Hochtief sagt Börsengang von Tochter ab

Freitag, 4. Dezember 2009, 07:23 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Der Baukonzern Hochtief hat mit seinen Börsenplänen für die Flughafen- und Infrastruktur-Tochter Concessions eine Bruchlandung hingelegt.

Wegen zu schwacher Nachfrage der Investoren sagte die Essener Muttergesellschaft das für Freitag geplante milliardenschwere Börsendebüt am Donnerstagabend ab. Dies könnte einen herben Rückschlag für den durch die Finanzkrise stark in Mitleidenschaft gezogenen Markt für Börsengänge bedeuten.

Hochtief teilte mit, das Vorhaben werde "zunächst" nicht weiter verfolgt, und verwies indirekt auf die Dubai-Krise. "Durch die jüngsten Verwerfungen an den internationalen Kapitalmärkten hat sich das Kapitalmarktumfeld entscheidend verschlechtert", erklärten Hochtief und die Tochter. Eine Veräußerung der Concessions-Anteile unter Wert scheide aus.

Wegen der Finanzkrise hatten in der Vergangenheit viele andere Unternehmen nicht den Gang an den Aktienmarkt gewagt - oder mussten die bereits gefassten Pläne gar absagen. Auch in den vergangenen Tagen waren an den Märkten Zweifel aufgekommen, ob das Initial Public Offering (IPO) von Hochtief Concessions wie geplant stattfinden werde. Zahlungsschwierigkeiten des Emirats Dubai - eine Region, in der viele Baukonzerne tätig sind - hatten die Investoren verunsichert.

Zudem hatten Börsianer moniert, dass der Wert und die Perspektiven der Beteiligungen von Hochtief Concessions schwer einzuschätzen seien. Sind sich die Investoren ihrer Sache aber nicht sicher, schrecken sie davor zurück, in neue Aktien zu investieren - oder verlangen einen derart hohen Abschlag, dass ihn die Unternehmen nicht akzeptieren. Die Wertvorstellungen für Concessions seien "nicht realisierbar" gewesen, betonte Hochtief.

TOCHTER SIEHT FINANZIERUNG AUCH OHNE BÖRSENGANG GESICHERT

Der größte deutsche Baukonzern wollte bis zu 49 Prozent der Tochter an die Börse bringen, in der der Konzern unter anderem seine Beteiligungen an sechs Flughäfen wie in Budapest und Athen gebündelt hat. Die Preisspanne hatte Hochtief zwischen 24 bis 29 Euro abgesteckt. Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter hatte aber immer wieder betont, der Konzern müsse Concessions nicht um jeden Preis an die Börse bringen. "Unser Anspruch als aktiver Portfoliomanager war stets, in keinem Fall unter unseren Wertvorstellungen zu verkaufen. Das haben wir immer gesagt und wir stehen weiterhin unter keinerlei Druck", betonte er nun in der Mitteilung. Für Concessions habe das Scheitern der Börsenpläne keine Folgen, unterstrich Vorstandschef Peter Noe: "Unsere Finanzierungslinien stehen - auch ohne einen Börsengang."