Italiens Anleihe-Renditen fallen auf Zwei-Jahres-Tief

Donnerstag, 29. November 2012, 18:03 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die erfolgreiche Emission italienischer Staatsanleihen hat am Donnerstag Anleger auch zum Kauf bereits ausgegebener Papiere des Landes ermuntert.

Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Titel fiel daraufhin auf bis zu 4,485 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit Dezember 2010. Vor diesem Hintergrund trennten sich einige Investoren von den als sicher geltenden, aber ertragsschwachen Bundesanleihen. Der Bund-Future verlor elf Ticks auf 142,83 Punkte.

"Die Jagd nach Rendite geht weiter", sagte Commerzbank-Zinsstratege Michael Leister. "Der Markt scheint Griechenland und andere Fragezeichen wie Spanien oder die US-Fiskalklippe beiseite schieben und das Glas als halb voll, nicht als halb leer betrachten zu wollen."

Das Umfeld für italienische und auch spanische Anleihen sei so gut wie seit Ausbruch der Schuldenkrise im April 2010 nicht mehr, sagte Nicholas Spiro, Chef des Anlage-Beraters Spiro Sovereign Strategy. Die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), den Rentenmarkt unter bestimmten Bedingungen mit Anleihe-Käufen zu stützen, habe für die Trendwende gesorgt. "Zumindest, was die Stimmung angeht", betonte er. "Eine Auktion zehnjähriger italienischer Anleihen zu 4,45 Prozent wäre vor einem Jahr fast unvorstellbar gewesen."

Italien verkaufte fünf- und zehnjährige Titel im Gesamtvolumen von rund sechs Milliarden Euro. Bei Letzterer lag die Rendite mit 4,45 Prozent auf den niedrigsten Niveau seit zwei Jahren.

KÖNNEN DIE USA DIE "FISKALKLIPPE" UMFAHREN?

Am Devisenmarkt sorgten neben der Anleihe-Auktion auch die Hoffnungen auf eine Einigung im US-Haushaltsstreit für positive Stimmung. Präsident Barack Obama und der republikanische Präsident des Repräsentantenhauses, John Boehner, hatten zuvor entsprechende Signale ausgesendet. Der Euro flirtete daraufhin mit der psychologisch wichtigen Marke von 1,30 Dollar und lag damit rund einen halben US-Cent über dem Niveau des New Yorker Vortagesschlusses.

In den USA laufen zum Jahreswechsel Steuererleichterungen aus und stehen automatische Ausgabekürzungen an, sofern sich Präsident und Kongress nicht auf einen neuen Haushalt einigen. Nach Ansicht der Experten könnte die weltgrößte Volkswirtschaft über diese sogenannte "Fiskalklippe" in eine Rezession stürzen.