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Weltnachrichten

Liberalen-Chef in zweiter britischer TV-Debatte im Fokus

Bristol (Reuters) - Nach seinem überragenden Abschneiden in der ersten Fernsehdebatte der Spitzenkandidaten der britischen Unterhauswahl richten sich die Augen am Donnerstagabend auf den Chef der Liberaldemokraten, Nick Clegg.

Wird es ihm gelingen, seinen Höhenflug fortzusetzen und erneut als Sieger aus dem Streitgespräch mit Labour-Premierminister Gordon Brown und dem konservativen Oppositionschef David Cameron hervorzugehen? Einige Umfragen sehen die traditionell eher bedeutungslosen Liberaldemokraten derzeit jedenfalls knapp vor den beiden großen Parteien. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit weiter, dass die Wahl am 6. Mai den Briten ein sogenanntes “hung parliament” bescheren könnte - ein Parlament ohne klare Mehrheitsverhältnisse wie zuletzt im Jahr 1974. Insbesondere an den Finanzmärkten wird ein solches Szenario angesichts eines Rekord-Haushaltsdefizits gefürchtet.

Die zweite TV-Debatte in der Hafenstadt Bristol nimmt sich die Außenpolitik vor. Im Fokus stehen Themen wie die Europäische Union, die Präsenz britischer Soldaten in Afghanistan, der Iran und Atomwaffen. Dann muss Clegg auch außenpolitisches Profil beweisen, um seine Gegner erneut in die Schranken zu weisen. Die Liberaldemokraten gelten als die europafreundlichste der drei Parteien und streben auch langfristig eine Einführung des Euro an. Im Iran-Konflikt steht die Partei im Gegensatz zu den Konservativen und Labour Sanktionen kritisch gegenüber und bevorzugt eine diplomatische Lösung.

“In dieser Debatte wird nur eine Sache zählen”, sagt Mark Wickham-Jones von der Universität Bristol. “Kann Clegg den Elan, die Initiative und den Schwung der vergangenen Woche halten und Cameron weiter in der Defensive halten?” Cleggs kometenhafter Aufstieg beherrscht derzeit den Wahlkampf. Bremsen konnten ihn bislang auch nicht kritische Artikel, die viele der britischen Zeitungen, die traditionell die Tories unterstützen, zuletzt veröffentlichten. In einem Bericht des “Daily Telegraph” hieß es etwa, Parteispenden seien direkt auf Cleggs Konto geflossen. Der “Daily Express” geißelte “Cleggs verrückte Einwanderungspolitik”.

Brown, dessen Labor-Partei seit 13 Jahren an der Macht ist, wird politischen Beobachtern zufolge wohl auch bei der zweiten Debatte das Nachsehen haben. Er wird gemeinhin als der Kandidat gesehen, der sich in den Medien am schlechtesten präsentiert. Auftrieb verleihen könnte ihm allerdings seine führende Rolle bei der Bekämpfung der internationalen Finanzkrise.

Auch Cameron hat bei der ersten Debatte nicht glänzen können und kann im Gegensatz zu Brown keine Erfahrung auf dem internationalen politischen Bankett vorweisen. Nun muss er Experten zufolge mit noch Schlimmeren rechen. “Für Cameron ist es ein Desaster”, sagte Wickham-Jones. “Die Wahrscheinlichkeit, dass er es vermasselt, ist groß.”

Selbst in Umfragen, die die Liberaldemokraten nicht auf Platz eins sehen, zeichnet sich ein Trend ab, wonach die etablierten Kräfte an Zuspruch verlieren. So ist die Zustimmung für Labour nach einer am Donnerstag veröffentlichten Reuters-Umfrage zuletzt auf 36 Prozent von 41 Prozent vor zwei Wochen gefallen. Die Konservativen können demnach mit 32 Prozent der Stimmen nach zuvor 38 Prozent rechnen. Die Liberaldemokraten verdoppelten ihr Ergebnis und landeten demnach bei 23 Prozent nach zuvor elf Prozent. Die Eigenheiten des britischen Mehrheits-Wahlsystems lassen es nicht zu, von den Umfrage-Ergebnissen direkt auf die Zusammensetzung des Unterhauses zu schließen.

- von Peter Griffiths -

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