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Weltnachrichten

Iraks Ex-Ministerpräsident - Krieg mit Iran sehr wahrscheinlich

Berlin (Reuters) - Iraks Ex-Ministerpräsident Ijad Allawi sieht kaum Chancen für eine friedliche Lösung des Atomkonflikts mit dem Iran.

Es werde darüber “mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit” zu einem Krieg kommen, sagte Allawi in einem am Samstag vorab veröffentlichten “Spiegel”-Interview. Überall in der Region und auch in Amerika herrsche Angst. “Wir steuern auf eine Lage zu, die beinahe der Kuba-Krise vom Oktober 1962 gleicht. Wie ein riesiges Tuch spannt sich die Angst über uns aus.” Daher müsse die internationale Gemeinschaft der Islamischen Republik klarmachen, dass es in ihrem Sinn sei, nuklear abzurüsten. Er könne sich nicht vorstellen, dass der Irak mit einem atomar bewaffneten Nachbarn Iran leben könne.

Zugleich kritisierte Allawi, einer der Anwärter auf den Posten des Regierungschefs im Irak, das Vorgehen westlicher Länder in der Region. “Die Politik des Westens ist falsch”, sagte er. Die USA, die Nato und die europäischen Staaten müssten ihre Strategie für die gesamte Region, von Zentralasien bis zum Nahen Osten, überdenken. So zeige das Beispiel Afghanistan, dass die Taliban nicht etwa besiegt, sondern ihre Kämpfer und die radikal-islamische Al-Kaida nur stärker geworden seien. “Im Kampf gegen den Terror ist der Gesamtplan falsch.”

Die Zunahme der Gewalt im Irak sei keine zufällige, sondern eine systematische Entwicklung, sagte Allawi. Überall entstünden neue gewalttätige Gruppen. Der Abzug der US-Truppen sei politisch wichtig. Aber es seien keine politischen Grundlagen gelegt und keine irakischen Streitkräfte aufgebaut worden, die “die Verantwortung auch wirklich schultern können”. Der Irak sei zudem “an einem Punkt angekommen, an dem niemand niemandem mehr traut und die Zukunft des Landes sowie die der ganzen Region auf dem Spiel steht”.

Allawis säkulares Bündnis Irakija hatte im März die Parlamentswahl knapp gewonnen, allerdings keine ausreichende Mehrheit für eine Regierungsübernahme erzielt. Seitdem laufen diverse Koalitionsgespräche, die bislang alle jedoch kein Ergebnis brachten. Das dadurch entstandene politische Machtvakuum ist nach Ansicht von Beobachtern einer der Gründe für die angespannte Sicherheitslage im Irak. Viele kritisieren daher den von US-Präsident Barack Obama angeordneten Abzug aller amerikanischen Kampftruppen bis Ende August als verfrüht.

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