Durchsuchung bei HVB - Verdacht auf Steuerhinterziehung

Donnerstag, 29. November 2012, 10:19 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen die HypoVereinsbank wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung.

Die Geschäftsräume der UniCredit-Tochter in München seien deshalb am Mittwoch durchsucht worden, erklärte die Bank am Donnerstag. Das Institut soll bei zwielichtigen Dividenden-Geschäften mit einem Frankfurter Investor zusammengearbeitet haben und mitgeholfen haben, dass der Fiskus um knapp 124 Millionen Euro betrogen wurde.

Bei den Ermittlungen geht es um komplexe Aktientransaktionen in den Jahren 2006 bis 2008, die um die Dividendenzahlungen herum getätigt wurden. Die Beteiligten sollen dabei keine Kapitalertragssteuern auf die Dividendenerlöse bezahlt haben. Von der HVB erhielten sie jedoch eine Bescheinigung, dass Steuern abgeführt wurden, verrechneten diese mit anderen Abgaben und bekamen in der Folge Geld vom Finanzamt zurück.

Auch die HypoVereinsbank habe im Eigenhandel möglicherweise Steuergutschriften geltend gemacht, erklärte die Münchner Bank. "Zur Schaffung vollkommener Transparenz im Hinblick auf getätigte Dividendentransaktionen hat der Aufsichtsrat der HVB 2011 eine umfassende Überprüfung der Vorgänge durch externe Berater in Auftrag gegeben", erklärte die Bank. "Die HypoVereinsbank ist proaktiv auf die Finanz- und Ermittlungsbehörden zugegangen, um diese zu unterstützen."

Laut "Süddeutscher Zeitung" handelt es sich bei der HVB um keinen Einzelfall. Die Steuerbehörden von Bund und Ländern prüfen mehrere derartige Vorgänge. Der Staat sei möglicherweise über Jahre um Milliardenbeträge erleichtert worden. Mittlerweile sei der Vorgang, der auch als "Dividendenstripping" bekannt ist, aufgrund strengerer Regeln nicht mehr möglich. Die HVB habe die Praxis 2008 gestoppt und sich von den betroffenen Mitarbeitern getrennt. Bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

 
UniCredit, Chief Executive Alessandro Profumo (L) and his HVB counterpart, Wolfgang Sprissler pose for the media before the HVB's annual shareholder meeting in Munich June 26, 2007. REUTERS/Michael Dalder