Auch Deutsche Bank kauft auf Druck ARS-Anleihen zurück

Samstag, 23. August 2008, 13:00 Uhr
 

New York (Reuters) - Auch die Deutsche Bank kauft auf Druck der US-Behörden umstrittene Anleihen zurück.

Mit einer Milliarde Dollar ist das Volumen im Vergleich zu anderen Großbanken wie Citigroup, JPMorgan und UBS, denen der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo ebenfalls die betrügerische Vermarktung der Anleihen vom Typ ARS vorgeworfen hatte, aber eher gering. Zudem zahlt die Deutsche Bank eine Geldbuße von 15 Millionen Dollar. "Wir freuen uns, dass die Angelegenheit damit erledigt ist", sagte ein Sprecher des Instituts am Freitag in Frankfurt. Für das Geldhaus bedeutet der Rückkauf die Übernahme weiterer Risikopapiere in die Bilanz und damit die Bindung von Eigenkapital. Der Aktienkurs der Bank stieg am Freitag in einem freundlichen Umfeld dennoch um 1,7 Prozent.

ARS (Auction Rate Securities) sind Anleihen mit langer Laufzeit, deren Zinssatz aber in kurzen Abständen bei Auktionen neu festgesetzt wird. Die Papiere galten lange als kursstabil. Der auf 330 Milliarden Dollar geschätzte ARS-Markt brach aber zusammen, als sich in der Kreditkrise keine Käufer mehr fanden. Cuomo hatte den Banken vorgeworfen, die Anleihen in betrügerischer Weise vermarktet und verkauft zu haben, weil sie den Investoren die Papiere wider besseres Wissen als sicher angepriesen hätten.

Neben der Deutschen Bank akzeptierten Cuomo zufolge jetzt auch die US-Banken Goldman Sachs und Merrill Lynch ähnliche Übereinkünfte. Dabei muss Merrill Anleihen für zehn Milliarden Dollar zurückkaufen und 125 Millionen Dollar Strafe zahlen. Goldman verpflichtete sich zum Rückkauf von 1,5 Milliarden und 22,5 Millionen Dollar Strafe. Die Deutsche Bank zahlt also nur eine vergleichsweise geringe Buße, wobei das Volumen der von ihr verkauften ARS mit einer Milliarde Dollar aber höher war von Finanzexperten gedacht.

Das Institut muss nun in Zeiten Eigenkapital binden, in denen sich Banken weltweit eher von Vermögenswerten trennen, um Kapital für weniger riskantes Neugeschäft freizusetzen. Experten gehen davon aus, dass dadurch zusätzliche Wertberichtigungen drohen könnten.

Zuletzt hatten sich bereits UBS, Citigroup, Wachovia, Morgan Stanley und JPMorgan mit Cuomo geeinigt. UBS kauft ARS für rund 19,4 Milliarden Dollar zurück und zahlt 150 Millionen Dollar Strafe. Bei Wachovia sind es 8,5 Milliarden und 50 Millionen, bei Citigroup 7,3 Milliarden und 100 Millionen, bei Morgan Stanley 4,5 Milliarden und 35 Millionen und bei JPMorgan drei Milliarden und 25 Millionen.

Die US-Behörden wollen noch weitere Banken überprüfen. Andere deutsche Banken wie die Commerzbank oder Hypo Real Estate haben keine Auktionsanleihen verkauft. Ermittlungen gegen andere hiesige Institute werden daher nicht erwartet.

In einem Brief an den regionalen Verband der Anleihehändler hatte Cuomo Brokern eine Mitverantwortung für die Verluste zahlreicher Anleger mit den Papieren vorgeworfen. Dem Verband zufolge wurden rund 60 Milliarden der insgesamt 160 Milliarden Dollar an illiquiden ARS-Anleihen über nachgeordnete Händler verkauft und fallen damit nicht in den Geltungsbereich der Vereinbarungen Cuomos mit den Banken. Der Verband will dennoch die Banken in die Verantwortung dafür nehmen, weil sie Auktionen kontrolliert und Brokern Informationen über den Einbruch des Marktes vorenthalten hätten.