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Unternehmensnachrichten

Nicht versichert? Safari-Camp kämpft wegen Corona gegen die Pleite

Workers check tents that had been lying empty at a safari camp during the coronavirus disease (COVID-19) outbreak in Pilanesberg National Park, South Africa, August 7, 2020. Picture taken August 7, 2020. REUTERS/Shafiek Tassiem

Pilanesberg National Park (Reuters) - Das Safari-Camp von Wynand Du Toit liegt verlassen da, Paviane haben die Zelte aufgerissen, und auf dem Parkplatz grasen die Antilopen.

Der Südafrikaner bangt um die Existenz des Zelt-Camps im Pilanesberg National Park nahe der Hauptstadt Pretoria, seit sein Versicherer Santam ihm die volle Entschädigung für die Umsatzausfälle in der Coronakrise verweigert hat. Der Streit um die Gültigkeit von Betriebsschließungs-Versicherungen bei einem Pandemie-Ausbruch ist ein weltweites Problem - für Hotels und Restaurants, aber auch für die Versicherer. Deren Argumente sind weltweit die gleichen: Sie glauben, nicht zahlen zu müssen, wenn der Grund für die Schließung staatliche Schutzmaßnahmen in der Pandemie sind und nicht ein konkreter Krankheitsausbruch im Betrieb selbst. Denn dafür seien die Policen nicht gemacht.

Einige Versicherer lassen sich inzwischen auf Kulanzlösungen ein. In Deutschland hat der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger einen Vergleich ausgehandelt, nach dem Restaurant- und Hotelbetreiber wenigstens 15 Prozent des Schadens bekommen - das sei etwa die Hälfte dessen, was nicht ohnehin durch staatliche Hilfen abgedeckt sei. Versicherer, die kulanter sein wollten, würden aus der Branche unter Druck gesetzt, nicht nachzugeben, um keine Präzedenzfälle zu schaffen, berichtet ein Geschädigter. Hunderte Klagen sind anhängig, weil sich Wirte nicht mit den 15 Prozent abspeisen lassen wollen. Allein 39 werden in München verhandelt. Christian Vogler, der Besitzer des Augustinerkeller-Biergartens, fordert von der Versicherungskammer Bayern allein gut eine Million Euro.

Camp-Betreiber Du Toit hat von Santam nur elf Prozent von den rund drei Millionen Rand (etwa 150.000 Euro) bekommen, die er gefordert hat. “Verstehen sie mich nicht falsch, ich bin dankbar”, sagt er. Aber er brauche die ganze Summe, um die zwei Millionen Rand zu tilgen, die er in den vergangenen fünf Monaten als Kredit aufgenommen hat. “Und selbst dann wird es schwierig, zu überleben.” Denn Touristen aus dem Ausland bringen Du Toit 70 Prozent der Einnahmen, doch die südafrikanischen Grenzen sind für sie immer noch geschlossen. Er hofft darauf, dass sich ein anderer Santam-Kunde in einem ähnlich gelagerten Fall durchsetzt und der Versicherer dann klein beigibt.

In Frankreich bieten einige Genossenschaftsbanken und Gegenseitigkeits-Versicherer kleinen Unternehmen “Ankurbelungs-Boni” oder “Krisen-Beihilfen” von bis zu 20.000 Euro an, die de facto Kulanzzahlungen sind. In Großbritannien und in Australien haben die Aufsichtsbehörden Musterverfahren initiiert, um von Gerichten klären zu lassen, ob die Versicherer zahlen müssen oder nicht. Südafrika erwägt ein ähnliches Vorgehen. Das geht, weil die Vertragsbedingungen dort standardisiert sind - anders als in Deutschland, wo bisher jeder Versicherer andere Klauseln verwendet.

Zudem sind Krankheiten in den meisten Ländern über die normale Betriebsunterbrechungsversicherung abgedeckt, die etwa bei einem Brand oder einem IT-Ausfall einsteht. In Deutschland nicht - hier gibt es dafür eigenständige Betriebsschließungs-Policen für die Gastronomie, aber auch für Krankenhäuser oder Kindergärten. Sie zahlen etwa, wenn sich Ungeziefer in der Küche ausbreitet oder der Koch mit Streptokokken infiziert ist und das Gesundheitsamt einschreitet.

Kommen die Gerichte zu dem Schluss, dass die Versicherer auch für eine Pandemie zahlen müssen, kann das richtig teuer werden. Die Analysten der UBS schätzen, dass das die Branche allein in der Betriebsunterbrechungsversicherung sieben bis 22 Milliarden Dollar kosten könnte - die USA nicht eingerechnet.

Im Pilanesberg-Nationalpark ist Mitarbeiter Thomas Mthisi gerade dabei, Du Toits Camp wieder nutzbar zu machen. Im Oktober soll es für den 21-Jährigen wieder richtig losgehen, nachdem er monatelang auf Essenspakete der Kirche angewiesen war, um seine Familie über die Runden zu bringen. Er kann nicht verstehen, dass die Versicherer ihre Kunden im Regen stehen lassen, nachdem diese jahrelang ihre Beiträge bezahlt haben: “Jetzt ist es an der Zeit, zurückzugeben.”

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