March 18, 2012 / 10:33 AM / in 7 years

Angebliche U-Bahn-Attentäter von Minsk hingerichtet

Minsk (Reuters) - Ungeachtet heftiger Proteste aus dem Ausland hat Weißrussland die angeblichen U-Bahn-Attentäter von Minsk hingerichtet.

Die staatliche Nachrichtenagentur Belta meldete am Samstag die Vollstreckung der Todesstrafe an den beiden 25-jährigen Fabrikarbeitern. Wladislaw Kowaljow und Dimitri Konowalow waren im November wegen der Anschläge auf die U-Bahn von Minsk zum Tode verurteilt worden. Bei dem Anschlag wurden im April vorigen Jahres 15 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt.

An der Rechtsstaatlichkeit des Verfahrens gibt es erhebliche Zweifel. Geständnisse sollen unter Folter erpresst worden sein, Kowaljow hatte sein Geständnis vor Gericht widerrufen. Die Todesstrafe wird in der ehemaligen Sowjetrepublik per Genickschuss vollzogen. Weißrussland ist das einzige Land in Europa, in dem es diese Höchststrafe noch gibt.

SCHARFE KRITIK

Die Bundesregierung verurteilte die Hinrichtungen. “Die Todesstrafe ist unter keinen Umständen zu rechtfertigen”, erklärte Kanzleramtsminister Ronald Pofalla. Präsident Alexander Lukaschenko habe alle Appelle von Regierungen, Menschenrechtsorganisationen und Angehörigen ignoriert, die Todesurteile nicht zu vollstrecken. “Lukaschenko entfernt sich damit noch weiter von unseren europäischen Werten.” Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, bezeichnete Lukaschenko als “Diktator ohne Herz und Gnade”. Auch Außenminister Guido Westerwelle verurteilte die Hinrichtungen. EU-Parlamentspräsident Martin Schultz zeigte sich erschüttert. “Die Todesstrafe ist unwiderruflich, unmenschlich und entwürdigend”, sagte der deutsche Sozialdemokrat. Der autokratisch regierende Lukaschenko hatte vor einigen Tagen Gnadengesuche der beiden Männer abgelehnt.

Kowaljow hatte während des Prozesses erklärt, er hätte niemals gegen seinen Freund Konowalow ausgesagt. Er habe sich nur zu einer Aussage bewegen lassen, weil er die Schreie seines Freundes aus einer benachbarten Zelle gehört habe. Die Schwester von Kowaljow, Tatjana Kowaljow, sagte Reuters, sie habe per Brief von der Hinrichtung ihres Bruders erfahren. “Wir haben heute Morgen einen Brief vom Gericht bekommen, in dem stand, dass die Strafe vollstreckt wurde”, sagte sie am Samstag. Der Brief sei auf den 16. März datiert gewesen. “Sie haben alles schnell erledigt.”

Die Hinrichtungen dürften die angespannten Beziehungen Weißrusslands zur Europäischen Union weiter verschärfen. Zwischen Deutschland und Weißrussland gibt es zusätzlich Streit, weil Lukaschenko Westerwelle wegen dessen Homosexualität verunglimpft hatte.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below