October 9, 2012 / 12:37 PM / 7 years ago

IWF: Weltwirtschaft wird stärker von Krise erfasst

Tokio/Berlin (Reuters) - Trotz der Fortschritte im Kampf gegen die Euro-Krise blickt der IWF mit Skepsis auf die Weltwirtschaft.

A banner of the Annual Meetings of the International Monetary Fund and the World Bank Group is displayed at the Tokyo International Forum in Tokyo October 9, 2012. REUTERS/Toru Hanai (JAPAN - Tags: POLITICS BUSINESS)

Die Gefahr sei keineswegs gebannt, dass die Industrieländer global betrachtet in eine Rezession stürzen könnten, warnte IWF-Chefökonom Olivier Blanchard in dem am Dienstag vorgelegten Wirtschaftsausblick des Internationalen Währungsfonds. “Für die Industrieländer ist das Wachstum nun zu niedrig, als dass es eine spürbare Wirkung auf die Arbeitslosigkeit haben könnte”, heißt es in dem zur Jahreskonferenz des IWF in Tokio veröffentlichten Bericht. Auch die europäische Wachstumslokomotive Deutschland wird demnach ihr Tempo drosseln müssen und dieses sowie nächstes Jahr nur ein mageres Wachstum von 0,9 Prozent einfahren.

Die von einer Jobmisere geplagten USA kommen mit 2,1 Prozent im Jahr 2013 demnach ebenfalls konjunkturell nicht recht in Schwung. Auch für Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien nahm der Fonds die Schätzungen zurück. Das Rezessions-Szenario für die Industriestaaten - das die Volkswirte des IWF bei einem weltweiten Wachstum von weniger als zwei Prozent annehmen - liege für 2013 bei einer Eintrittswahrscheinlichkeit von rund 17 Prozent. Noch im April hatte der Fonds hierfür einen Wert von nur vier Prozent veranschlagt.

WÄHRUNGSZONE IM BANN DER EUROKRISE

Für die Weltwirtschaft erwartet der Fonds nun ein Wachstum von nur noch 3,3 Prozent in diesem Jahr und 3,6 Prozent im nächsten Jahr - eine Revision nach unten um 0,2 beziehungsweise 0,3 Punkte. Die Euro-Zone sieht der Fonds mit einer um 0,4 Prozent schrumpfenden Wirtschaftsleistung noch etwas tiefer in der Rezession als im April erwartet. Und auch 2013 rechnet der IWF für die Währungszone “im Bann der Eurokrise” nur mit einem Mini-Plus von 0,2 Prozent, ein halber Prozentpunkt weniger als vor einem halben Jahr.

VERTRAUEN ANGEKNACKST

Die Politik in den wichtigsten Industrieländern habe es nicht geschafft, Vertrauen in die mittelfristige Entwicklung wiederaufzubauen, mahnte der IWF. Das gelte hinsichtlich der Lebensfähigkeit der Euro-Zone wie auch für die Fähigkeit der USA, von ihrem hohen Schuldenberg wieder herunterzukommen. Besondere Probleme sieht der Fonds auf Spanien zukommen, das als erster Anwärter auf den neu geschaffenen Euro-Rettungschirm ESM gilt: Die Rezession wird demnach nächstes Jahr mit 1,3 Prozent wesentlich schärfer ausfallen als erwartet. Zudem werde das klamme Land seine Defizitziele klar verfehlen. Zugleich werde die Bankenrettung den spanischen Staat teuer zu stehen kommen. Bereits nächstes Jahr könne der Schuldenstand auf mehr als 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anschwellen, warnt der Fonds. Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos betonte umgehend, sein Land werde die von Brüssel festgelegten Defizitziele einhalten. Er respektiere die Prognosen des IWF, die jedoch “nicht in Stein gemeißelt” seien.

Noch düsterer sind nach Ansicht des IWF die Perspektiven Griechenlands: Die Sanierung des Staatshaushalts ist dem Fonds zufolge wegen der tiefen Rezession und der Verzögerungen im Sparprogramm völlig aus dem Ruder geraten. In fünf Jahren werde der Schuldenstand des Landes noch bei 152,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) liegen.

USA MUSS FINANZKLIPPE MEISTERN

Die neue Prognose des Fonds basiert auf zwei wichtigen Annahmen. Erstens, dass die Europäer ihr neues Kriseninstrumentarium, unterstützt von der Europäischen Zentralbank (EZB), schnell umsetzen und wirkungsvoll nutzen. Und zweitens, dass die USA es vermeiden, durch automatische Steuererhöhungen und massive Ausgabenkürzungen zum Jahreswechsel über eine “Finanzklippe” (financial cliff) zu stürzen. Sollte beides nicht gelingen, wäre Prognose wohl Makulatur.

Als die offensichtlich größte Bedrohung der Weltwirtschaft stuft der IWF die Euro-Staatsschuldenkrise ein. Unter anderem müssten die Regierungen nun ihre Schutzschirme flexibler machen. Speziell der neue Euro-Rettungsschirm ESM sollte dabei auch direkt im Bankensystem intervenieren können. Gleichzeitig müssten die Politiker die europäische Integration vorantreiben.

Die Geldpolitik in den Industrieländern unterstützt die Bekämpfung der Krise nach Einschätzung der IWF. Positiv bewertet der Fonds die Ankündigung von Zentralbanken, Anleihen zu kaufen und die Zinsen niedrig zu halten. Der EZB empfiehlt der Fonds, ihren Leitzins von derzeit 0,75 Prozent auf absehbare Zeit niedrig zu halten oder ihn noch weiter zu senken. Das globale Finanzsystem bleibe anfällig, mahnte der Fonds. Zudem trage das Ausgabensparen in vielen Industrieländern dazu bei, die Erholung abzuschwächen. Sollte das Wachstum deutlich unter die IWF-Prognosewerte absacken, so empfiehlt der Fonds den Ländern, die Spielräume dafür zu schaffen, ihre Anpassungsprogramme zu lockern.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below