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Weltnachrichten

Ex-Bischof erringt in Paraguay historischen Machtwechsel

Paraguayan presidential candidate for the opposition Patriotic Alliance for Change Fernando Lugo (C) addresses supporters beside his running-mate Federico Franco after their election win in Asuncion April 20, 2008. A mild-mannered former Roman Catholic bishop won Paraguay's presidential election on Sunday to end more than 60 years of one-party rule. Lugo had nearly 41 percent support, a lead of 10 percentage points over ruling party candidate Blanca Ovelar, with results in from 88 percent of polling stations, the electoral court said. REUTERS/Enrique Marcarian (PARAGUAY)

Asuncion (Reuters) - Bei der Präsidentenwahl in Paraguay hat der ehemalige katholische Bischof Fernando Lugo einen Sieg errungen und damit die seit mehr als 60 Jahren andauernde Herrschaft der rechtskonservativen Colorado-Partei gebrochen.

Der 56-jährige Lugo kündigte in seiner Siegesrede einen entschiedenen Kampf gegen Korruption und Armut an. Zudem versprach er eine grundlegende Bodenreform. Seine Rivalin Blanca Ovelar aus dem rechten Regierungslager räumte noch am Wahlabend ihre Niederlage ein. Damit setzt sich der Trend in Südamerika zu Mitte-Links-Regierungen fort.

“Ihr habt entschieden, dass Paraguay frei und unabhängig sein wird”, rief Lugo seinen Wählern in der Nacht zum Montag auf einer großen Siegesfeier in der Hauptstadt Asuncion zu. “Wir haben Geschichte geschrieben mit dieser Wahl.” Mit lauten Böllern und bunten Feuerwerkskörpern verwandelten Zehntausende Lugo-Anhänger den Sieg ihres Hoffnungsträgers in eine rauschende Fiesta, die bis tief in die Nacht andauerte.

Nach Auszählung von fast allen Wahlzetteln stimmten etwa 41 Prozent der rund 2,8 Millionen Wahlberechtigten für Lugo, wie die Behörden mitteilten. Abgeschlagen auf dem zweiten Platz landete Olevar mit etwa 31 Prozent. In Paraguay reicht bereits die einfache Mehrheit im ersten Wahlgang für einen Sieg. Abgestimmt wurde zudem über Kongressabgeordnete und Provinzgouverneure. Dutzende internationale Wahlbeobachter begleiteten den Urnengang in dem von Korruption gebeutelten südamerikanischen Land.

Lugo arbeitete für die römisch-katholische Kirche in einer der ärmsten Regionen des Landes, bevor er seinen Bischofsstab vor drei Jahren in den Schrank stellte und seine politische Karriere begann. Als Grund für diesen Schritt nannte der graubärtige Brillenträger vor allem seine zunehmende Ohnmacht als Geistlicher gegenüber den krassen sozialen Ungleichheiten.

Etwa 40 Prozent der Paraguayer leben in bitterer Armut, während eine kleine reiche Elite ein sorgenloses Leben führt. Dazu beigetragen hat auch die rechtskonservative Colorado-Partei, die die die Politik in Paraguay seit 1947 dominiert hat. Die Partei unterstützte die 35 Jahre währende Diktatur von Alfredo Stroessner, bis sie 1989 zu dessen Sturz beitrug.

Lugo übernimmt am 15. August das Präsidentenamt des scheidenden Colorado-Vertreters Nicanor Duarte Frutos. Damit endet die gegenwärtig längste politische Herrschaft einer Partei weltweit.

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