Merkel sieht keine Gefahr für Spanien und Portugal

Donnerstag, 29. April 2010, 07:39 Uhr
 

Berlin/Athen (Reuters) - Bundeskanzlerin Angela Merkel ist optimistisch, dass die Griechenland-Krise nicht auf andere Euro-Staaten wie Portugal oder Spanien übergreift.

Es sei für alle Staaten eine Aufgabe, die aus der Wirtschaftskrise entstandenen hohen Staatsdefizite abzubauen. "Die genannten Länder fühlen sich dem verpflichtet und deshalb bin ich sehr optimistisch", sagte sie am Mittwoch auf die Frage, ob sie nach der Herabstufung der Bonität Portugals und Spaniens auch für diese Länder Finanzierungsprobleme erwarte. Bei Griechenland forderte sie "schmerzhafte" Reformen, um das Vertrauen der Märkte wieder herzustellen und zu verhindern, dass in zwei Monaten erneut gegen das Land spekuliert werde.

Merkel äußerte sich nach einem Treffen mit den Chefs der multinationalen Organisiationen IWF, OECD, WTO und ILO in Berlin. Zuvor hatte die Präsidenten des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB), Dominique Strauss-Kahn und Jean-Claude Trichet, Gespräche geführt, um Regierung und Parlament die Dringlichkeit von Hilfen für Griechenland deutlich zu machen.

Das Vertrauen der Euro-Zone stehe auf dem Spiel, und jede Verzögerung verschlechtere die Situation, sagte Strauss-Kahn. Auch aus Athen kam ein dringender Hilferuf: "Europa und die Euro-Zone müssen handeln, um das von der Krise ausgelöste Feuer zu löschen und ein Übergreifen auf das übrige Europa zu verhindern", mahnte Ministerpräsident Giorgos Papandreou.

"Wenn das Programm steht, wird sich Deutschland der Verantwortung nicht entziehen", betonte Merkel nach einem Treffen mit Strauss-Kahn. Sie mahnte, die Verhandlungen von IWF, EU-Kommission und EZB mit Griechenland schnell zum Abschluss zu bringen. Es gehe um die Stabilität der Euro-Zone insgesamt.

WAS MUSS DEUTSCHLAND ZAHLEN?

Es zeichnet sich ab, dass Deutschland für Hilfen wesentlich tiefer in die Tasche greifen muss als bislang bekannt: Nach Angaben mehrerer Bundestagsabgeordneter könnten binnen drei Jahren bis zu 25 Milliarden Euro auf Deutschland zukommen. Insgesamt sollen IWF und Euro-Partner Griechenland mit dreistelligen Milliardenbeträgen vor dem Kollaps bewahren.

Nach einem Treffen von Fraktionsvertretern mit Strauss-Kahn, Trichet und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatten SPD-Fraktionsgeschäftführer Thomas Oppermann und der Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin berichtet, EU und IWF wollten das Rettungspaket für einen Zeitraum von drei Jahren auf 100 bis 120 Milliarden Euro aufstocken. Der FDP-Haushaltsexperte Otto Fricke sagte dagegen, die 120 Milliarden seien nur eine Beispielrechnung gewesen, was Trichet und Strauss-Kahn auch klargemacht hätten. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle sprach Medienberichten zufolge gar von 135 Milliarden Euro.

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<p>A man walks inside the Athens' stock exchange in Athens April 28, 2010. REUTERS/Yiorgos Karahalis</p>