April 14, 2008 / 5:07 AM / 11 years ago

Lebensmittel-Preisexplosion stellt Biosprit-Strategie in Frage

Heidemarie Wieczorek-Zeul, German Minister for Economic Cooperation and Development, talks to International Monetary Fund Managing Director Dominique Strauss-Kahn (R) at the beginning of the Development Committee session during the last day of the spring IMF-World Bank meeting in Washington April 13, 2008. REUTERS/Yuri Gripas (UNITED STATES)

Washington (Reuters) - Der drastische Anstieg der Nahrungsmittelpreise droht der Weltbank und zahlreichen Regierungen zufolge, Millionen Menschen in der Welt in Armut und Hunger zurückzuwerfen.

Die deutsche Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul machte bei der Weltbank-Frühjahrstagung in Washington am Sonntag vor allem die forcierte Herstellung von Biokraftstoffen in den reichen Ländern für den Preisanstieg verantwortlich und forderte eine Umkehr. Indiens Finanzminister Palaniappan Chidambaram bemängelte: “In einer Welt, in der es Hunger und Armut gibt, gibt es keine politische Rechtfertigung, Agrarprodukte stärker für Biosprit einzusetzen.” Auch die Weltbank hält die höhere Biosprit-Produktion für eine wichtige Ursache des Problems.

Nach einer Studie der Weltbank ist die Preiserhöhung bei vielen Nahrungsmitteln kein vorübergehendes, kurzfristiges Phänomen. Auch mittelfristig werde sich das fortsetzen, wobei die Ärmsten der Armen in den Entwicklungsländern besonders hart getroffen würden. So erreichte die Steigerung der Weizen-Preise innerhalb von 36 Monaten bis Ende Februar 2008 Raten von bis zu 181 Prozent. Die Preise für landwirtschaftliche Nahrungsmittel insgesamt schnellten weltweit um 83 Prozent hoch. “Die gesteigerte Biosprit-Produktion hat zu diesem Anstieg maßgeblich beigetragen”, hieß es in der Studie. Der Preisanstieg in den USA für Mais zwischen 2004 und 2007 gehe fast alleine auf den höheren Einsatz von Agrarrohstoffen für Biokraftstoff zurück.

Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) Dominique Strauss-Kahn warnte in Washington bereits vor verheerenden Folgen, vor sozialen und politischen Unruhen wegen der steigenden Nahrungsmittelpreise. Wieczorek-Zeul sprach sogar von einer Gefahr für Sicherheit und Frieden in der Welt. In etlichen Entwicklungsländern kam es bereits in den vergangenen Wochen zu Protesten und Ausschreitunen. In Haiti stürzte am Wochenende im Zuge dessen die Regierung.

Indiens Finanzminister Chidambaram forderte die Industrieländer auf, ihre Subventionen für die Nutzung von Agrarrohstoffen im Kraftstoffbereich zu stoppen. “Ein Umsteuern beim Agrarrohstoffeinsatz von Nahrungsmitteln zu Kraftstoff, das ist keine gute Politik, weder für die Armen, noch für die Umwelt”, klagte er. Chinas Vize-Finanzminister Li Yong sagte vor dem Entwicklungsausschuss der Weltbank, der Preisanstieg verursache in den ärmsten und verwundbarsten Ländern dieser Welt unermessliches Leid. Die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung werde mancherorts gefährdet. Erfolge langjähriger Hilfen für die armen Länder würden ausgewischt. Wieczorek-Zeul erklärte, jeder Prozentpunkt, um den die Nahrungsmittelpreise stiegen, bedrohe zusätzlich 16 Millionen Menschen mit Hunger.

Angesichts dessen forderten Vertreter vieler Länder die Weltbank auf, sich stärker um dieses Problem zu kümmern sowie den betroffenen Menschen und Ländern wirkungsvoll zu helfen. Es gelte, die verheerenden Folgen hoher Nahrungsmittel- und Energiepreise abzudämpfen. Li rief die gesamte internationale Gemeinschaft auf, ihre Unterstützung für die Betroffenen zu erhöhen. In den gefährdeten Regionen müsse die Basisversorgung mit Nahrungsmitteln und Energie gesichert werden.

Weltbank-Präsident Robert Zoellick hatte bereits kurz vor dem Frühjahrestreffen von Weltbank und IWF erklärt, es gehe nicht nur um unverzügliche Hilfen. Sondern auch um darum, die Verwundbarkeit vieler Länder gegenüber solchen Bedrohungen zu verringern. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass die Erfolge verstärker Hilfen für die armen Länder der vergangenen Jahre binnen kurzer Zeit zunichtegemacht werden.

Die EU allerdings will ungeachtet der geäußerten Sorgen und Warnungen an ihrem Ziel festhalten, mehr Kraftstoff aus Nutzpflanzen zu gewinnen. Ein Anteil von zehn Prozent am gesamten Kraftstoffverbrauch könnte bis 2020 realisiert werden, wenn wirksame Kriterien festgelegt würden, um die Nahrungsmittelversorgung und die Umwelt nicht zu gefährden, bekräftigten EU-Kommission und Ratspräsidentschaft am Samstag nach einem Umweltministertreffen im slowenischen Brdo.

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