Energiewirtschaft gibt trotz milderen Wetters keine Entwarnung

Montag, 13. Februar 2012, 17:15 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Die Stromnetzbetreiber geben trotz steigender Temperaturen keine Entwarnung für die Versorgung in Deutschland.

"Die Lage bei den Netzen ist weiterhin angespannt. Wir hoffen, dass wir die nächsten Tage überstehen ohne großen Stromausfall", sagte ein Sprecher des Netzbetreibers Amprion am Montag. Das Wetter sei zwar wärmer, es gebe aber nicht mehr so viel Sonnenschein, wodurch die Energiegewinnung aus Solarkraft zurückgehe. Der Netzbetreiber Tennet bezeichnete die Situation als sehr angespannt. "Es gibt aber keine Versorgungsengpässe", sagte eine Sprecherin. Wegen der Gaslieferengpässe aus Russland sei aber die Verfügbarkeit deutscher Gaskraftwerke eingeschränkt.

Die beiden größten deutschen Versorger RWE und E.ON teilten mit, weiterhin weniger Gas aus Russland zu erhalten. "Wir haben immer noch eine Minderung", sagte eine Sprecherin von RWE Supply & Trading. Das Unternehmen erhalte vom russischen Gazprom-Konzern rund 20 Prozent weniger Gas als vertraglich vereinbart. In den vergangenen Tagen seien es aber rund 30 Prozent gewesen. Die Versorgung sei gesichert. "Die Gasspeicher sind gut gefüllt." Auch die größte deutsche Ferngasgesellschaft E.ON Ruhrgas erhält weniger Gas aus dem Osten, gibt sich aber gelassen. "E.ON Ruhrgas ist bei den momentanen Lieferkürzungen von Gazprom Export gut gerüstet und kommt seinen vertraglichen Lieferverpflichtungen nach." Die Speicherfüllmenge der deutschen Speicher der E.ON Gas Storage sei für diese Jahreszeit weiter hoch. Gazprom hatte die Lieferkürzungen mit der Kältewelle im Heimatmarkt begründet.

NETZBETREIBER GREIFEN AUF ERSATZKRAFTWERKE ZURÜCK

Wegen eingeschränkten Verfügbarkeit der Gaskraftwerke greift Tennet nach eigenen Angaben vorsorglich auf Reserven des Ersatzkraftwerks Mannheim und in Österreich zurück. Dies sei bereits seit dem 8. Februar mit Unterbrechungen der Fall. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte erklärt, dass beim Gas kein Mengenproblem existiere, sondern ein Engpass im Netz beim Transport vom Norden in den Süden Deutschlands. "Regional scheint es zu Engpässen gekommen zu sein, aber nicht flächendeckend", sagte Wirtschaftsminister Philipp Rösler der

ARD.

Nach dem Aus von acht der 17 deutschen Atomkraftwerke hatte die Bundesnetzagentur eine Reihe älterer konventioneller Kraftwerke als Reserve bestimmt. In der vergangenen Woche hatte auch die Sonnenenergie einen großen Anteil daran, die Versorgung zu sichern. Das Fehlen der Sonnenenergie mache sich bemerkbar, erklärte Amprion. "Auch die eventuelle Zunahme von Winden im Norden macht Sorgen, da es bei höherer Einspeisung von Windstrom zu einer Überlastung der Leitungen kommen könnte." Die Netzagentur verwies darauf, dass die Lage seit dem Aus der AKW ohnehin angespannt sei. "Wir brauchen dringend den Netzausbau, um den aus Wind erzeugten Strom vom Norden in den Süden leiten zu können."