Unicef fordert verstärkten Kampf gegen Kinderpornografie

Dienstag, 10. Juni 2008, 17:13 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Unicef und die Kinderschutzorganisation Ecpat rufen zu einem verstärkten Kampf gegen sexuelle Ausbeutung von Minderjährigen auf.

"Kinderpornografie und Kinderhandel haben sich zu riesigen Märkten mit enormen Gewinnspannen entwickelt", sagte die Vize-Direktorin des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen Unicef, Hilde Johnson, am Dienstag in Berlin. Daher sei es von zentraler Bedeutung, dass die grenzüberschreitende Zusammenarbeit gegen kriminelle internationale Netzwerke verstärkt werde.

Nach UN-Schätzungen werden weltweit 1,8 Millionen Kinder zu Prostitution und Pornografie gezwungen. Jährlich fielen 1,2 Millionen Jungen und Mädchen Menschenhändlern zum Opfer. Anlass der Appelle ist der dritte Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen im November in Rio de Janeiro.

Unicef und Ecpat - eine weltweite Arbeitsgemeinschaft zum Schutz von Kindern gegen sexuelle Ausbeutung - forderten die Bundesregierung auf, eine hochrangige Delegation zu dem Treffen zu schicken, die von einem Minister angeführt werden sollte. Außerdem sollte Deutschland das Zusatzprotokoll der Kinderrechtskonvention zu Kinderhandel und Kinderprostitution ratifizieren. Bislang gibt es nach Unicef-Angaben unter anderem Vorbehalte wegen des Alters der zu schützenden Jugendlichen.

"Das Internet ist eine zunehmende Gefahr auch für Kinder in Deutschland", sagte die Ecpat-Geschäftsführerin in Deutschland, Mechtild Maurer. Zehntausende Konsumenten von Kinderpornografie heizten die Nachfrage an. Nach Ecpat-Schätzungen wird allein in den USA mit Kinderprostitution und Kinderpornografie ein Umsatz von zwölf Milliarden Dollar pro Jahr gemacht.

Der Vorsitzende von Unicef Deutschland, Jürgen Heraeus, forderte Internet-Provider auf, von sich aus Seiten mit Kinderpornografie zu sperren. Die Unicef-Vertreter verteilten eine Studie, nach der 38 Prozent der deutschen Jugendlichen in Chatrooms im Internet gegen ihren Willen nach sexuelle Dingen gefragt worden sind. Mehr als jeder zehnte habe unaufgefordert Nacktfotos zugesandt bekommen, acht Prozent seien zu sexuellen Handlungen vor einer Webcam aufgefordert worden. Besonders gefährlich sei, dass ein Drittel der Jugendlichen ihre Chatpartner auch tatsächlich treffe.