Zeitung: EU will allen Banken Wertpapier-Entsorgung ermöglichen

Dienstag, 24. Februar 2009, 11:04 Uhr
 

Brüssel (Reuters) - Die EU will einem Zeitungsbericht zufolge alle hilfesuchenden Banken die Auslagerung fauler Wertpapiere ermöglichen.

Die neuen Leitlinien sollten "für alle Banken gelten, die staatliche Unterstützung in Anspruch nehmen, unabhängig von der individuellen Ausgangslage", zitierte die "Börsen-Zeitung" (Dienstagausgabe) aus dem Entwurf der EU-Kommission, der den Staats- und Regierungschefs bei ihrem informellen Treffen am Sonntag vorgelegt werden soll. Damit kommt die Kommission einer Forderung von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück entgegen. Zunächst wollte Brüssel die Entsorgung toxischer Wertpapiere mit staatlicher Hilfe nur den Banken zugestehen, die kurz vor der Pleite stehen.

Wie die Zeitung weiter berichtet, müssen Banken ihre Risikopapiere vollständig offenlegen, bevor diese an eine Bad Bank übertragen werden können. Die EU-Staaten sollen den Banken ein Zeitfenster von sechs Monaten dafür ermöglichen. Wer mit staatlicher Hilfe seine Bilanzen bereinigen will, muss demnach mindestens 50 Prozent des Verlustes selbst tragen. Die Bewertung der Wertpapiere sollte möglichst EU-weit einheitlichen Regeln folgen. Für Finanztitel, die noch gehandelt werden, würde nach dem Entwurf der Marktwert angesetzt. Im Fall illiquider Märkte solle eine Langfristwert auf Basis des Cash-Flows, der so genannte reale ökonomische Wert, herangezogen werden. Die EU-Länder könnten allerdings auch nationale Bewertungsmethoden nutzen, die die EU-Kommission dann überprüfen würde.

Faule Wertpapiere auf Basis von US-Hypotheken sind die Ursache der globalen Finanzkrise. Sie zwingen die Banken zu immer höheren Abschreibungen und verhindern eine Entspannung des Kreditgeschäfts. In der Diskussion ist deshalb, die Wertpapiere mit staatlicher Finanzhilfe in Auffang-Banken, sogenannte Bad Banks, auszulagern. Alternativ dazu könnte der Staat eine Garantie gegen den Verlust der Finanztitel abgeben.