March 24, 2020 / 11:14 AM / in 13 days

USA könnten neues Corona-Epizentrum werden - Olympia verschoben

Genf/Tokio/Frankfurt (Reuters) - Das Coronavirus hat Europa und die USA fest im Griff. Vor allem in Spanien wird die Lage immer dramatischer.

A logo is pictured on the headquarters of the World Health Orgnaization (WHO) ahead of a meeting of the Emergency Committee on the novel coronavirus (2019-nCoV) in Geneva, Switzerland, January 30, 2020. REUTERS/Denis Balibouse

Das Land meldete am Dienstag mehr als 500 Tote innerhalb der vergangenen 24 Stunden. In Deutschland stieg die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen nach Angaben des Robert-Koch-Instituts innerhalb eines Tages um 4764 auf 27.436, gestorben sind mittlerweile 114 Menschen. Zum derzeitigen Trend äußerte sich das Institut nicht. Auskunft dazu will das RKI am Mittwoch geben. Die Weltgesundheitsorganisation WHO befürchtet, dass die USA das neue Epizentrum der Pandemie werden könnten, da die Zahl der neuen Fälle dort zuletzt sehr stark in die Höhe geschnellt sei. Die Olympischen Spiele in Tokio werden wegen der Virus-Krise um ein Jahr verschoben.

In Deutschland will der Bundestag am Mittwoch nach Angaben von Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt den Epidemiefall ausrufen. Die Regelung, die auf ein Jahr begrenzt ist, sieht vor, dass der Bund vorübergehend mehr Rechte bei der Bekämpfung des Coronavirus erhält. Nordrhein-Westfalen, das von allen Bundesländern am stärksten betroffen ist, will Verstöße gegen das in Deutschland geltende Kontaktverbot hart ahnden. Gruppen, die sich trotz des Verbots weiter in der Öffentlichkeit treffen, “werden Sanktionen spüren”, sagte Ministerpräsident Armin Laschet. Zur Umsetzung des Kontaktverbots hat die Landesregierung einen Straf- und Bußgeldkatalog veröffentlicht. Zu den Ordnungswidrigkeiten gehören etwa Grillen in der Öffentlichkeit. Dafür werden 250 Euro Bußgeld fällig.

In der chinesischen Provinz Hubei, wo die Pandemie ihren Ursprung hat, sollen dagegen Reisebeschränkungen aufgehoben werden, da sich die Lage dort verbessert hat. Andere Regionen wollen dagegen die Kontrollen verschärfen, da sich die Zahl der Neuinfektionen in China zuletzt auf 78 wieder verdoppelt hat. Davon sind nach Angaben der Behörden 74 aus dem Ausland eingeschleppt. Vorsorge und Kontrollen dürften nicht nachlassen, mahnte die Nationale Gesundheitskommission.

STARKE BESCHLEUNIGUNG DER COVID-19-FÄLLE IN DEN USA

Laut WHO wurden binnen 24 Stunden 85 Prozent der neuen Fälle in Europa und den USA festgestellt. Davon seien 40 Prozent aus den USA. “Wir sehen jetzt eine sehr große Beschleunigung bei den Fällen in den USA”, sagte WHO-Sprecherin Margaret Harris. Beamte in einigen US-Bundesstaaten beklagten einen Mangel an Koordination bei den Vorsorgemaßnahmen. Dass viele Kommunen selbstständig handeln müssten, habe sie in einen Wettbewerb um Lieferungen gebracht. US-Präsident Donald Trump gestand die schwierige Lage ein: “Der Weltmarkt für Atemschutzmasken und Beatmungsgeräte ist verrückt. Wir helfen den Staaten, Ausrüstung zu bekommen, aber es ist nicht einfach”, schrieb er auf Twitter. Bis Montag wurden in den USA 42.000 Infektionen gemeldet, 559 Menschen sind gestorben.

Weltweit liegt die Zahl der Coronavirus-Fälle nach Reuters-Berechnungen bei mehr als 377.000, das Virus hat sich auf 194 Länder und Regionen ausgebreitet und mehr als 16.500 Todesopfer gefordert. Nirgends gibt es mehr Tote als in Italien, das eine sehr alte Bevölkerung hat. Die Sterblichkeitsrate liegt dort bei rund zehn Prozent, während sie sich weltweit bei durchschnittlich 4,3 Prozent bewegt. Die italienische Regierung hat bereits drastische Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie beschlossen wie eine Schließung aller nicht lebensnotwendigen Unternehmen, die Ausgangssperren für die Bevölkerung wurden verlängert. Nun schließen in dem Land nach und nach auch die Tankstellen, wie die Betreiberverbände angekündigten. Es gibt aber auch einen Hoffnungsschimmer, da sich die Zuwächse bei Infektionen und Todesfällen verlangsamt haben.

GESUNDHEITSPERSONAL IN SPANIEN STARK BETROFFEN

In Spanien dagegen spitzt sich die Lage zu: Die Zahl der gestorbenen Menschen stieg zuletzt um 514 an einem Tag, damit sind in dem Land inzwischen 2696 Menschen der Krankheit erlegen, wie das Gesundheitsministerium mitteile. Die Zahl der Infektionen schnellte um fast 6600 auf 39.673 nach oben. Spanien ist nach Italien das europäische Land, das am stärksten von dem Virus in Mitleidenschaft gezogen ist. Besonders betroffen sind auch Ärzte und Pfleger in Krankenhäusern. Inzwischen seien 5400 Mitarbeiter des Gesundheitswesens mit dem Virus infiziert, sagte der Chef des Krisenstabs, Fernando Simon. Ihr Anteil an den Gesamtinfektionen stieg damit auf 14 Prozent.

Nachdem schon zahlreiche Großveranstaltungen und Sportwettbewerbe wie die Fußball-Europameisterschaft wegen der Pandemie abgesagt oder verschoben wurden, zog am Dienstag auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) nach einer langen Hängepartie die Reißleine. Die im Sommer in Tokio geplanten Olympischen Spiele werden erstmals in der 124-jährigen Geschichte verschoben, das weltgrößte Sportereignis soll nun erst im kommenden Jahr in Japan stattfinden. Experten warnten die japanische Bevölkerung unterdessen davor, die Bedrohung durch das Coronavirus auf die leichte Schulter zu nehmen. “Wenn sich die Leute wieder wie sonst verhalten, könnte es eine Explosion der Fallzahlen geben, wie das in den USA und Europa passiert ist”, erklärte der Epidemiologe Hiroshi Nishiura. Gegenwärtig schienen die Bürger keinen Sinn dafür zu haben, mit welcher Krise sie es zu tun hätten und welche Folgen ihr Verhalten habe.

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