BaFin - Große Versicherer müssen Sanierungspläne entwickeln

Mittwoch, 23. Januar 2013, 09:07 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Nach den großen Banken werden wohl auch international tätige deutsche Versicherer Notfallpläne für eine existenzbedrohende Krise vorlegen.

"Auch die BaFin prüft derzeit, ob Versicherer Sanierungspläne entwickeln sollen und welche Mindestanforderungen daran zu stellen wären", kündigte die Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungaufsicht (BaFin), Elke König, am Dienstagabend in Frankfurt an. Wie bei den Banken gehe es vorrangig um große, international tätige Konzerne. Die Sanierungspläne sollen dafür sorgen, dass sie in einer Krise nicht umkippen und im Zweifelsfall dem Steuerzahler zur Last fallen.

Die Versicherer hatten lange reklamiert, dass sie andere Risiken trügen als Banken und daher nicht systemrelevant seien, also nicht vom Staat gerettet würden. Sie agieren aber auch als große Geldanleger, so dass auch ihr Zusammenbruch Verwerfungen im Finanzsystem anrichten könnte.

König sprach sich dagegen aus, großen Versicherern - ähnlich wie Banken - eine größere Kapitaldecke abzuverlangen. "Gezielte Maßnahmen sind die bessere Wahl - und die müssen sich nicht nur aufs Kapital beziehen", sagte die BaFin-Präsidentin, die selbst aus der Versicherungsbranche kommt.

NIEDRIGZINSEN MACHEN AUCH BAUSPARKASSEN KOPFZERBRECHEN

Die Einführung neuer Kapitalvorschriften ("Solvency II") für die Versicherer in Europa war zuletzt ins Stocken geraten - unter anderem, weil sie in den Augen der deutschen Versicherer deren langjährige Garantien für Lebensversicherungen gefährden würden. Nun sollen die Auswirkungen in einer breit angelegten Studie noch einmal geprüft werden. Dadurch wird sich Solvency II noch einmal verzögern, anvisiert ist ein Start Anfang 2016. "Ich meine, der Zeitpunkt sollte vor allem eines sein: realistisch. Das spricht eher für den Start zum 1. Januar 2017", sagte König.

Alternativen zu den Langfrist-Garantien müssten die Konzerne nach ihrer Ansicht dennoch entwickeln - um sich auf eine lange Phase niedriger Zinsen einzustellen. "Das niedrige Zinsniveau mag uns noch viele Jahre begleiten. Die Versicherer müssen sich darauf einstellen und bei der Produktgestaltung neue Wege gehen", sagte sie. Die Niedrigzinsen belasteten aber auch die Bausparkassen. Deren Kunden kassieren zwar die teilweise schon vor Jahrzehnten vereinbarten hohen Sparzinsen, holen sich den Baukredit aber zu günstigeren Konditionen anderswo. "Bleiben die Marktzinsen dauerhaft so niedrig wie derzeit, wird die Branche gegensteuern und das Zinsniveau in neuen Tarifen noch weiter senken müssen", forderte die BaFin-Chefin.