BP-Gewinn sprudelt - Ölkatastrophe wirft Schatten voraus

Dienstag, 27. April 2010, 15:45 Uhr
 

London (Reuters) - Eine Erholung der Öl- und Gaspreise nach der schweren Rezession haben den Gewinn beim Londoner Ölmulti BP zum Jahresauftakt sprudeln lassen.

Der Nettogewinn vor Bestandswertveränderungen kletterte auf 5,6 Milliarden Dollar - nach 2,4 Milliarden vor Jahresfrist. Zwar schnitt BP mit den am Dienstag vorgelegten Zahlen besser ab als erwartet. Seinen Schatten voraus warf aber der rund 5000 Quadratkilometer große Ölteppich im Golf von Mexiko: BP ist Auftraggeber der Plattform und verantwortlich für die Aufräumarbeiten nach der Katastrophe. Auf den Konzern könnten hohe Kosten sowie Klagen zukommen: Anleger drückten ihr Unbehagen aus und verkauften BP-Aktien. Die Titel sanken bis zum frühen Nachmittag um mehr als ein Prozent auf 619 Pence und damit deutlicher als der Branchenindex.

"Die Situation im Golf von Mexiko sieht nun weitaus pessimistischer aus und es zeichnet sich zunehmend ab, dass eher Monate denn Tage vergehen werden bis zu einer Lösung", sagte Dougie Youngson, Ölanalyst bei Arbuthnot. "Letztlich werden die Kosten dem Zeitaufwand entsprechend steigen." Vergangene Woche war die Plattform in Brand geraten und schließlich mit elf Mitarbeitern gesunken. Seitdem hat sich der Ölteppich auf rund 5000 Quadratkilometer ausgeweitet. Er treibt rund 50 Kilometer vor der Küste Louisianas. Täglich treten rund 160.000 Liter Öl aus.

BP SETZT EINKAUFSTOUR FORT

BP profitierte im Quartal von der Konjunkturerholung, die den Ölpreis im ersten Quartal verglichen mit dem Vorjahr um rund 72 Prozent steigen ließ auf durchschnittlich mehr als 76 Dollar pro Barrel (1 Barrel = 159 Liter). Dem Unternehmen gelang es zudem, auch für Gas höhere Preise zu erzielen, obwohl diese im Schnitt in Europa rückläufig waren. Experten erwarten auch für Rivalen wie Royal Dutch Shell gute Zwischenergebnisse. Royal Dutch Shell wollte seine Zahlen am Mittwoch vorlegen.

Vor Sonderposten betrug der Gewinn 5,65 Milliarden Dollar und lag damit deutlich über den Analystenerwartungen von 4,78 Milliarden. Die Öl- und Gasproduktion blieb stabil bei 4,01 Millionen Barrel Öläquivalente pro Tag. BP setzte unterdessen seine Einkaufstour fort: Der Konzern erwarb für knapp eine Milliarde Dollar Minderheitsanteile an den in Norwegen ansässigen Unternehmen Valhall und Hod vom französischen Rivalen Total. Jüngst hatte BP für sieben Milliarden Dollar Vermögenswerte in Brasilien, Aserbeidschan und dem Golf von Mexiko von Devon Energy übernommen.

 
<p>The sign of a British Petroleum petrol station is reflected in raindrops on a car window in Loughborough, central England, February 2, 2010. REUTERS/Darren Staples</p>