Gaza-Stadt im Bombenhagel - Ringen um Waffenstillstand

Donnerstag, 15. Januar 2009, 18:26 Uhr
 

Gaza/Tel Aviv (Reuters) - Die Stadt Gaza hat am Donnerstag den schwersten Angriffe seit Beginn des Krieges vor drei Wochen erlebt.

Die israelischen Truppen intensivierten ihre Offensive gegen die radikal-islamische Hamas noch einmal und beschossen dabei auch ein UN-Quartier, ein Gebäude mit Journalistenbüros sowie nach palästinensischen Angaben ein Krankenhaus.

Politiker aus mehreren Ländern bemühten sich angesichts des Leids der Zivilbevölkerung verstärkt um eine Waffenruhe, darunter auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Der deutsche Vizekanzler war zuversichtlicher in seine zweite Nahost-Reise innerhalb weniger Tage gestartet, klang am Donnerstagnachmittag aber wieder etwas pessimistischer. "Seien wir gemeinsam der Hoffnung, dass es bald Nachrichten gibt, die den Weg zum Waffenstillstand öffnen", sagte er vor der Weiterreise nach Ägypten.

Die Armee beschoss Gaza mit Panzern und Artillerie. In der eingekesselten Stadt zeugte Maschinengewehrfeuer von anhaltenden und heftigen Kämpfen zwischen israelischen Soldaten und militanten Palästinensern. Bei dem Bombardement wurde zweimal auch das Gelände der Hilfsorganisation der Vereinten Nationen in Gaza (UNRWA) getroffen, in dem bis zu 700 Palästinenser Schutz gesucht hatten. Drei Mitarbeiter seien verletzt worden, teilte das UNRWA mit. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Angriff wie auch EU-Entwicklungshilfekommissar Louis Michel. Israels Ministerpräsident Ehud Olmert entschuldigte sich bei dem UN-Chef persönlich, betonte aber zugleich, dass die israelischen Soldaten aus dem Gebäudekomplex heraus von Palästinensern beschossen worden seien. Außenministerin Zipi Livni verwies darauf, dass die Hamas Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbrauche.

"Das sind Angriffe, militärische Operationen, die nicht akzeptabel sind", kritisierte gleichwohl Steinmeier in Ramallah im Westjordanland. "Die Berichte, die wir hier hören, sind erschreckend." Wie Ban verwies er auf die immer dramatischere Lage der Bevölkerung im Gazastreifen.

JOURNALISTEN IM VISIER

Ins Visier der Kriegsparteien geriet auch ein Hochhaus, in dem sich mehrere Pressebüros befanden, darunter die der Nachrichtenagentur Reuters. Der Fernsehsender "Abu Dhabi TV" berichtete, eine israelische Rakete sei in das Gebäude gefeuert worden. Zwei Journalisten eines TV-Senders wurden nach Angaben von Kollegen verletzt, offenbar aber nicht lebensbedrohlich. Der israelischen Armee waren die Koordinaten des Pressegebäude bekannt. Eine Armeesprecherin kündigte eine Überprüfung des Vorfalls an.

Die Zahl der getöteten Bewohner des Gazastreifens kletterte am Donnerstag nach palästinensischen Angaben auf mindestens 1073. Mindestens zwei Drittel davon sollen Zivilisten sein. 13 Israelis wurden getötet. Drei davon starben durch Raketen, die die Hamas aus dem Gazastreifen nach Israel schoss.

Der intensive Beschuss Gazas könnte nach Ansicht von Diplomaten auf ein baldiges Ende der Kämpfe hindeuten. Israel versuche offenbar, militärisch noch möglichst viel zu erreichen, bevor ein Waffenstillstand vereinbart werde. Dies sei eine klassische israelische Strategie, sagte ein Diplomat.

Steinmeier, der in Israel Präsident Schimon Peres, Ministerpräsident Ehud Olmert, Verteidigungsminister Ehud Barak und seine Kollegin Zipi Livni traf, sagte, ein Waffenstillstand sei nur zu erreichen, wenn größere Sicherheit für Israel garantiert werde: "Der Zustand, den wir vor Ausbruch des Konfliktes hatten, darf nicht derselbe sein, sonst würde der Waffenstillstand auch nicht dauerhaft sein."

In Ägypten gingen unterdessen die Bemühungen um einen Waffenstillstand weiter. Zu Gesprächen mit der ägyptischen Regierung traf ein Unterhändler des israelischen Verteidigungsministeriums ein. Diplomaten sagten, dass es noch Uneinigkeiten gäbe.

 
<p>A convoy of Israeli tanks moves towards the border as smoke rises from across the border in the northern Gaza Strip January 15, 2009. Israeli forces pushed deeper into the city of Gaza and pounded densely populated neighbourhoods with artillery and tank shells on Thursday, stepping up pressure on Hamas as the warring sides weighed a ceasefire proposal. REUTERS/Yannis Behrakis (ISRAEL)</p>