Kodak ist Schach matt - Neuanfang bis 2013 geplant

Donnerstag, 19. Januar 2012, 17:33 Uhr
 

New York/Düsseldorf (Reuters) - Der US-Kamerahersteller Eastman Kodak fällt seiner Unfähigkeit zum Opfer, aus eigenen Innovationen wie der Digitalkamera Kapital zu schlagen.

Nach jahrelangem Kampf um sein Überleben meldete der Pionier der Fotografie am Donnerstag Insolvenz an. Im kommenden Jahr will das Traditionsunternehmen einen Neustart wagen, ohne bis dahin die Forderungen der Gläubiger zu erfüllen. Die Citigroup stellt mit einer Kreditlinie von 950 Millionen Dollar den Betrieb mit 17.000 Mitarbeitern vorerst sicher. Nicht betroffen von der Pleite sind den Angaben zufolge die deutsche sowie alle weiteren Konzern-Töchter außerhalb der

USA.

"Der Verwaltungsrat und das gesamte Management halten dies übereinstimmend für einen notwendigen Schritt und richtig für die Zukunft von Kodak", erklärte Konzern-Chef Antonio Perez. Kodak rechnet damit, das Insolvenzverfahren unter Gläubigerschutz bis 2013 hinter sich zu lassen. "Wir freuen uns darauf, uns als schlankes Weltklasseunternehmen für digitale Fotografie und wissenschaftliche Materialen aufzustellen", sagte Perez.

Auf Kodak wartet keine leichte Aufgabe: Die Vermögenswerte lagen per Ende September bei 5,1 Milliarden Dollar, die Verbindlichkeiten bei 6,75 Milliarden Dollar. Als Kronjuwel gelten die rund 1100 Patente - etwa für digitale Bilder. Dieses Know-how kommt Kodak zufolge de facto in fast allen Geräten wie Digitalkameras, Smartphones oder Tablet PCs zum Einsatz. Zudem hat Kodak ein Patent für die Technologie zum Drucken von Bildern entwickelt. Das Unternehmen will nun zumindest für einen Teil der Patente Käufer finden. Wegen seiner vielen Standorte und hohen Zahl an Mitarbeitern hat Kodak immense Fixkosten.

Der Standort Deutschland hat schon einige Umstrukturierungen mit Personalabbau hinter sich. Der Insolvenzantrag in den USA soll für die noch knapp 1000 Mitarbeiter vorerst keine Konsequenzen haben. Die Entscheidung habe "keine direkten Auswirkungen", sagte ein Sprecher von Kodak Deutschland am Hauptsitz in Stuttgart. Mitarbeiter wie auch Kunden müssten nicht befürchten, dass sich etwas ändere. Die Produkte würden weiter vertrieben, Kodak Deutschland werde weiter beliefert, auch die Herstellung von Druckplatten gehe weiter. Die Geschäftsentwicklung sei 2011 im Vergleich zu 2010 positiv gewesen, der deutsche Standort sei der umsatzstärkste von Kodak in Europa.

ERSTE MOND-BILDER STAMMTEN VON KODAK-KAMERA

Kodak versucht schon seit längerem sich zu einem schlagkräftigen Anbieter von Unterhaltungselektronik wie Kameras zu entwickeln - und damit seinen Ursprung als Hersteller von Filmen für die analoge Fotografie hinter sich zu lassen. Doch bislang konnte sich Kodak gegen die mächtige Konkurrenz vor allem aus Asien schlecht durchsetzen. Ähnlich ging es zuletzt auch einer ganzen Reihe von Traditionsmarken in anderen Branchen - vom schwedischen Autobauer Saab über den einstigen Glühbirnenhersteller Osram bis hin zu der in Electrolux aufgegangenen Haushaltsgerätemarke AEG. Gerade auch die Großen der Branche sind betroffen - siehe Philips aus den Niederlanden. Der Elektronikkonzern kündigte unlängst einen massiven Stellenabbau an. Viele dieser Firmen gelten als Vorreiter in ihrer Branche, die aber im internationalen Wettbewerb den Anschluss zu verlieren drohen.

Kodak blickt auf eine mehr als 130-jährige Firmengeschichte zurück: George Eastman, der den ersten Teil des offiziellen Firmennamen beisteuerte, gründete das Unternehmen im Jahr 1880. Nur acht Jahre später brachte die Firma unter dem Namen Kodak die erste Kamera für Endverbraucher auf den Markt und galt seither viele Jahrzehnte als eine Ikone der Fotografie.   Fortsetzung...