Auch nach Hilfspaket Ungewissheit an US-Börsen

Montag, 22. September 2008, 07:18 Uhr
 

New York (Reuters) - Der US-Regierungsplan zum Aufkauf Hunderter Milliarden Dollar an faulen Kredite mag zum Ende einer Krisenwoche die Stimmung an den Aktienmärkten gehoben haben.

Kaum ein Marktteilnehmer würde sich aber darauf festlegen wollen, dass dieser Effekt in der kommenden Woche für einen nachhaltigen Aufschwung an den US-Börsen ausreicht. Details des Rettungsplans, sein Umfang und seine Wirksamkeit dürften das Geschehen an der Wall Street in den kommenden Tagen bestimmen.

Die Regierung hatte am Freitag angekündigt, Problemanleihen vor allem aus dem kollabierten Hypothekenmarkt aufzukaufen, um die Bilanzen der Banken zu entlasten. Außerdem kündigte sie die Schaffung einer Einlagensicherung für Geldmarktfonds an, während die Aufsichtsbehörden gegen Leerverkäufe vorgingen. Am Samstag wurde das Volumen des Hilfspakets mit 700 Milliarden Dollar beziffert.

Dem Dow-Jones-Index verhalfen die Maßnahmen am Freitag zu Gewinnen von 3,4 Prozent auf 11.388 Punkte. Der S&P-500 legte vier Prozent auf 1255 Zähler zu, die Nqsdaq 3,4 Prozent auf 2273 Punkte. Schon am Donnerstag hatte der Dow 3,9 Prozent zugelegt. Im Wochenverlauf verlor er damit nur noch 0,3 Prozent, der S&P gewann 0,1 und die Nasdaq 0,6 Prozent.

Nach der euphorischen ersten Reaktion der Märkte wurden am Wochenende skeptischere Stimmen lauter. "Unter dem Strich befasst sich das Programm nicht mit der Entstehung des ganzen Problems, das vom Immobilienmarkt kommt", sagte Chef-Marktstratege Bill Strazzullo von Bell Curve Trading. "Es behandelt die Symptome, nicht das zugrundeliegende Problem. Die Hauspreise werden weiter sinken, und das bedeutet weitere faule Kredite, weitere Abschreibungen, weiteren Druck auf die Bankbilanzen."

Offen ist, ob sich die Märkte auf dem am Freitag erreichten Niveau halten können. "Schon dass die Erholung explizit durch die Aussicht auf ein dramatisches und weitreichendes Eingreifen der Regierung ausgelöst wurde, sollte Grund zu Pessimismus sein", sagte Michael Panzner, Autor eines Buches über die Risiken der Finanzmärkte. "Die Geschichte lehrt, dass die Wirkung solcher Bemühungen meist relativ kurzfristig ist."

Experten rechnen damit, dass viele Marktteilnehmer sich vorerst scheuen werden, selbst minimale Risiken einzugehen. Die Maßnahmen der Regierung könnten diesen Effekt sogar noch verstärken. "Nun, da die Leute wissen, dass Geldmarktfonds sicher sind, stecken sie ihr Geld vielleicht einfach dort hinein. Vielleicht sehen sie gar keine Notwendigkeit, es im Aktienmarkt anzulegen", sagte Ray Rund von Shaker Investments.

Konjunkturdaten dürften in den kommenden Tagen gegenüber der Aufmerksamkeit für die Regierungspläne eher in den Hintergrund geraten, sagte Chef-Anlagestratege John Praveen von Prudential International Investments Advisers. Entscheidend werde dagegen sein, wie der Kongress die Pläne aufnehme. Entlastung könne es den Märkten auch bringen, wenn sich ein Käufer für die angeschlagene größte US-Sparkasse Washington Mutual finde oder es Fortschritte bei den Fusionsgesprächen zwischen Morgan Stanley und Wachovia gebe.