Neuer Informationsanbieter Thomson Reuters gestartet

Donnerstag, 17. April 2008, 18:25 Uhr
 

London (Reuters) - Der Nachrichten- und Finanzdatenanbieter Thomson Reuters hat zu seinem Start ein Aktienrückkaufprogramm angekündigt.

Der kanadisch-britische Konzern, der sich mit dem am Donnerstag vollzogenen Zusammenschluss als weltweite Nummer eins der Branche sieht, will im Jahresverlauf Anteilsscheine im Wert von bis zu 500 Millionen Dollar erwerben.

Dies half den neuen Aktien zunächst nicht: Die Papiere notierten an der Londoner Börse in einem freundlichen Markt bis zum Mittag mit einem Abschlag von rund zehn Prozent bei 1650 Pence. Allerdings hatten sich die Anteilsscheine von Reuters und Thomson seit der Fusionsankündigung vor rund einem Jahr im Zuge der Finanzkrise deutlich besser geschlagen als viele andere Papiere. Die Aktie der verschmolzenen Gesellschaft wird neben London auch an den Börsen New York und Toronto geführt.

Thomson Reuters verkauft seine Nachrichten und Finanzdaten an Banken, Fonds-Gesellschaften, professionelle Investoren, Unternehmen sowie Medien. Zudem bringt Thomson verschiedene Informationsdienste für die Bereiche Recht, Wissenschaft und Gesundheit in den Zusammenschluss ein. Der Gesamtkonzern hofft, mit der nun deutlich breiteren Produktpalette und Kundenbasis den weltweiten Abschwung in der Finanzindustrie leichter abfedern zu können.

Vorstandschef Tom Glocer sagte, der neue Konzern werde weiter mit Informationsdienstleistern wie der nicht an der Börse geführten US-Firma Bloomberg konkurrieren. Als wichtige Wettbewerber sehe er aber inzwischen auch Konzerne wie Google und Microsoft. "Es wird eine handvoll Informations-Marktführer geben", prognostizierte Glocer, der zuvor Chef des 1851 gegründeten britischen Nachrichtenanbieters Reuters war. Thomson Reuters setze im 21. Jahrhundert nicht auf bloße Weitergabe von Nachrichten, sondern wolle seinen Kunden vor allem werthaltige Informationen mit analytischem Tiefgang verkaufen.

Wichtig für den Konzern sei die nun klar erweiterte Produktpalette, die die Abhängigkeit der alten Reuters-Gruppe von der Finanzindustrie reduziere. In den großen Finanzzentren haben weltweit Zehntausende Beschäftigte zuletzt ihren Job verloren. Viele Banken reagieren auf ihre Milliarden-Einbußen aufgrund von Fehlspekulationen mit US-Hypothekenprodukten mit massivem Stellenabbau, der dann zwangsläufig auch Nachrichten- und Datenanbieter wie Reuters trifft.

Mit der Übernahme von Reuters durch die Mediengruppe Thomson, die ihre Anfänge 1934 in Toronto hatte, entsteht ein weltweit führender Anbieter von Finanzdaten und Nachrichten. Die Transaktion hat ein Volumen von umgerechnet gut zehn Milliarden Euro. Der neue Konzern hat knapp 50.000 Beschäftigte und kommt auf einen Jahresumsatz von mehr als acht Milliarden Euro. Der Zusammenschluss der beiden Firmen, die gemeinsam mehr als 40.000 Kunden in 155 Ländern haben, soll Einspareffekte von jährlich 500 Millionen Dollar in den ersten drei Jahren bringen. Zahlen zu einem möglichen Stellenabbau gab das Management noch nicht bekannt.

 
<p>The front of The New York Stock Exchange displays the new Thomson Reuters logo as the stock is traded for the first time in New York April 17, 2008. REUTERS/Brendan McDermid (UNITED STATES)</p>