Italien und Spanien bereiten Euro-Anlegern wieder Sorge

Montag, 4. Februar 2013, 12:26 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Wochenlang schien die Euro-Krise an den Finanzmärkten fast in Vergessenheit geraten, doch am Montag machten sich wieder Sorgen um die Stabilität Spaniens und Italiens breit.

Der Euro entfernte sich von seinen zuletzt erreichten Höchstständen, die Renditen der Peripherie-Länder zogen an. "Innerhalb der Währungsgemeinschaft haben wir mit der Wahl in Italien und den Korruptionsvorwürfen um Spaniens Ministerpräsident Rajoy bereits ganz kurzfristig wichtige Stolpersteine im Weg", schrieben die Analysten der Metzler Bank in einem Kommentar.

Rajoy wird vorgeworfen, jahrelang Zahlungen aus Schmiergeldkassen bekommen zu haben. Der Chef der oppositionellen Sozialisten, Alfredo Perez Rubalcaba, rief Rajoy zum Rücktritt auf. In Italien wird die Affäre um die Traditionsbank Monte Paschi zunehmend zu einem Spielball der Innenpolitik. Anleger fürchten, dass die Affäre dem vom ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi geführten Mitte-Rechts-Bündnis Auftrieb gibt. Ende des Monats soll gewählt werden.

EURO FÄLLT WIEDER UNTER 1,36 DOLLAR

Die Gemeinschaftswährung fiel zeitweise auf 1,3574 Dollar zurück, nachdem sie am Freitag noch bei 1,3711 Dollar notiert hatte. Die Renditen der zehnjährigen spanischen und italienischen Renditen zogen auf 5,350 und 4,513 Prozent an. Zu Wochenschluss hatten sie jeweils bei 5,215 und 4,330 Prozent gelegen. Auch am Aktienmarkt wagten die Investoren keine großen Sprünge. Der Leitindex notierte nahezu unverändert bei 7827 Zählern.

Zusätzlich belastet wurde die Stimmung von den weiter steigenden Arbeitslosenzahlen in Spanien: 4,98 Millionen waren dort im Januar ohne Job - im Vergleich zum Dezember sind das gut 132.000 Menschen mehr. Die Probleme vieler Peripherie-Ländern seien zuletzt ignoriert worden, sagte ein Händler. "Aber es war absehbar, dass das nicht lange gut gehen würde."

AUSSICHT AUF EINIGUNG IM TARIFSTREIT STÜTZT VERSORGER

Unter den Einzelwerten stachen am deutschen Aktienmarkt besonders RWE und E.ON hervor. Die Anleger setzten darauf, dass der Tarifstreit bei den Versorgern nun doch ohne Streik gelöst werden kann. Bei E.ON wurden die für Montag angekündigten Arbeitsniederlegungen abgesagt, bei RWE signalisierten Unternehmensleitung und Gewerkschaften ebenfalls Gesprächsbereitschaft. Die Aktien legten jeweils um mehr als zwei Prozent zu und gehörten damit zu den größten Gewinnern im Dax.

Auf der Verliererseite standen die Titel der Deutschen Post, die nach einer Herunterstufung durch die HSBC 1,7 Prozent nachgaben.

International mussten Vodafone Kursabschläge hinnehmen. Gewinnmitnahmen machten den Aktien des britischen Mobilfunkriesens nach einer Abstufung der Citigroup zu schaffen. Die Analysten hatten die Titel auf "Neutral" von "Buy" gesetzt, sie gaben bis zu 2,3 Prozent nach.