Auf Krisenbank IKB rollt erneut Milliardenklage zu

Dienstag, 25. August 2009, 15:54 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der in großem Stil mit Staatsgeldern gestützten Mittelstandsbank IKB droht eine Schadensersatzzahlung in Milliardenhöhe.

Die französische Bank Calyon habe beim Obersten Gericht in London (High Court) eine Schadensersatzklage von mehr als 1,675 Milliarden Dollar gegen die IKB eingereicht, teilte die IKB am Dienstag mit. Sollten die Franzosen damit Erfolg haben, müsste am Ende der deutsche Staat dafür aufkommen: Die bundeseigene Förderbank KfW vereinbarte beim Verkauf der IKB an den US-Investor Lone Star, für Klagerisiken im Zusammenhang mit früheren Anlagegesellschaften der IKB geradezustehen.

Hintergrund der Klage von Calyon ist der Rechtsstreit mit dem US-Versicherer Financial Guaranty Insurance Company (FGIC). FGIC hatte im März 2008 gegen die IKB und Calyon Klage bei einem Gericht in New York eingereicht, um von Verpflichtungen über 1,875 Milliarden Dollar gegenüber einem Finanzvehikel der IKB befreit zu werden. Die IKB hatte die Vorwürfe für unbegründet gehalten. Ende 2008 wiesen die Richter die FGIC-Klage ab, wie aus dem Geschäftsbericht 2008/09 der IKB hervorgeht. Offenbar versucht nun Calyon Ansprüche gegenüber der IKB geltend zu machen.

Die IKB erklärte, die Klagebegründung nun zu prüfen. "Sollten sich Risiken aus den aktuell geltend gemachten Ansprüchen ergeben, geht die IKB davon aus, dass diese keine wesentlichen Auswirkungen auf das wirtschaftliche Ergebnis der IKB haben werden." Von Calyon war keine Stellungnahme zu bekommen. Auch die KfW äußerte sich nicht.

Die Düsseldorfer Mittelstandsbank hatte sich in großem Stil mit US-Ramschhypotheken verspekuliert und wurde dadurch als erstes deutsches Bankhaus im Juli 2007 tief in den Strudel der Finanzkrise gerissen. Sie konnte nur mit Milliardenhilfen ihrer damaligen Eigentümerin KfW und des Bundes gerettet werden. Im Herbst 2008 hatte Lone Star die IKB für rund 150 Millionen Euro übernommen. Im ersten Quartal ihres Geschäftsjahres 2009/10 fuhr die IKB unter anderem dank der Markterholung einen Minigewinn von 19,4 Millionen Euro ein. Sie warnte aber vor neuen Risiken in Folge der Wirtschaftskrise.

Mit Blick auf die Hauptversammlung der IKB am Donnerstag kämpfen Aktionärsschützer erneut für eine Sonderprüfung bei der IKB. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) stellte beim Amtsgericht in Düsseldorf einen Antrag auf die Wiedereinsetzung des Sonderprüfers Harald Ring. Dieser war im März auf einer Hauptversammlung der IKB vom Großaktionär Lone Star abberufen worden. Ring solle die Prüfung nun zu Ende bringen, erklärte die DSW. Lone Star hatte die Abberufung damals damit begründet, Nachteile für die Bank durch mögliche Klagen auf Basis der Berichte vermeiden zu wollen.

 
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