EZB-Chef Trichet - Der Zinssatz stimmt

Mittwoch, 26. März 2008, 19:10 Uhr
 

Brüssel/Paris (Reuters) - Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht nach Worten ihres Präsidenten Jean-Claude Trichet derzeit keinen Grund für eine Zinsänderung.

"Wir glauben, dass das gegenwärtige Zinsniveau das richtige ist", sagte Trichet dem französischen Magazin "Capital" vom Mittwoch auf die Frage nach einer möglichen Zinssenkung. Derzeit würde die EZB alles nötige für das korrekte Funktionieren des Finanzmarktes und zur Stärkung des Vertrauens tun.

Die EZB sieht weiter die Gefahr steigender Preise in der Euro-Zone und vorerst kein Ende der Finanzmarktturbulenzen. Die Phase hoher Inflation werde länger dauern als ursprünglich erwartet, sagte der EZB-Präsident vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments in Brüssel. Für die EZB sei nun entscheidend, eine Lohn-Preis-Spirale zu verhindern. Um die Glaubwürdigkeit zu sichern, sei es wichtig, angemessene Leitzinsen nur an der Preisstabilität zu orientieren. Die Unsicherheit für die Konjunktur sei außergewöhnlich hoch, betonte Trichet.

Die Lebenshaltungskosten in der Euro-Zone steigen seit Monaten deutlich stärker als von der Zentralbank gewünscht. Sie sieht stabile Preise bei einer Teuerung von knapp unter zwei Prozent gewährleistet. Diese liegt derzeit aber auf dem Rekordwert von 3,3 Prozent. Auf die Frage, ob die EZB erwäge, ihre Definition von Preisstabilität zu ändern, sagte Trichet: "Absolut nicht." Dies würde nur die Turbulenzen an den Finanzmärkten verstärken.

Wann das Ärgste der Kreditkrise vorbei sei, sei noch nicht vorhersehbar. "Ich würde nicht sagen, dass das Schlimmste schon hinter uns liegt. Ich würde nichts sagen, aber es ist eine anhaltende, sehr deutliche Marktkorrektur", betonte Trichet.

EZB BESORGT ÜBER STARKE WÄHRUNGSSCHWANKUNGEN

Trichet zeigte sich zudem erneut besorgt über starke Wechselkursschwankungen, die nicht wünschenswert für das Wirtschaftswachstum sei. Der EZB-Präsident bekräftigte, dass er mit großer Aufmerksamkeit das Interesse der USA an einem starken Dollar zur Kenntnis genommen habe. Der Euro hatte im März das Rekordhoch von rund 1,59 Dollar erreicht und pendelte gegen Abend bei etwa 1,577 Dollar. Der starke Euro verschärft nach Ansicht der EU-Kommission den Gegenwind für die Wirtschaft. Wie Reuters aus Kreisen erfuhr, wird die Behörde ihre Wachstumsprognose für die Euro-Zone 2008 von 1,8 Prozent voraussichtlich senken, allerdings nicht unter 1,5 Prozent.

Ein Grund für den Sinkflug des Dollar dürfte sein, dass der Euro für Anleger immer attraktiver wird. Denn der Leitzins der EZB liegt seit Mitte 2007 bei vier Prozent, während die US-Notenbank Fed seit der Finanzkrise ihre Geldpolitik deutlich gelockert und den Leitzins auf 2,25 Prozent gesenkt hat.