sehr, sehr wachsam sein müssen”, sagte Spahn im Deutschlandfunk. Der Anstieg könne eine neue Dynamik entfalten, denn es gebe inzwischen viele kleinere und größere Ausbrüche im ganzen Land. So seien Ansteckungen nicht mehr so einfach nachzuverfolgen. Regierungssprecher Steffen Seibert verwies darauf, dass vermehrt jüngere, mobile Menschen infiziert seien, die das Virus schnell weitertragen könnten. Derzeit sei das Gesundheitssystem gut vorbereitet. “Aber wir müssen eine Verschärfung der Situation vermeiden”, sagte der Sprecher von Kanzlerin Angela Merkel.

Die Gesundheitsämter hatten zuvor binnen 24 Stunden 1226 neue Ansteckungen dem Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet. Das ist die höchste Zahl seit dem 9. Mai. Sie nimmt seit Ende Juli wieder zu und hatte erstmals seit drei Monaten wieder die Marke von 1000 überschritten. Auch die Zahl der akut Infizierten, die das Virus aktuell also weitertragen können, ist deutlich gestiegen. Sie wird derzeit vom RKI auf über 11.000 geschätzt. Das sind mehr als doppelt soviele wie noch Mitte Juni.

Der Anstieg fällt zusammen mit dem Schulbeginn in immer mehr Bundesländern sowie der Rückkehr zahlreicher Urlauber teils aus Risikogebieten. Dazu gehören viele Länder weltweit einschließlich der Türkei. Aber auch Gebiete in Spanien, Bulgarien oder Belgien schließt dies ein, da ein Trend zu wieder steigenden Infektionszahlen nahezu weltweit zu beobachten ist. Die Bundesregierung hatte für Einreisende aus solchen Risikoregionen daher eine Testpflicht verhängt.

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