Chinas Exporte schwächeln - Aber Einzelhandel brummt

Montag, 10. Dezember 2012, 16:41 Uhr
 

Peking (Reuters) - Exportweltmeister China macht die Rezession in der Euro-Zone zu schaffen.

Die Ausfuhren stiegen im November lediglich um 2,9 Prozent zum Vorjahresmonat, teilte das Statistikamt am Montag in Peking mit. Ökonomen hatten ein Plus von 9,0 Prozent erwartet, nachdem es im September noch ein Wachstum von 11,6 Prozent gegeben hatte. Bremsspuren hinterließ vor allem das Europa-Geschäft, das um fast ein Fünftel einbrach. Dagegen stiegen der Umsatz im Einzelhandel und die Industrieproduktion jeweils so kräftig wie seit März nicht mehr. Experten gehen deshalb davon aus, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt im vierten Quartal erstmals seit zwei Jahren wieder an Schwung gewinnt.

"Die Konjunktur dürfte sich am Jahresende deutlich beleben", sagte Ökonom Zhang Zhiwei vom Bankhaus Nomura. "Das Wachstum wird dann vor allem von der Binnennachfrage getrieben." So legte der Einzelhandelsumsatz im November um 14,9 Prozent zu. Die Industrie fuhr ihre Produktion trotz des schwächelnden Auslandsabsatzes um 10,1 Prozent nach oben, was ebenfalls für eine starke Nachfrage aus dem Inland spricht. Im dritten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt mit 7,4 Prozent so langsam wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Damit kühlte sich die Konjunktur das siebte Quartal in Folge ab.

EINE MILLIARDE SMARTPHONES

Vom Außenhandel dürften am Jahresende keine größeren Impulse kommen. Seit Jahresbeginn zogen die Exporte lediglich um 5,8 Prozent an. Das ist weit unter dem von der Regierung gesetzten Ziel von zehn Prozent. Ein Grund dafür ist die Schuldenkrise in Europa, dem wichtigsten Absatzmarkt. Im November brachen die Exporte in die Europäische Union um 18 Prozent ein. Grund dafür ist die Rezession in der Euro-Zone. Auch die Geschäfte mit den USA liefen nicht so gut wie erwartet, weil die Unternehmen dort angesichts der drohenden Fiskalklippe weniger investieren. Einigen sich Regierung und Kongress nicht bis Jahresende nicht auf einen Haushalt, drohen automatisch massive Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen, die die USA in eine Rezession drücken könnten.

Belastet wurden Chinas Exporte aber auch durch das nahende Ende des Weihnachtsgeschäftes. Die Sonderauslieferungen von Smartphones wie dem iPhone 5 von Apple endeten bereits im November, damit die Handys rechtzeitig die Geschäfte in Europa und den USA erreichen. China wird in diesem Jahr rund eine Milliarde Smartphones ausliefern.

2013 WIRD MEHR WACHSTUM ERWARTET

Die Importe stagnierten im November im Jahresvergleich. Experten hatten hier mit einem Plus von 2,0 Prozent gerechnet. In Oktober hatten die Einfuhren noch um 2,4 Prozent zugelegt. Chinas Wirtschaft wird nach Prognose von Regierungsberatern im kommenden Jahr wieder Fahrt aufnehmen. Das Bruttoinlandsprodukt werde um 8,2 Prozent wachsen, sagt Akademie für Sozialwissenschaften voraus. Für dieses Jahr werden 7,7 Prozent erwartet.

 
A worker walks in a shipping container area at the Port of Shanghai November 13, 2012.REUTER/Aly Song (CHINA - Tags: MARITIME BUSINESS POLITICS)