Neue Front im US-Hypothekenstreit der Deutschen Bank

Samstag, 3. September 2011, 12:14 Uhr
 

Washington/New York (Reuters) - Die Finanzbranche steht in den USA vor neuen Problemen: Die Deutsche Bank und andere Großinstitute werden wegen ihrer umstrittenen Hypothekengeschäfte mit weiteren Klagen konfrontiert.

Im Zuge der Aufarbeitung der Finanzkrise zieht nun für Investoren überraschend auch die Aufsichtsbehörde der beiden größten staatlichen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac vor Gericht. Der Klageschrift vom Freitag zufolge werden finanzielle Schäden auf Hypotheken-Anleihen über insgesamt fast 200 Milliarden Dollar geltend gemacht - davon entfallen mehr als 14 Milliarden Dollar auf die Deutsche Bank. Eine Sprecherin des deutschen Branchenprimus sagte, das Institut werde sich entschlossen zur Wehr setzen. Die Vorwürfe seien unbegründet.

Die Federal Housing Finance Agency (FHFA) wirft den Instituten vor, die Qualität der an die beiden professionellen Investoren verkauften Kreditbündel falsch dargestellt zu haben. Die Deutsche Bank ist in den USA wegen ihrer Hypothekengeschäfte in eine ganze Reihe von Verfahren verwickelt, die mit Milliarden-Strafzahlungen enden können. Die Prozesse dürften sich über Jahre hinziehen.

Die FHFA hat unter anderem auch Goldman Sachs, Bank of America, deren Abteilung Merrill Lynch, JPMorgan Chase, Citigroup und Morgan Stanley sowie die britischen Geldhäuser HSBC und Barclays sowie die Credit Suisse im Visier. Insgesamt werden der FHFA zufolge 17 Unternehmen angeklagt.

Einem Bericht der "New York Times" zufolge ist die Klage vor dem Bezirksgericht von Manhattan das Ergebnis von Ermittlungen, in deren Rahmen die Aufsicht die betroffenen Institute im vergangenen Jahr zur Befragung vorgeladen hat. Die beiden Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac haben beim Platzen der Finanzblase vor drei Jahren hohe Summen verloren und mussten verstaatlicht werden. Es gilt als zentrale Ursache der Krise, dass die Finanzkraft von Immobilienkäufern notorisch und offenbar auch systematisch überschätzt wurde, um mehr Kredite zu vergeben. Dabei verließ sich der Markt darauf, dass der Wert der mit den Hypotheken belasteten Immobilien immer weiter und in anhaltend hohem Tempo steigt.

Angesichts der jüngsten Börsenturbulenzen kommt der überraschende Schritt der Behörde zu einer ungünstigen Zeit und droht die Aktienkurse der Branche weiter zu belasten. Deutsche-Bank-Aktien verloren am Freitag fast sechs Prozent, während der Dax rund 3,4 Prozent einbüßte. Auch die Commerzbank rutschte 5,5 Prozent ab. Neben der US-Klage bewogen neue Sorgen wegen des hoch verschuldeten Griechenlands und enttäuschenden US-Arbeitsmarktdaten die Anleger zum Rückzug. Bei der Deutschen Bank schürten zudem Spekulationen über eine weitere Sparrunde Unruhe. Am Freitag schlossen die Aktien von Goldman Sachs und JP Morgan mehr als 4,5 Prozent im Minus. Anteilsscheine von Citigroup büßten 5,3 Prozent ein, die Papiere der Bank of America sogar 8,3 Prozent.

 
<p>A Deutsche Bank logo is pictured in front of the Deutsche Bank headquarters in Frankfurt February 24, 2011. REUTERS/Ralph Orlowski (GERMANY - Tags: BUSINESS)</p>