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Weltnachrichten

Helfern bietet sich Bild des Schreckens auf Haiti

Port-au-Prince (Reuters) - Unzählige Tote und traumatisierte Überlebende, Not und Leid: Den ersten Helfern aus dem Ausland bot sich zwei Tage nach dem verheerenden Erdbeben auf Haiti überall ein Bild des Schreckens.

Das fünfstöckige Hotel Montana in Port-au-Prince liegt nach dem Erdbeben in Trümmern, hier auf diesem UN-Archivbild vom 12. Januar 2010. REUTERS/UN Photo Logan Abassi/Handout

Angesichts des Chaos’ konnten die internationalen Hilfsorganisationen am Donnerstag nur mit großen Schwierigkeit ihre sehnlichst erwartete Arbeit aufnehmen. Teilweise herrschte Anarchie, von Polizei und organisierter Bergungsarbeit war nichts zu sehen. Das nationale Rote Kreuz geht von bis zu 50.000 Toten sowie drei Millionen Verletzten und Obdachlosen aus. In anderen Quellen ist sogar von 100.000 Toten die Rede.

Internationale Hilfsorganisationen bemühten sich mit Hochdruck, die Notleidenden zu erreichen. Dies war angesichts der unübersichtlichen Lage und dem großen Ausmaß an Zerstörung äußerst schwierig. Da auch der Kontrollturm des Flughafens in Port-au-Prince eingestürzt war, konnte die Hauptstadt nur schwer angeflogen werden. Später sorgte die US-Luftwaffe dafür, dass wieder Maschinen landen konnten.

US-Präsident Barack Obama sagte Haiti 100 Millionen Dollar Soforthilfe zu. Die USA stünden Haiti bei und würden dessen Menschen weder vergessen noch aufgeben. Die ersten Rettungsmannschaften hätten ihre Arbeit aufgenommen, weitere Helfer würden in den nächsten Stunden und Tagen folgen. Außerdem wurden Obamas Vorgänger George W. Bush und Bill Clinton zur Unterstützung bei der Koordinierung der Hilfsanstrengungen gewonnen.

Die USA entsandten mehrere Kriegsschiffe nach Haiti. Darunter ist auch der atomgetriebene Flugzeugträger “Carl Vinson”. Er wird am Freitag auf der Inselrepublik erwartet. Zudem sollen 3500 US-Soldaten die Rettungsarbeiten unterstützen.

Zehn Experten des Technischen Hilfsdienstes aus Deutschland sollten am Donnerstagabend nach Haiti aufbrechen. Sie bringen unter anderem Trinkwasseraufbereitungsanlagen in die Region. Das Deutsche Rote Kreuz will am Freitag eine mobile Klinik mitsamt Ärzten und Krankenschwestern in die Region fliegen. In dem Hospital sollen rund 25.000 bis 30.000 Menschen ambulant versorgt werden können. Auch andere Länder schickten Medikamente, Nahrungsmittel und Hilfsgüter sowie Spürhunde und Rettungsgerät. Das UN-Welternährungsprogramm teilte mit, noch Donnerstag würden Flugzeuge mit rund 90 Tonnen Fertignahrung in Haiti erwartet.

MENSCHEN IN PORT-AU-PRINCE WARTEN AUF HILFE

Die Hilfe aus dem Ausland wird dringend benötigt. In Port-au-Prince, das am heftigsten von dem Beben der Stärke 7,0 am Dienstag betroffen war, mussten sich die meisten Menschen zunächst noch selbst helfen. Die bereits vor dem Beben anwesenden Vertreter internationaler Hilfsorganisationen beklagten den Mangel an Medikamenten und Ärzten. Zudem waren ihre Angehörigen oft selbst unter den Opfern.

Mit bloßen Händen oder mit Vorschlaghämmern versuchten die Haitianer, Überlebende aus dem Schutt zu befreien. Aus den Trümmerbergen drangen vielerorts noch Hilferufe. Kinder lagen schluchzend auf der Straße, einige von ihnen verletzt und voller Blut. Überall waren Leichen zu sehen. Der Strom blieb unterbrochen, Wasser war knapp, viele Straßen waren wegen der Trümmer blockiert.

Ein verzweifelter junger Mann schrie Reporter an: “Zu viele Menschen müssen sterben. Wir brauchen internationale Hilfe! Es gibt keinen Rettungsdienst, keine Lebensmittel, kein Wasser, kein Telefon, kein gar nichts!” Von organisierter Arbeit gab es keine Spur. In Teilen der Hauptstadt waren Plünderer unterwegs, die seelenruhig Lebensmittel und elektronisches Gerät aus Läden schleppten. “Alle Polizisten sind damit beschäftigt, ihre Angehörigen zu retten und zu beerdigen. Sie haben keine Zeit zum Streife gehen”, sagte ein Arbeiter.

Bundesaußenminister Gudio Westerwelle wollte nicht ausschließen, dass auch Deutsche unter den Toten sind. Westerwelle sagte bei einem Besuch in Tokio, die ersten Deutschen hätten Haiti mittlerweile verlassen können. Das Auswärtige Amt in Berlin teilte mit, das Gebäude der Deutschen Botschaft in Port-au-Prince habe den Erdstößen standhalten können. Die beiden deutschen Mitarbeiter seien unverletzt.

- von Tom Brown und Andrew Cawthorne -

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